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Technische/r Modellbauer/in Formengeber auf dem Weg von der Idee zur Serie

Am Anfang steht eine Idee, ein Entwurf. Jahre später fährt das neue Auto auf der Straße. Vor der Serienfertigung steht das Modell, für das die Technischen Modellbauer (Fachrichtung Karosserie und Produktion) zuständig sind.

Stand: 11.04.2014

Andreas Schweiger ist Technischer Modellbauer bei Audi in Ingolstadt. Ob in Originalgröße oder maßstabsgerecht verkleinert, ob ein Gurtstraffer, ein Kotflügel oder eine Form für komplizierte Autoteile - wie man solche fertigt, hat der 20-Jährige in seiner Ausbildung gelernt. Das Ziel: Die Ideen der Designabteilung in ein Produkt zum Anfassen umzusetzen. Welche Werkstoffe sie dafür verwenden, entscheiden die technischen Modellbauer selbst. Anhand der fertigen Modelle können die Vorstände, die Designer und Konstrukteure dann sehen, ob ein Auto oder Autoteil so gebaut werden kann wie gedacht oder ob es vor der Serienfertigung geändert werden muss.

"Den Großteil übernehmen die Maschinen, aber es muss immer noch händisch nachgearbeitet werden, also verschleifen, lackieren, härten, da ist alles mit dabei."

Stefan Ebert (20), Azubi

In ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung lernen angehende Technische Modellbauer viel über die verschiedenen Werkstoffe: von Holz über Metall und Hartschaum bis zu speziellen Kunststoffen. Die Auszubildenden müssen sehr genau und sorgfältig arbeiten, viel Geschick mitbringen und ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Bei ihrer täglichen Arbeit brauchen sie viel Geduld, denn sie müssen ihre Werkstücke immer wieder anpassen und nachbearbeiten.

"Als wir vor 20 Jahren im Modellbau gestartet sind, haben wir die Formen sehr einfach dargestellt. Jetzt wird jedes kleine Detail gewünscht und dargestellt. Nehmen wir ein Beispiel: Früher haben wir die Räder beim Auto nur drangestellt und fertig. Jetzt haben wir eine Höhenverstellung, damit wir das richtig in Position bringen können."

Reinhard Ostermeier, Meister

Wer in der Schule schon gute Noten in Mathematik und Werken mitbringt, tut sich auch in der Berufsschule leicht. Hier steht viel Theorie auf dem Stundenplan, zum Beispiel Fachrechnen und technisches Zeichnen. Es gibt aber auch viel praktischen Unterricht: Die Schülerinnen und Schüler lernen die CNC-Frästechnik und das Scannen mit 3D-Scan kennen, arbeiten an Probemodellen und üben sich im CAD-Zeichnen.

"Wir raspeln, feilen, lernen erst mal so die Werkzeuge kennen: Wie macht man was mit der Hand, die einzelnen Details und so. Und dann im Laufe der Ausbildung, in den weiteren Lehrgängen, kommt man dann auch in die Werkstatt rüber. Da ist man dann auch an der Fräsmaschine, an normalen Holzbearbeitungsmaschinen, an der Kreissäge, an Drehmaschinen und so weiter."

Jennifer Schneider (21), Azubi

Ausbildungsstellen bieten die großen Automobilbauer, aber auch Automobilzulieferer und Handwerksbetriebe des Modell-, Formen- und Musterbaus. Viele dieser Betriebe befinden sich in der Nähe der großen Autokonzerne, wie zum Beispiel im Stuttgarter oder Münchner Raum. Nach der Lehre satteln viele noch den Meister oder ein technisches Studium drauf. Andreas Schweiger ist gerade 20 - er will auf jeden Fall noch Berufserfahrung sammeln. Die Gesellen sind in der Automobilbranche gesuchte Fachkräfte, denn sie bringen ein breites Wissen über verschiedene Werkstoffe mit. Ihre Berufsaussichten sind gut.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Technische/-r Modellbauer/-in, Fachrichtung Karosserie und Produktion
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungsform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Prüfung: Die Ausbildung wird in den Bereichen "Industrie und Handel" und "Handwerk" angeboten. Die Prüfungen nimmt also entweder die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer ab.
  • Ausbildungsorte: Technische Modellbauer/innen der Fachrichtung Karosserie und Produktion arbeiten hauptsächlich in Betrieben des Modell-, Formen- und Musterbaus, bei Automobilzulieferern, in Gießereien und in Betrieben des Fahrzeugbaus.
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis werden am häufigsten Azubis mit mittlerem Schulabschluss eingestellt.
  • Eignung: Technische Modellbauer brauchen ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen und viel technisches Verständnis. Sie arbeiten per Hand oder an der Maschine stets präzise und ordentlich. Bei der Umsetzung von Designideen und der Auswahl von Werkstoffen ist Kreativität nötig.
  • Perspektiven: Die Berufsaussichten für technische Modellbauer sind gut. Nach der Lehre können sie den Meister oder ein Studium dranhängen. Eine Selbstständigkeit ist wegen des sehr teuren Maschinenparks für Berufsanfänger eher keine Alternative.
  • Spezialisierungen: Mit ihrem breiten Wissen über Werkstoffe können technische Modellbauer der Fachrichtung Karosserie und Produktion auch in anderen technischen Berufen gut Fuß fassen - zum Beispiel als Modellbauer in den anderen Fachrichtungen Gießerei oder Anschauung. Auch als Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker können sie arbeiten

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Mathematik

Täglich müssen Technische Modellbauer/innen Abstände und Maße berechnen und korrigieren. Da sollte man mit Zahlen gut umgehen können.

Geschick

Technische Modellbauer/innen müssen viel handwerkliches Talent mitbringen. Sie feilen und fräsen täglich an Teilen, optimieren Entwürfe solange, bis sie wie echt aussehen.

Wissenswert

Technische Modellbauer/innen arbeiten an Plänen und Entwürfen für Fahrzeuge, die erst in einigen Jahren auf die Straße kommen. Alles ist noch streng geheim – deshalb darf niemand Details seiner Arbeit ausplaudern. Alle Mitarbeiter müssen Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen; Fotohandys sind in den Werkstätten verboten.


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