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Silberschmied/-in Glänzendes Handwerk

Zeichnen, schmelzen, schmieden, löten, feilen - bis aus dem Entwurf eines Löffels das fertige Besteckteil entsteht, vergehen viele Stunden mühevoller Handarbeit. Doch den Schöpfungsprozess von der Idee bis zum edel glänzenden Objekt zu begleiten, genau das macht diesen Beruf so spannend und faszinierend.

Stand: 16.07.2013

Die Zirkelspitze tanzt über das Papier, zeichnet Bögen und Kreise, die auf gerade Linien treffen. Was für den Laien wirkt wie Hausaufgaben im Fach Geometrie wird die Schablone für einen neuen Entwurf von Susann Janensch. Die 24-jährige Abiturientin will Silberschmiedin werden. Im 3. Lehrjahr gestaltet sie bereits selbstständig eigene Entwürfe. Heute soll es ein Taufbecher aus 925er Sterling-Silber werden. Susann arbeitet in der Gold- und Silberschmiedewerkstatt der Schönstätter Marienbrüder in der Nähe von Koblenz. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zur Silberschmiedin. In dieser Zeit lernt Susann im Betrieb und der Berufsschule Metalle zu schmelzen und zu gießen, zu schmieden und zu verzieren.

Kirchengeräte und Alltagsobjekte

Teekanne aus Silber

Silberschmiede fertigen Gegenstände aus Silber, Messing, Kupfer und gelegentlich auch aus Gold - Kirchengeräte wie Kelche, Weihrauchkessel oder Monstranzen, aber auch Alltagsobjekte wie Vasen, Kannen oder Besteck. Im Unterschied zum Goldschmied, der überwiegend Schmuck herstellt, schmieden Silberschmiede also hauptsächlich "großes Gerät".

Neben der klassischen Lehre im Handwerk kann die Ausbildung zum Silberschmied aber auch komplett in einer Berufsfachschule absolviert werden. Zum Beispiel an der Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Kaufbeuren im Allgäu. Das kostet zwar kein Schulgeld, ein Lehrlingsgehalt bekommen die Schüler aber auch nicht. Mia Maichen lernt hier im 3. Ausbildungsjahr.

Über 40 verschiedene Hämmer im Einsatz

Hammer - Werkzeug des Silberschmieds

Schon während der Lehrzeit erwerben die angehenden Silberschmiede ihr eigenes Werkzeug. Rund 450 Euro hat Mia für den ersten Grundstock investiert. Am wichtigsten sind Hämmer und Eisen. Die Rohlinge richtet sich jeder Silberschmied nach eigenen Wünschen und Arbeitsbedürfnissen zu und fertigt sich so sein ganz individuelles Arbeitsgerät. Über 40 verschiedene Hämmer kommen beim Schmieden zu Einsatz.

"Es kommt darauf an, was man mit dem Material gerade machen möchte, ob man die Oberfläche bearbeitet oder das Material schmieden. Der Planierhammer zum Beispiel ist glatt und meistens auch poliert. Damit bekommt man eine schöne Oberflächenstruktur. Will man eine Kuhle ins Blech schlagen, dann braucht man einen Formhammer, einen Ball- oder Kugelhammer. Der Hammer passt sich der Form an, die man später im Objekt haben möchte."

Mia Maichen

Arbeitssicherheit wird großgeschrieben

Arbeiten mit offenen Feuer

Silberschmiede arbeiten oft mit offenem Feuer. Sie verlöten z.B. Fugen und müssen das Metall zwischen den einzelnen Arbeitsschritten immer wieder aufglühen, damit es sich geschmeidig verarbeiten lässt. Das Feuer hinterlässt meist unschöne Verfärbungen. Um das Metall davon zu säubern und später z.B. ein Anlaufen zu verhindern, werden die Silberschmiedearbeiten in Bädern aus Säuren gereinigt. Die Beizen sind häufig ätzend und gesundheitsschädlich. Deshalb trägt Susann Janensch bei diesen Arbeiten Schutzkleidung.

"Also man sollte drauf achten, also jetzt in meinem Fall, dass man sich als Mädchen nicht mit offenen langen Haaren da rüberbeugt und die dann da reinhängen. Und bei solchen ätzenden Flüssigkeiten, wie dieser Beize sollte man darauf achten, dass man nicht rumspritzt, weil das dann in die Klamotten auch Löcher reinfressen kann und man sollte nicht mit bloßen Händen reingehen."

Susann Janensch

Neben künstlerischem Talent und Fertigkeiten im Zeichnen benötigen Silberschmiede ein Gespür für Farben, Formen und Modetrends und brauchen außerdem ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

"Also es gibt viele Sachen, die mir gut gefallen. Besonders ist es die Kreativität im Beruf. Also man kann sich sehr ausleben. Man hat die Freiheit, die Sachen so zu gestalten wie man möchte - vom Entwurf bis zum fertigen Stück. Erst malt man sie auf Papier, dann arbeitet man mit dem Material und es ist schön zu sehen, wie das dann Form annimmt."

Susann Janensch

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Silberschmied/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 ½ Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule oder vollschulische Ausbildung in einer Berufsfachschule
  • Zugang: Hauptschulabschluss
  • Eignung: handwerkliches Geschick, künstlerisches Talent
  • Weiterbildung: Gold- und Silberschmiedemeister, Studium z.B. Schmuckdesign oder Bildende Künste
  • Perspektiven: Handgefertigte Silberobjekte sind teuer, der Markt für diese hochwertigen Produkte ist klein. Silberbestecke werden heute überwiegend in industrieller Produktion hergestellt. Entsprechend rar sind Ausbildungsstellen und Arbeitsplätze für Silberschmiede. Es gibt daher Überlegungen, die Berufe Silber- und Goldschmied zusammenzufassen. In der Ausbildung werden Lehrlinge sich dann schwerpunktmäßig für eine Fachrichtung entscheiden können. (Quelle: BIBB)

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kreativität

Vasen, Kannen oder Besteck fertigt der Silberschmied oft ganz individuell nach den Vorstellungen seiner Kunden. Beim Entwurf eines neuen Modells sind Fantasie, Kreativität und künstlerisches Talent gefragt.

Handwerkliches Geschick

Mit Hammer, Amboss und Feingefühl geht der Silberschmied an die Arbeit. Er schmilzt, schlägt, lötet und feilt das Material. Dabei arbeitet der Silberschmied mit großer Sorgfalt. Er achtet darauf, dass das Silber nicht reißt, bricht oder die Oberfläche mit Macken und Kratzern verunstaltet wird.

Kommunikation

Wer sich als Silberschmied selbstständig macht, kommt unweigerlich direkt mit den Kunden in Kontakt. Denn er lebt vom Verkauf seiner Silberschmiedekunst. Der Kunde möchte beraten werden, stellt Fragen zur Herstellung und zu den Kosten. Darauf muss der Silberschmied freundlich und geduldig eingehen. Entwürfe und Modelle müssen verständlich erklärt werden, so dass der Kunde eine Vorstellung davon bekommt, was ihn erwartet.


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