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Technischer Modellbauer/-in (Fachrichtung Anschauung) Die Welt im Miniaturformat

Häuser, Handys, Rasierer - bevor neue Produkte auf den Markt kommen, entstehen sie im Miniaturformat: als Modell. Technische Modellbauer der Fachrichtung Anschauung fertigen solche Modelle genau nach Kundenwünschen, maßstabsgetreu, meist unter Zeitdruck und so perfekt, wie es nur geht.

Stand: 23.07.2014

Ein altes Kasernengelände soll neu bebaut werden. Der Architekt möchte, dass seine gezeichneten Pläne dreidimensional und maßstabsgetreu zu sehen sind - als Modell. Das heißt für die Mitarbeiter von "Max Matthes Modellbau" in München: Sie können sich auf einen langen Tag einstellen. Die einzelnen kleinen Häuschen haben sie schon gefräst, weiß lackiert und nachgeschliffen. Jetzt müssen sie genau nach Bauplan auf der Bodenplatte befestigt werden. Und 1.200 Bäumchen aus Schaumstoff müssen auch noch drauf. Dabei drängt die Zeit; der Architekt braucht das Modell dringend für einen Wettbewerb. Auch Azubi Alexandra Steinmeier hilft mit. Als angehende Anschauungsmodellbauerin braucht sie viel handwerkliches Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und viel Geduld - es dauert, bis so ein Modell fertig ist.

Gute Aufstiegschancen

Alexandra lernt in ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung sehr viele Werkstoffe kennen: Holz, Kunststoff, Leichtmetalle, Stahl und Acrylglas, zum Beispiel. Sie lernt auch, mit diesen Werkstoffen richtig umzugehen: feilen, bohren, lackieren, sägen. Eigentlich vereint der Beruf des Modellbauers viele Handwerksberufe in sich - deshalb bietet er nach der Lehre gute Aufstiegschancen, auch in verwandten Berufen.

"Wir müssen ziemlich viel Geduld haben, vor allem, wenn's ins kleine Detail geht dann. Und eine ruhige Hand braucht man halt auch. Das ist so das Hauptsächliche. Und es muss Spaß machen, und man muss im Teamwork zusammenarbeiten können und sich absprechen können, weil sonst haut es eigentlich nicht hin."

Alexandra Steinmeier, Azubi

Anspruchsvolle Aufträge

Auch mit CAD-Programmen müssen sich Modellbauer auskennen - die Pläne der Auftraggeber müssen sie lesen und umsetzen können. Immer wichtiger werden auch elektronische Funktionen an Modellen. Immer mehr Kunden wünschen sich Maschinen- oder Messemodelle, die auch etwas vorführen können - wieder eine Herausforderung für die Modellbauer.

13 oder 14-Stunden-Tage

Alexandra hat in ihrer Ausbildung schon lange gelernt, unter Zeitdruck zu arbeiten: Oft kommen die Aufträge der Architekten auf den letzten Drücker - dann muss das ganze Modellbauer-Team ran. Für Gesellen sind 13 oder 14-Stunden-Tage durchaus öfter drin - dafür haben sie dann unter der Woche mal frei, wenn weniger los ist.

"Die meisten Modelle sind für die Kunden gefragt, denn die Architekten sind natürlich Leute vom Fach. Aber die Kunden, denen das auch verkauft werden soll, die können sich das meist nicht so vorstellen. Und desto verrückter die Entwürfe natürlich werden, ja, desto komplizierter wird die ganze Angelegenheit."

Florian Schmid, Geschäftsführer

Den Beruf des Technischen Modellbauers gibt es in den drei Fachrichtungen: "Gießerei", "Karosserie und Produktion" und "Anschauung". In der Berufsschule im hessischen Biedenkopf spezialisieren sich alle angehenden Modellbauer der Fachrichtung Anschauung auf ihren Schwerpunkt. Nach der Lehre bietet der Beruf sehr gute Chancen, es gibt viele Karrierewege: Viele machen ihren Meister oder steigen im Betrieb zum Projektleiter auf. Abiturienten können gleich nach der Ausbildung studieren. Viele entscheiden sich für Architektur oder Industriedesign.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Technische/-r Modellbauer/-in, Fachrichtung Anschauung
  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Prüfung: Die Ausbildung wird in den Bereichen "Industrie und Handel" und "Handwerk" angeboten. Die Prüfungen nehmen dementsprechend entweder die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer ab.
  • Ausbildungsorte: Betriebe des Modell- und Musterbaus, Ingenieur- und Architekturbüros
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Rund die Hälfte der Azubis hat Abitur, gleich danach kommen die Azubis mit mittlerer Reife.
  • Eignung: technisches Verständnis, räumliches Sehvermögen, viel handwerkliches Geschick, Sorgfalt, ein Auge für Farben und Formen, Kreativität
  • Perspektiven: Die Berufsaussichten sind gut. Motivierte Gesellen sind gesucht. Anschauungsmodellbauer können mit vielen Maschinen umgehen, haben gute PC-Kenntnisse und kennen viele Werkstoffe. Mit diesem Wissen können sie auch in anderen Handwerksberufen gut Fuß fassen.
  • Spezialisierung: Modellbauer/-innen der Fachrichtung Anschauung können sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren: ob Architekturmodellbau, Designmodellbau oder Landschaftsmodellbau. Auch Modelle von Maschinen, Fahrzeugen und Flugzeugen werden gebraucht.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Handwerkliches Geschick

Obwohl Maschinen und Computer vieles leichter machen, brauchen technische Modellbauer / Anschauung sehr viel Geschick im Umgang mit Werkstoffen und Werkzeugen. Jeden Tag fräsen, schleifen, feilen und bohren sie. Mit zwei linken Händen braucht man sich nicht zu bewerben.

Technisches Verständnis

Der Beruf wird immer technischer. Viele Kunden wünschen sich bewegliche Modelle, zum Beispiel von Maschinen, an denen sich auch Funktionen zeigen lassen. Das bedeutet für die Modellbauer, dass sie sich auch mit mechanischen und elektrischen Vorgängen auskennen müssen.

Teamarbeit

Modellbau ist Teamarbeit - gerade dann, wenn ein eiliger Auftrag fertig werden muss, was sehr oft der Fall ist. Dann arbeiten alle Hand in Hand.


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