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Beamter/-in Justizvollzugsdienst (mittlerer Dienst) Mehr als nur Schließer und Wärter

Die Beamten sorgen für die sichere Verwahrung von Gefangenen in den Justizvollzugsanstalten und kümmern sich auch um ihre Resozialisierung. Dafür lernen sie in den Anstalten und der Bayerischen Justizvollzugsschule praktisch und theoretisch die zahlreichen Bereiche des Strafvollzugs kennen.

Stand: 02.08.2013

Carmen Scheer kann sich ein ganzes Berufsleben hinter fünf Meter hohen Mauern vorstellen. Sie möchte Justizvollzugsbeamtin werden und absolviert gerade die ersten Monate ihrer Ausbildung im Nürnberger Gefängnis. Zwei Monate lang haben ihr die Kollegen alle Bereiche gezeigt, jetzt arbeitet sie schon fleißig mit. Um als Respektsperson von den Häftlingen akzeptiert zu werden, zieht sie sich vor Dienstbeginn die Uniform der Justiz-Beamten an.

Ausbildung im Nürnberger Frauengefängnis

Mit einem dicken Schlüsselbund bewaffnet begleitet sie als erste Amtshandlung eine junge Gefangene auf eine Geschäftsstelle. Das Klappern der Schlüssel hallt durch die langen Korridore, mit lautem Knall fällt eine Tür ins Schloss, Schritte, aus der Ferne Rufe - das sind die Geräusche im Nürnberger Frauengefängnis. In der Vollzugsgeschäftsstelle wartet schon ihre Kollegin. Sie nimmt die Personalien des "Neuzugangs" auf, sieht sich die Akte der mit dem Fall befassten Behörden und Dienststellen an und gibt alle wichtigen Angaben in den Computer ein. Diese Verwaltungsstelle könnte später auch einmal Carmens Arbeitsplatz sein.

Haftraumkontrolle mit Spiegel

Haftraumkontrolle

Doch als nächstes steht eine für den Strafvollzug sehr wichtige Haftraumkontrolle an. Sie wird von den Beamten regelmäßig durchgeführt. Carmen und ein Kollege öffnen dafür den schmalen Kleiderschrank, tasten Hemden und Jacken ab und werfen auch einen Blick in private Brief-Kuverts. Dann kommt das Bett an die Reihe. Bezüge und Matratzen nehmen die beiden genau unter die Lupe. Mit speziellen Spiegeln sehen sie in die letzten Winkel des kleinen Raumes. Sie suchen vor allem nach Drogen und gefährlichen Gegenständen wie Rasierklingen. Nichts. Die Zelle ist sauber.

Immer wieder heißt es für Carmen: Türen aufsperren und wieder schließen.

Immer wieder heißt es für Carmen: Türen aufsperren und wieder schließen. Auch bei der Essenausgabe am Mittag. Sie und ein weiterer Kollege überwachen die Übergabe der Kost an die Gefangenen in ihren Zellen. Dabei richtet sie auch mal ein freundliches Wort an die Gefangenen. Menschlichkeit ist im Vollzug besonders wichtig.

"Also wenn ich Angst hätte, dann wäre ich hier falsch. Also Angst sollte man nicht haben, man sollte schon gern mit Menschen zusammen sein, Kontakt aufnehmen und sich unterhalten können."

Carmen Scheer (24) Anwärterin Justizvollzugsbeamtin

Noch liegen weitere 18 Monate Ausbildungszeit vor der jungen Dame, die vorher Bankangestellte war und von Formularen und Zahlen genug hatte. Viel wichtiger sei ihr jetzt der direkte Umgang mit Menschen, so sagt sie. Und den wird sie wohl hier ein ganzes Berufsleben lang haben.

"Also nach der Ausbildung, das muss man sich nüchtern vor Augen halten, wird man auf dem Stationsdienst eingesetzt werden. Und je nachdem wie das persönliche Interesse und Engagement ausfällt, wird man zügig auf verantwortliche Positionen kommen, ich nenn' da vorrangig Torwache, Besuchskontrolle und später dann als Hausdienstleiter, wo man dann einem Kollegenteam vorsteht."

Robert Würfel, Ausbildungsleiter

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Beamt(er/in) - Justizvollzugsdienst (mittlerer Dienst) / heute: 2. Qualifikationsebene
  • Ausbildungsdauer: 20 Monate Vorbereitungsdienst
  • Ausbildungsform: Theoretische und praktische Ausbildungsabschnitte
  • Ausbildungsorte: In Justizvollzugsanstalten und der Bayerischen Justizvollzugsschule in Straubing
  • Prüfung: Praktische Prüfungen an einer Justizvollzugsanstalt, mündliche und schriftliche Qualifikationsprüfungen an der Bayerischen Justizvollzugsschule
  • Zugangsvoraussetzungen: Deutsche Staatsangehörigkeit oder EU-Bürger, Realschulabschluss oder Qualifizierender Hauptschulabschluss, Auswahlverfahren, Mindestalter 18 Jahre
  • Eignung: Geistige Beweglichkeit, Verantwortungsbereitschaft, Entscheidungsfreude, Fitness, Fähigkeit zum Umgang mit Menschen
  • Perspektiven: Beschäftigung im allgemeinen Vollzugsdienst, Werkdienst, Verwaltungsdienst oder im Sanitätsdienst von Justizvollzugsanstalten. Leitende Funktion in Dienststellen, bei besonderer Eignung Wechsel in die nächsthöhere Laufbahn.
  • Alternativen: Ausbildungsalternativen im Bereich Öffentliche Verwaltung/Öffentlicher Dienst, z. B.: Polizeivollzugsbeamter, Beamter im Zolldienst, Beamter im Verfassungsschutz

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Team

Beim Begleiten von Häftlingen zu Dienststellen aber auch bei der Essensausgabe, müssen Justizvollzugsbeamte Abläufe und Vorgänge überwachen und sich gegenseitig sichern. In Gefahrensituationen müssen die Beamten auch bereit sein, ihrem Kollegen zu helfen.

Gefahr

Justizvollzugsbeamte tragen bei nächtlichen Kontrollgängen an den Außenmauern und Toren scharfe Dienstwaffen, um sich verteidigen zu können und um Fluchtversuche zu verhindern. Angriffe und der Umgang mit der Waffe können auch zur Gefährdung der eigenen Person führen.

Genauigkeit

Ob in einer Geschäftsstelle bei der Führung der Personalakten der Häftlinge wie auch bei der Kontrolle einer Haftzelle müssen die Beamten stets sehr genau und gründlich vorgehen.


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