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Strauß und die Kirche Der streitlustige Katholik

Religion ist nicht Politik und umgekehrt - so lautete das Credo von Franz Josef Strauß. Streng katholisch erzogen, behielt er in seinem politischen Wirken den Menschen als Ebenbild Gottes im Blick. Über kirchliche Würdenträger schimpfte er allerdings mehr als einmal. Nur mit einem Kardinal verstand er sich glänzend. Von Martin Jarde

Von: Martin Jarde

Stand: 31.08.2015

Der katholische Militärbischof der Bundeswehr Kardinal Wendel und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß nehmen 1959 an der Soldaten-Wallfahrt nach Lourdes teil. Das Bild zeigt Franz Josef Strauß (r), der Kardinal Wendel (l) kurz vor dem Abflug nach Lourdes auf dem Militärflugplatz Neubiberg mit einem Kuss auf den Ring begrüßt. | Bild: picture-alliance/dpa

"Mündige Laien": Hitzige Debatten um das Verhältnis zur Kirche

"Ich bekenne mich zum Recht und zur Pflicht der Kirche ... die kirchlichen Normen sind für uns wesentliche Orientierungspunkte, die der Politiker nicht außer Acht lassen darf, das heißt aber noch lange nicht ... dass die Kirchen den Politikern unmittelbare Vorschriften machen sollten, die zu befolgen seien"

Franz Josef Strauß

So könnte man das politische Glaubensbekenntnis von Franz Josef Strauß zusammenfassen. 1988 erinnerte er auf der Jubiläumssitzung aus Anlass der CSU-Parteigründung vor 40 Jahren daran, dass es zu Beginn harte Auseinandersetzungen über die Rolle der Kirche in der Partei gab. Schließlich habe sich die Auffassung durchgesetzt, so Strauß, dass "wir als mündige Laien in eigener Verantwortung unsere Entscheidung zu treffen haben".

Dieser Linie blieb er sein Leben lang treu: Vor allem bei der Atompolitik legte sich der Vollblutpolitiker mehr als einmal mit der Kirche an. Als der damalige Kölner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Joseph Kardinal Höffner, vor der Kernenergie warnte - sie gar als "ethischen Irrweg" bezeichnete wurden viele Unionspolitiker, daunter auch Helmut Kohl, sehr kleinlaut. Nicht so Franz Josef Strauß: Entgegen der zurückhaltenden Bonner Sprachregelung teilte der fromme Bayer mit, seine Eminenz habe keine Ahnung, wovon er rede. Die Bemerkungen zur Kernenergie seien deshalb auch nicht weiter wichtig.

Auch der Katholische Jugendbund prallte beim Thema Atomkraft mit dem damaligen CSU-Vorsitzenden zusammen. Die jungen Katholiken hatten zu einem ökumenischen Kreuzweg an der Wackersdorfer Baugrube aufgerufen, wo nach den Wünschen von Strauß eine Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren entstehen sollte. Damit forderten sie den Ministerpräsidenten heraus: Einen "beängstigenden Mißbrauch von Kirche und Religion für demagogische Zwecke" warf er Dekanen und Bischöfen vor. Mit solchen Aktionen, schimpfte er, gerieten die christlichen Eiferer in die "Gesellschaft von verfassungsfeindlichen, extremistischen Organisationen".

"Ihr Geist wird auch in Zukunft über den Münchner Wassern schweben"

Franz Josef Strauß überreicht Joseph Kardinal Ratzinger als Abschiedsgeschenk ein Kruzifix aus Porzellan.

Einer der wenigen kirchlichen Würdenträger, mit denen sich Strauß bestens verstand, war der ebenfalls konservative und ebenfalls hochgebildete Kardinal Joseph Ratzinger - der spätere Benedikt XVI. Als dieser zum Präfekt der Glaubenskongregation ernannt wurde und 1982 nach Rom ging, verabschiedete Strauß ihn mit den Worten:

"Mir will das Wort Abschied nicht über die Lippen, ... denn wir wissen ja nicht: Ist München ein Vorort von Rom oder ist Rom eine beliebte Pilgerstätte der Münchner (Applaus) ... ich kenne mich in den hohen und heiligen Formulierungen nicht so genau aus, aber ich möchte sagen, Ihr Geist wird auch in Zukunft über den Münchner Wassern schweben."

Franz Josef Strauß

Franz Josef Strauß, erhält von Joseph Kardinal Ratzinger zu seinem 65. Geburtstag einen gerahmten alten Stich. (Mitte: Ehefrau Marianne)

Auch nach seinem Weggang nach Rom blieben Ratzinger und Strauß freundschaftlich verbunden. So lobte Strauß den Präfekten der Glaubenskongregation zu seinem 60. Geburtstag für seine Leistungen, die er "für das richtige Verhältnis von Staat und Kirche, von Politik und Theologie erbracht" habe. Ratzinger wiederum schenkte Strauß zu dessen 65. Geburtstag einen gerahmten alten Stich. Nach Strauß' Tod übernahm Kardinal Ratzinger auch die Beisetzung, die im engsten Familienkreis erfolgte.

Franz Josef Strauß hatte zwar keine Theologie studiert, kannte sich in kirchlichen Dingen jedoch bestens aus: Aufgewachsen in einem streng katholischen Münchner Elternhaus , in dem es verboten war, den Namen Luthers in den Mund zu nehmen, wurde der kleine Franz (seinen Zweitnamen benutzte er erst später) Ministrant in der nahe gelegenen St.-Ludwigs-Kirche.

Theologieprofessor erkennt Strauß' Potenzial

1927 empfahl der Theologieprofessor Johannes Zellinger dem Metzgermeister Strauß, seinen Sohn eine höhere humanistische Bildung zu ermöglichen. Zellinger war aufgefallen, dass der Franz ganze Passagen des Gloria auf lateinisch in der Messe mitsprechen konnte. So kam Strauß auf das renommierte Maximiliansgymnasium, wo er 1935 das bayernweit beste Abitur seit 1910 ablegte. Während seines Lehramtsstudiums der Altphilologie und Geschichte trat er der katholischen Münchner Studentenverbindung Tuiskonia bei.

Kirche und religiöses Leben war auch für den Privatmann Strauß selbstverständlich. Immer wieder sah man ihn und seine Familie in der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen, wo für ihn Plätze reserviert waren. Außerdem fastete Strauß jedes Jahr, wie der Spiegel 1988 berichtete. Ein überzeugter, aber liberaler Katholik sei er gewesen, erinnert sich der ehemalige CSU-Vorsitzende Theo Waigel. Großen Respekt habe er vor den Päpsten gehabt. Johannes Paul II. begrüßte er als Ministerpräsident 1980 sogar in München. Als Waigel fünf Jahre später zu Gast im Vatikan war, wollte der polnische Papst wissen: "Wie geht es Strauß?" - "Er kämpft", erwiderte Waigel. Darauf Johannes Paul II.: "Er kämpft immer."

Der Katholik Franz Josef Strauß

Verlobung

Franz Josef Strauß und seine Braut Marianne Zwickernagl am Vorabend der Verlobung während einer viertelstündigen Privataudienz bei Papst Pius XII. Der damalige Bundesverteidigungsminister hatte sich am 21. April 1957 in Rom verlobt.

Hochzeit

Franz Josef Strauß mit seiner Ehefrau Marianne beim Verlassen der Kirche St. Marinus in Rott am Inn nach der Trauung am 4. Juni 1957, rechts im Hintergrund Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Tod von Marianne Strauß

Am 28. Juni 1984 wird die am 22. Juni 1984 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Frau von Franz Josef Strauß, Marianne Strauß, in Rott am Inn beigesetzt. Hinter dem Sarg Franz Josef Strauß mit seiner Tochter Monika und den Söhnen Franz Georg und Max Josef (l).

Taufe der Enkelin Michaela

Monika Hohlmeier spricht während der Taufe ihrer Tochter Michaela in der Münchner Peterskirche am 22. März 1987 mit ihrem Vater Franz Josef Strauß.


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