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Präparationstechnische/r Assistent/-in Mufflon, Hase und Co. für die Ewigkeit

Tierpräparate oder Dermoplastiken kennt man vor allem aus Museen. Präparationstechnische Assistenten/-innen stellen sie her – als Anschauungspräparate für Schulen, Museen, für Forschung und Lehre sowie für private Auftraggeber.

Stand: 19.08.2016

Im Museum "Natur & Mensch" in München gibt es eine Abteilung mit Tieren. Anders als im Zoo springen die aber nicht in der Gegend herum, sondern lassen sich in aller Ruhe bestaunen. Sie sind präpariert. Dieter Schön leitet die Präparation im Museum. Sein Meisterwerk heißt Bruno. Ein Braunbär, der im Jahr 2006 von Tschechien nach Bayern gewandert war. Weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit wurde, musst er erschossen werden. Dieter Schön hat ihn präpariert.

Sein neuestes Tier ist eine Kleinantilope. Von der gibt es eigentlich nur das gegerbte, also konservierte Fell. Das Innere gestaltet der Präparator nach den Maßen und Zeichnungen, die er angefertigt hat. Ein Modell aus Ton. Das hat durchaus etwas Künstlerisches. Jeder Präparator hat seine eigene Handschrift, die sich in der Gestaltung der Tierposition und eventuell einer Umgebung ausdrückt.

"Man sollte grundsätzlich gewisse gestalterische Fähigkeiten mitbringen. Man sollte entweder malen, zeichnen oder modellieren können. Im Idealfall alle drei Sachen zusammen. Dann ist man eigentlich in dem Kreativteil des Berufes gut aufgehoben."

Dieter Schön, Präparator

In Bochum gibt es die einzige Berufsschule für den Beruf des präparationstechnischen Assistenten: das Walter-Gropius-Berufskolleg. Hier steht am Ende einer dreijährigen Ausbildung eine staatlich anerkannte Prüfung nach Landesrecht. Da "Präperator" kein Lehrberuf ist, kann ihn ansonsten jeder einfach so ausüben.

Hier Bochum geht's zur Sache! Mit dem Skalpell legt Sabrina Duthel den Kopf eines Mufflons frei. Nichts für Zartbesaitete. Dann sägt sie den Schädel auf. Für das Präparat braucht sie nur die Schädeldecke mit dem Gehörn.

"Schön wäre es natürlich, sich selbstständig zu machen. Also nach der Schule wird es wohl erstmal so sein, dass ich natürlich noch mehr Erfahrung sammeln muss. Wo das sein wird, weiß ich nicht. Entweder in einem Museum oder bei einem selbstständigen Präparator. Und dann, je nachdem, wo es mich hin verschlägt: Selbstständig wäre schon ganz schön, aber zwischendurch im Museum zu arbeiten, wäre auch eine Option."

Sabrina Duthel, (20), 2. Lehrjahr

Ute Ledebur leitet die Ausbildung. Sie kann sich um jeden Auszubildenden kümmern. Ein Jahrgang hat meist nicht mehr als zehn Teilnehmer.

"Die künstlerische Arbeit, finde ich, ist das Besondere. Dass man also die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld darstellen kann. Dass man ihnen durch die Präparation wieder so ein bisschen Leben einhaucht. Das soll ja das Ziel sein, dass die Tiere wieder aussehen als könnten sie in dem Moment sich fortbewegen, in dem man sie anschaut."

Ute Ledebur, Schulleitung Präparation

Uschi Hänel betreibt in Saal an der Donau als selbstständige Präparatorin ein Studio. Hier führt sie Auftragsarbeiten aus - für Jäger, Sammler und auch für Familien, die ihr liebgewordenes Haustier nach dem Ableben gern als Präparat hätten. So arbeitet sie an Kaninchen, Katzen und Wellensittichen genauso wie an Wildschweinen und Mufflons. Sie hat sich, sagt sie, in ihrem Job noch nicht einen einzigen Tag gelangweilt.

"Es gibt ja so viele Arten der Darstellung. So vielfältige Kunden, die alles etwas anderes von einem möchten oder schön finden. Dazu die Beratung der Leute - einen Tipp zu geben, was am besten aussieht."

Uschi Hänel, Präparatorin

Dieser sehr spezielle Beruf hatte es eine ganze Weile lang schwer. Tierpräparate waren in den 1950er-Jahren aus der Mode gekommen. Erst mit der Jahrtausendwende stieg die gesellschaftliche Akzeptanz wieder an. Es gibt allerdings nur wenige Stellen, auf die man sich bewerben kann und die Selbstständigkeit ist nicht jedermanns Sache. Dieter Schön vom Natur-und-Mensch-Museum empfiehlt den Job gar nur als Nebenberuf. Für den präparationstechnischen Assistenten oder den Präparator sollte man sich also berufen fühlen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Präparationstechnische/r Assistent/-in, Fachbereich Biologie    
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Ausbildung an der Berufsschule in Bochum. e Berufsbezeichnung "Präparator" ist nicht geschützt. Es ist keine Ausbildung dafür vorgeschrieben.
  • Prüfung: Staatliche Abschlussprüfung
  • Ausbildungsorte: Berufsschule 
  • Zugang: Die mittlere Reife wird mindestens vorausgesetzt. Bei Besuch der Schule Erwerb des Fachabiturs inklusive.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick ist Grundvoraussetzung. Ein Blick für die Natur erleichtert die Darstellung des präparierten Tieres.
  • Perspektiven: Nach der Ausbildung gibt es die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen oder in Museen und zoologischen Instituten eine Anstellung zu finden. Auch ein Studium ist möglich.

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Mit einem genauen Blick für die Natur machen sich Präparationstechnische Assistenten und Assistentinnen an die Arbeit. Das gegerbte und damit konservierte Fell muss genau über den Kunststoffkorpus passen, der nach den Maßen des toten Tieres hergestellt wurde.

Kreativität

Jeder Präparator hat seine eigene Handschrift. In welcher Stellung wird das Reh dargestellt? Soll die Wildkatze wie zum Sprung bereit sein? Breitet der Adler seine Schwingen aus? Dazu kommt gelegentlich auch die Darstellung einer natürlichen Umgebung. Besonders in Museen.


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