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Tierwirt/-in Geflügelhaltung Vom Tier zum Lebensmittel

Vom Frühstücksei bis zum Chicken-Burger: Lebensmittel von Hühnern, Puten, Gänsen und Enten sind gefragt. Die Branche sucht händeringend nach Fachleuten, die sich um die vielen Millionen gefiederter Nutztiere in Deutschland kümmern, sie füttern, pflegen und vermarkten.

Stand: 20.11.2014

Manuel klopft kräftig an die Tür eines Stalles, hinter der sich gackernd und krähend mehrere tausend Hühner und Hähne tummeln. Bei Hühnern muss man immer anklopfen, damit sie sich nicht erschrecken. Der Azubi sammelt einzelne Eier auf, die eigentlich in den Nestern landen sollten. Von dort werden sie per Gummiförderband zu einer Sortieranlage abtransportiert. Die Eier werden an andere Landwirte verkauft. Viele Betriebe mästen männliche und weibliche Tiere zu schlachtreifen Exemplaren heran, die dann als Hähnchenbrust, -keule oder als ganze Grillhähnchen in die Supermärkte gelangen. Ob in der Brüter-, in der Eier- oder in der Fleischproduktion - überall sorgen Tierwirte der Geflügelhaltung für saubere, trocken eingestreute Ställe, für Trinkwasser und Futter. Wachsam schreiten sie vorsichtig durch die großen Herden wie durch eine bewegtes Meer aus gefiederten Lebewesen. Kranke Tiere erkennen, dem Tierarzt melden, die Verordnungen des Arztes umsetzen und alles dokumentieren - das ist für Berufsanfänger eine große Herausforderung.

"Wenn man sich alleine um so viele Tiere kümmert, da ist schon ein bisschen Risiko dabei. Man hat auch immer ein bisschen Bedenken. Aber: Man wächst mit seinen Aufgaben, und es steht immer jemand hinter einem normalerweise, der einen unterstützt, wenn Fragen sind, wenn irgendetwas vorkommen sollte."

Manuel Bachmann (20) 2. Lehrjahr

Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf

Anatomie von Geflügel

Tierschutz, Hygiene, Körperbau, Anatomie von Geflügel - das theoretische Wissen über verschiedene Geflügelarten und -rassen eignen sich Auszubildende in der dreijährigen Lehre im Blockunterricht in spezialisierten Berufsschulen an. In Süddeutschland sind das zum Beispiel die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. Dort bekommen die Azubis Kontakt mit einem Schlachthaus, lernen das vorschriftsmäßige Töten und Schlachten. Der Tod und die Verwertung zum Lebensmittel gehören zur Ausbildung. Ganz locker löst kein Azubi diese Aufgabe beim ersten Mal.

"Ja, beim ersten Mal war das schon sehr schwer. Denn wenn man das Tier nimmt, betäubt und dann abstechen muss in diesem Trichter, das ist halt eine Überwindungskunst. Beim Brühen geht es dann schon wieder einfacher und beim Rupfen. Das Ausnehmen ist ganz leicht."

Desirée Reetz (20), 2. Lehrjahr

Direktvermarktung von Eiern, Fleisch und Nudeln

Hühner in Freilandhaltung

Manche Berufsanfänger suchen sich einen kleineren Betrieb mit Direktvermarktung von Eiern, Fleisch und Nudeln. Auf anderen Betrieben werden Eier sortiert, verpackt und ausgeliefert. Der Umgang mit Technik und etwa Traktorfahren gehören auf vielen Betrieben auch zum Alltag. In den Ställen kann es laut werden, staubig und warm. Und weil die Tiere 365 Tage im Jahr versorgt sein wollen, arbeiten Azubis in diesem Beruf auch an Wochenenden und Feiertagen. Fernsehberichte über moderne Geflügelhaltung stehen meist im Zusammenhang mit Skandalen. Frank Vogler hat sich zum Meister weiterqualifiziert und leitet jetzt einen Geflügelhof mit Eier- und Nudelvermarktung. Der Jungunternehmer rät Interessenten, sich in verschiedenen Betrieben ein eigenes Bild von den vielseitigen Aufgaben in diesem Beruf zu machen.

"Man soll in der Ausbildung so viel möglich machen und sehen: Pute, Hähnchen, Ente - alles was es gibt.  Und man soll das Tier, das einem am meisten liegt, auf das sollte  man sich schon spezialisieren.  Und dann natürlich den Meister machen - auf jeden Fall."

Frank Vogler (30) , Tierwirtschaftsmeister

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Tierwirt/-in Geflügelhaltung
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die praktische Ausbildung findet in landwirtschaftlichen Betrieben mit Nutzgeflügel statt und bei Firmen, die auf die Geflügelzucht spezialisiert sind. Theoretische Kenntnisse erwerben die Azubis in Berufsschulen wie im mittelfränkischen Triesdorf.
  • Ausbildungsorte: Geflügelmäster, Eierproduzenten, Vermehrungsbetriebe
  • Zugang: Es ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss erwartet.
  • Eignung: Geschick im Umgang mit Tieren,  Interesse an Technik, Sorgfalt, selbstständiges Arbeiten
  • Prüfung: Die Prüfungen werden von den Berufsschulen und den zuständigen Stellen für die Berufsbildung der Landwirtschaftsbehörden durchgeführt.
  • Alternative: Tierwirt/-in mit anderen Schwerpunkten

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Tierwirte in der Geflügelhaltung müssen beim Füttern, Wiegen  und beim Anwenden von Medikamenten sehr genau arbeiten. Ungenaues Arbeiten hat bei den meist großen Tierbeständen große Auswirkungen.

Arbeitszeit

Die Tiere müssen 365 Tage im Jahr beobachtet und versorgt werden. Wochenenden und Feiertage sind also ganz normale Arbeitstage.

Geschick

Azubis können eine frei umherlaufende Henne oder einen Hahn mit bloßen Händen fangen und so halten, dass das Tier ruhig bleibt.  Auch das lernen sie in der Ausbildung.


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