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Fachkraft für Lederverarbeitung Aus vielen Teilen wird ein Ganzes

Schuhoberteile, Geldbeutel, Taschen: Fachkräfte für Lederverarbeitung fertigen Waren aus Leder und anderen Materialien an. Dafür müssen sie handwerkliches Geschick, ein gutes Auge und viel Geduld mitbringen.

Stand: 02.12.2013

Sorgfältig prüft Isabel Müller die Lederhaut. "Ich schaue, ob ich Risse, Löcher oder andere Fehler entdecke", erklärt sie. "Die Stellen muss ich beim Zuschneiden dann aussparen." Schließlich spielt Qualität bei hochwertigen Schuhen eine wichtige Rolle.

Schneiden mit dem Laser

Isabel Müller überprüft die Lederqualität

Die 19-Jährige lernt bei Peter Kaiser in Pirmasens. Am Lasertisch schneidet sie die einzelnen Teile für einen Damenschuh zu. Mit der Maus platziert sie die Schablonen auf dem Leder. Dabei muss sie platzsparend arbeiten, denn das Material ist teuer. Ein scharfes Messer schneidet die einzelnen Teile aus.

"Kampf mit der Nähmaschine"

Fachkräfte für Lederverarbeitung müssen verschiedene Maschinen bedienen können. "Zum Beispiel die, an denen man Leder spalten und schärfen kann. Dabei wird das Leder insgesamt dünner gemacht und an den Kanten abgeflacht", so Isabel. Am meisten habe sie anfangs mit der Nähmaschine gekämpft. "Es war gar nicht so einfach, die Nähte gleichmäßig und parallel zur Kante zu setzen. Aber mittlerweile klappt das ganz gut."

"Gleichmäßige Nähte an der Maschine hinzubekommen ist gar nicht so einfach. Wir mussten am Anfang auf Papier steppen, damit wir ein bisschen Übung bekommen. Und so haben wir uns dann Stück für Stück herangetastet."

Isabel Müller, 2. Lehrjahr (19 Jahre)

Die Schuhteile werden zusammengenäht

Die einzelnen Schuhteile zuschneiden, zusammenkleben und -steppen, mit Nähten verzieren - all das gehört zu den Aufgaben der Fachkräfte für Lederverarbeitung. "Wenn meine Arbeit beendet ist, fehlt nur noch die Sohle", so Isabel.

Taschen, Gürtel und Kleinlederwaren

Schuhe bekommt Anina Puskeppeleit nie in die Hand. In der Lederwerkstatt Landsberg fertigt die Auszubildende Taschen, Gürtel und Kleinlederwaren. Auch reparieren gehört zu ihren Aufgaben. "Bei uns wird jedes Stück nach Kundenwunsch gefertigt, ist also ein Unikat", erklärt die 23-Jährige.

"Die Verletzungsgefahr ist nicht hoch, wenn man die Sicherheitsregeln beachtet. Man muss einfach vorsichtig sein bei dem, was man macht; sich bewusst sein, dass die Klingen sehr scharf sind, dass man ausrutschen könnte; von sich wegarbeiten. Dann passiert normalerweise nichts, aber kleine Verletzungen hin und wieder gehören dazu."

Anina Puskeppeleit, 2. Lehrjahr (23 Jahre)

Griff für eine Ledertasche

Ein Kunde möchte an seiner neuen Tasche einen Griff haben. Anina sucht das passende Leder und die richtige Farbe heraus. Mit einem Riemenschneider schneidet sie das Stück zu, rundet dann die Enden mit dem Halbmondmesser ab. Schließlich fasst sie den Griff an der Nähmaschine mit Ziernähten ein.

"In diesem Beruf muss man ab und an auch ein bisschen Kraft aufwenden", erklärt Anina, während sie mit Hilfe eines Stanzeisens und eines Hammers zwei Löcher in den Deckel der Tasche treibt. Durch die Öffnungen steckt sie Hülsenschrauben, mit deren Hilfe der Griff an der Tasche befestigt wird.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachkraft für Lederverarbeitung
  • Ausbildungsdauer: 2 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. In Pirmasens (Rheinland-Pfalz) werden die Azubis aus mehreren Bundesländern unterrichtet, darunter aus Bayern. Der Blockunterricht findet einmal im Vierteljahr statt und dauert jeweils zwei bis drei Wochen.
  • Zugang: Grundsätzlich wird keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, die Schulpflicht muss jedoch erfüllt sein. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Hauptschulabschluss und Mittlerer Reife ein.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick müssen die Auszubildenden auf jeden Fall mitbringen. Fachkräfte für Lederverarbeitung müssen präzise arbeiten und sollten außerdem ein gutes Auge haben - das brauchen sie beim Nähen ebenso wie viel Geduld.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in den Fächern Mathematik und Werken fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung zur Fachkraft für Lederverarbeitung.
  • Perspektiven: Nach bestandener Abschlussprüfung können Fachkräfte für Lederverarbeitung eine Ausbildung zum/zur Schuhfertiger/-in oder Sattler/-in dranhängen. Dabei wird ihnen die bereits absolvierte Lehre mit zwei Jahren (Schuhfertiger) bzw. einem Jahr (Sattler) angerechnet. Die fertigen Gesellen können anschließend die Meisterprüfung ablegen, einen eigenen Betrieb gründen oder studieren. Ebenfalls beliebt: die Weiterbildung zum/zur Schuhtechniker/-in an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Angehende Fachkräfte für Lederverarbeitung bekommen ein durchschnittliches Azubigehalt - im Schnitt zwischen 500 und 650 Euro brutto im Monat.

Sorgfalt

Präzises Arbeiten spielt in diesem Beruf eine große Rolle: Das Leder muss materialsparend und exakt zugeschnitten werden; beim Kleben darf nichts überlappen und auch beim Nähen ist Millimeterarbeit gefragt.

Lärm

Fachkräfte für Lederverarbeitung arbeiten hauptsächlich in Industriebetrieben. In den großen Produktionshallen ist es relativ laut. Manchmal müssen sie deshalb Gehörschutz tragen.


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