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Rohrleitungsbauer/-in Netzwerken unter der Erde

Wasser, Gas und Wärme gelangen durch ein weit verzweigtes unterirdisches Netz zum Verbraucher. Dieses Netz zu bauen, zu erweitern und regelmäßig zu kontrollieren, gehört zu den Aufgaben des Rohrleitungsbauers. Ein verantwortungsvoller Beruf.

Stand: 11.06.2014

Erst eine Woche in Augsburg, dann eine Woche im Bayerischen Wald, anschließend zwei Wochen am Nürnberger Flughafen: Sebastian Schwab kommt herum. Für einen Stadtbummel bleibt ihm allerdings meist keine Zeit - er verbringt die Tage auf der Baustelle und die Nächte im Hotel. Der 24-Jährige hat in Bayreuth eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer absolviert, die er vor einem Jahr erfolgreich abgeschlossen hat.

Täglich neue Herausforderungen

In dieser Woche hat Sebastian quasi ein Heimspiel: In Bayreuth wird die Fernwärmeleitung erweitert. Auf der Baustelle liegen wuchtige, zwölf Meter lange Rohre, die verschweißt werden müssen. Sebastian übernimmt die Rolle des Vorrichters: "Das heißt, ich bereite die Rohre mit einem Winkelschleifer so vor, dass mein Kollege Michael Kastl sie direkt im Anschluss verschweißen kann." Während Michael schweißt, stellt Sebastian die passende Stromstärke des Schweißgeräts mit einem Fernregler ein. Teamarbeit ist in diesem Beruf sehr wichtig.

"Der Beruf ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ich bin viel unterwegs und lerne jede Menge Leute kennen. Außerdem erwarten mich jeden Tag neue Herausforderungen."

Sebastian Schwab, Rohrleitungsbauer

Helm und Sicherheitsschuhe sind Pflicht

Rohrleitungsbauer arbeiten mit vielen unterschiedlichen Werkzeugen. Dabei müssen sie die Unfallverhütungsvorschriften beachten - Helm und Sicherheitsschuhe sind Pflicht auf der Baustelle. Wenn Funken fliegen, gehören außerdem feuerfeste Kleidung sowie eine Schutzbrille dazu. "Der Beruf ist nicht gefährlich, wenn man die Vorschriften einhält", erklärt Sebastian.

Das gilt auch für Arbeiten an der Gasleitung. "Wurden die Leitungen auf ausströmendes Gas geprüft? Ist ein Feuerlöscher da? Wurden Warnschilder aufgestellt?" Polier Albert Wörl geht mit Sebastian und einem Kollegen jeden einzelnen Punkt auf einer Checkliste durch. Erst dann dürfen die zwei  Rohrleitungsbauer hinunter in die Grube, wo sie die Gashauptleitung anbohren werden. Ein Sensor prüft ständig, ob Gas ausströmt. Die beiden arbeiten gewissenhaft und vorsichtig - ein Muss in diesem Beruf.

Teamarbeit auf der Baustelle

Auf einer anderen Baustelle rückt ein großer Bagger an. Eine Grube muss ausgeschachtet werden. Stefan Reindl dirigiert den Fahrer, der zwar sein Fahrzeug sicher bedienen, aber nicht in die Grube hinschauen kann. Nach wenigen Minuten werden Fernwärmeleitungen sichtbar, die etwa zwei Meter unter der Erde liegen. Stefan gibt dem Fahrer das Zeichen, vorsichtig weiterzumachen. Der 18-Jährige absolviert seine Ausbildung bei einer Firma in Bayreuth und ist im dritten Lehrjahr. In wenigen Tagen macht er seine Abschlussprüfung.

Wenig später sind die Leitungen freigelegt. Nun befestigt Stefan den Aluverbaurahmen am Baggerarm. Das Fahrzeug hievt die Wand in die Grube. Nun sind die Wände gesichert, die Arbeiten können beginnen.

"Bei Wind und Wetter draußen zu arbeiten - das gehört bei diesem Beruf dazu. Das A und O ist natürlich die richtige Kleidung. Im Winter muss man sich warm anziehen, wobei einem auch von der Arbeit warm wird. Und im Sommer ist es wichtig, viel zu trinken."

Stefan Reindl, 3. Lehrjahr (18 Jahre)

Egal, ob sie Wasser, Gas oder Wärme transportieren: Aus den Leitungen darf nichts entweichen. Deshalb müssen sie vor Inbetriebnahme auf ihre Dichtheit getestet werden - zum Beispiel bei einer Kontraktionsdruckprüfung. "Dazu senken wir zunächst den Druck in der Wasserleitung ab", sagt Albert Wörl und erklärt Stefan die einzelnen Phasen anhand einer Tabelle. Wenig später druckt ein kleines Gerät die exakten Werte aus. Rohrleitungsbauer arbeiten mit ausgefeilter Technik und teilweise komplexen Technologien - ein Beruf, der nicht nur den Körper fordert, sondern auch das Köpfchen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Rohrleitungsbauer/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule (Blockunterricht). Die Lehrlinge aus Bayern und den angrenzenden Bundesländern werden in Nürnberg unterrichtet, wo auch die überbetriebliche Ausbildung stattfindet (BauindustrieZentrum Nürnberg-Wetzendorf).
  • Zugang: Grundsätzlich wird keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, die Schulpflicht muss jedoch erfüllt sein. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Hauptschulabschluss ein.
  • Eignung: In die Grube hinein, aus der Grube heraus, bücken, knien, stundenlang im Stehen arbeiten: Rohrleitungsbauer müssen körperlich absolut fit sein. Außerdem wichtig: technisches Verständnis und Flexibilität. Wer diesen Beruf erlernen möchte, muss außerdem im Team arbeiten können und sollte ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben. Weibliche Auszubildende sind in diesem Beruf absolute Exoten.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in Mathematik und Physik fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung. Von Vorteil sind außerdem gute Kenntnisse im Fach Werken/Technik, denn Rohrleitungsbauer arbeiten vielen verschiedenen Werkzeugen.
  • Perspektiven: Wer nach der Ausbildung weiter kommen will, hat als Rohrleitungsbauer viele Möglichkeiten: So können sie sich zum Vorarbeiter, Werkpolier, Polier oder Techniker weiterbilden, Verantwortung als Bauleiter übernehmen, studieren oder sich selbständig machen.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Sorgfalt

Egal, ob sie schweißen oder die Dichtheit von Leitungen prüfen: Rohrleitungsbauer müssen absolut präzise arbeiten. Sorgfalt ist auch in punkto Sicherheit extrem wichtig – so müssen unter anderem die Unfallverhütungsvorschriften genau eingehalten werden.

Verdienstmöglichkeiten

Auszubildende bekommen ein überdurchschnittliches Azubigehalt – im Schnitt zwischen 690 und 1.300 Euro brutto im Monat.

Arbeitszeiten

Wenn es stark regnet oder der Boden gefroren ist, steht die Baustelle still. Rohrleitungsbauer häufen deshalb in den wärmeren Monaten Überstunden an, die sie in den kalten Wochen abbauen. Wenn ein Projekt dringend fertig werden muss, kann es sein, dass sie zusätzlich am Wochenende oder in der Nacht arbeiten müssen.


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