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Vergolder/-in Wertvolles Verzieren

Pinsel aus Eichhörnchenhaar, Leim aus Tierknochen und Polierköpfe aus Achatstein. Vergolder benötigen diese Werkzeuge und -stoffe bei ihrer Arbeit mit Blattgold. Die Rezepturen und Techniken helfen dabei, historische Figuren und Ornamente instand zu halten.

Stand: 19.09.2014

Die Auszubildende Vanessa Hinze arbeitet bei einer Firma, die Bilderrahmen herstellt. Sie verziert und vergoldet die Rahmen. Seit Jahrhunderten ist die Technik des Anschießens, so heißt das Auftragen des Goldes, die Gleiche geblieben. Vanessa cremt sich vor dem Vergolden ihr Gesicht ein. Mit ihrem Anschießer, einem Pinsel aus Tierhaar, streicht sie sich dann über die Wange. Der Anschießer nimmt dabei etwas Fett auf, mit dessen Hilfe das dünne Blättchen aus Gold dann an den Pinselhaaren haften bleibt. So kann die 19-Jährige das dünne Metall leichter auf den Rahmen übertragen. Diesen hat sie vorher sieben Mal mit einer Mischung aus Kreide und Knochenleim grundiert. Ein bisschen komisch riecht dieser Leim, der aus Tierknochen oder -häuten hergestellt wird.

Ein Hauch von Gold

Anschießen - das Auftragen des Goldes

Das Blattgold, das Geselle Sven Mohr im hessischen Groß-Bieberau für die Vergoldung eines historischen Geländers verwendet, ist etwa fünfhundert Mal dünner als ein menschliches Haar. Mit Hilfe seines Werkzeugs, dem Vergoldermesser und dem Anschießer, und vorsichtigem Pusten bringt er das Metallblättchen in Position. Dafür braucht er eine sehr ruhige Hand und viel Geduld. Das Gold reagiert auf jeden Luftzug. Fällt das Metall auf den Boden oder ist das Werkzeug nicht richtig sauber, wird das Gold schnell unbrauchbar. Oft sollte das nicht passieren, denn ein Blatt Gold kostet rund einen Euro.

Zeitreise

Restauration in einer Kirche

Vergoldermeister Jörg Held liebt die Abwechslung in seinem Beruf. Er arbeitet in der Werkstatt, in Kirchen oder auch an Gebäudefassaden im Freien. Vergolder restaurieren Figuren, Altäre und Ornamente und sollten den historischen Stücken mit viel Respekt gegenüber treten. Denn, wenn Fehler passieren, sind die Schäden häufig nicht mehr rückgängig zu machen. Bei jeder Restaurationsarbeit erlebt der 38-Jährige eine Zeitreise in die Vergangenheit. Er entdeckt, wie die Handwerker vor Jahrhunderten gearbeitet haben. An den alten Techniken hat sich bis heute nicht viel geändert. Jörg Held sucht für seinen Betrieb handwerklich geschickte und kreative Auszubildende. Er setzt mindestens eine Woche Praktikum in seinem Betrieb voraus, um den Bewerber beim Probearbeiten kennen zu lernen und ihm einen Einblick in den Arbeitsalltag zu ermöglichen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Vergolder/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Prüfung: Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Museen, Restaurationswerkstätten, Rahmenvergolder, Vergolder - und Kirchenmalerbetriebe. Die einzige Berufsschule deutschlandweit hat ihren Sitz in München.
  • Zugang: Es ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Auszubildenden haben Fachabitur oder Abitur. Die Betriebe stellen aber auch Azubis mit mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick und die Kreativität sind dabei entscheidend.
  • Eignung: Die Eignung des Bewerbers stellen die Betriebe während eines Praktikums fest, das mindestens eine Woche dauert. Vergolder arbeiten auf Baustellen, in denkmalgeschützten Gebäuden und Kirchen und in Werkstätten. Sie vergolden mit hauchdünnem Blattgold und brauchen dafür eine sehr ruhige Hand und viel Geduld. Auch das Restaurieren von historische Malereien, Figuren und Rahmen gehört zu ihrem Aufgabenbereich.
  • Perspektiven: In dem Beruf gibt es keine sogenannte Meisterpflicht. Auch Gesellen können sich also selbstständig machen und ausbilden. Deutschlandweit gibt es nur wenige Ausbildungsbetriebe.
  • Weiterbildung: Meister (die einzige Meisterschule Deutschlands ist in München), Studium Restaurator/-in, Restaurator/- in im Handwerk

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit:

Viele Arbeiten eines Vergolders erfordern Genauigkeit. Beim sogenannten Anschießen des Goldes ist es wichtig, dass der Untergrund vorher gut bearbeitet wurde, denn das Metall bildet jede kleine Unebenheit ab.

Geschick:

Das Verzieren mit hauchdünnem Blattgold erfordert besonderes Geschick, denn die Blättchen sind 500 Mal dünner als ein Haar. Die eigene Atmung und jeder kleinste Luftzug können das Gold verknittern oder von der Arbeitsauflage, dem Vergolderkissen, wehen.

Kreativität:

Auch das Anmischen von Pigmenten und das Anbringen der Farbe  ist Teil des Vergolderhandwerks. Beim Rahmenvergolden brauchen Vergolder Kreativität, weil sie die Farben passend zum mit dem Bild gestalten müssen. Ein gutes Vorstellungsvermögen hilft bei Restaurationsarbeiten, um das ursprüngliche Aussehen historischer Stücke wiederherstellen zu können.


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