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Sattler/-in (Fachrichtung Feintäschnerei) Lederwaren in Handarbeit

Vom Schlüsseletui bis zum Koffer - mal zeitlos schön, mal modisch, mal extravagant: Sattler der Fachrichtung Feintäschnerei entwerfen und fertigen Waren aus Leder und anderen Materialien. Dafür müssen sie handwerkliches Geschick und gestalterisches Talent mitbringen.

Stand: 02.10.2017

Viele Frauen dürften Seline Röhrig beneiden: An ihrem Arbeitsplatz stehen Handtaschen in allen Größen, Farben und Formen. Doch keine davon gehört der 17-Jährigen. Sie hat die Taschen für die Firma Picard in Obertshausen gefertigt, wo sie vor gut einem Jahr ihre Ausbildung zur Feintäschnerin begonnen hat.

Präzisionsarbeit

"Los geht es mit einem riesigen Lederpuzzle", beschreibt Seline ihre Arbeit. Tatsächlich besteht zum Beispiel ein Geldbeutel je nach Ausführung aus über 100 Einzelteilen. Die fügt die angehende Feintäschnerin Schritt für Schritt zusammen. Dabei muss sie präzise arbeiten: Die Kanten dürfen beim Kleben nicht überlappen, die Nähte müssen in einer geraden Linie verlaufen. Fehler können nur selten korrigiert werden, deshalb müssen Feintäschner konzentriert arbeiten und außerdem Fingerspitzengefühl sowie Geduld mitbringen.

Verschluss als letzter Schritt

Die Außenhülle der Tasche ist fertig, nun kümmert sich Seline ums Innenfutter: Sie schneidet es mit Hilfe einer Schablone zu, klebt und näht den Reisverschluss und die Innentaschen an. Danach fügt sie die innere und äußere Hülle der Tasche zusammen und befestigt Schnallen und Verschlüsse. Nun kann das Stück in den Verkauf gehen.

Mit Maschinen arbeiten

Feintäschner verarbeiten auch Textilien und andere Materialien, hauptsächlich aber mit Leder. "Das müssen wir prüfen, bevor wir mit der Produktion anfangen", erklärt Moritz Spathelf. Der Azubi untersucht das Leder mit seinen Fingern und den Augen auf Risse, Löcher und andere Fehler. Dann erst stanzt er die Teile, die er für eine Schmuckschatulle braucht, mit der Maschine aus. Mit weiteren Maschinen spaltet und schärft er die Haut. "Dadurch wird sie insgesamt dünner und an den Kanten abgeflacht."

"Mir gefällt der Beruf, weil ich viel mit den Händen machen kann. Erst entwerfe ich etwas, zum Beispiel eine Schmuckschatulle; dann suche ich das Leder aus, schneide es zu, füge Stück für Stück zusammen und irgendwann halte ich das fertige Ergebnis in den Händen."

Moritz Spathelf, 1. Lehrjahr (15 Jahre)

Ausbildungsplätze sind rar

Der 15-Jährige lernt bei der Firma Steinmann in Nürnberg, die unter anderem Schmuckschatullen, Geldbeutel und Schulranzen herstellt. Um zur Arbeit zu kommen, muss Moritz jeden Tag insgesamt drei Stunden Fahrzeit in Kauf nehmen. Denn der Beruf des Feintäschners ist mittlerweile selten, die Ausbildungsplätze deshalb rar. Umso glücklicher ist der Azubi, einen Lehrbetrieb gefunden zu haben.

Über Trends informieren

Wer diesen Beruf erlernen will, muss zeichnen können und gestalterisches Talent mitbringen. Außerdem wichtig: wissen, was gerade "angesagt" ist. In Zeitschriften, Fachportalen und im Internet informieren sich Feintäschner über die neuesten Trends. Zudem besuchen sie regelmäßig Ledermessen, unter anderem in Offenbach und Mailand.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Sattler/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Die Azubis aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland besuchen das Bundesfachzentrum in Mainburg (Bayern). Dort haben sie jeweils zwei bis drei Wochen Blockunterricht.
  • Zugang: Grundsätzlich wird keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben, die Schulpflicht muss jedoch erfüllt sein. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit Mittlerer Reife ein.
  • Eignung: Gestalterisches Talent, räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick müssen die Auszubildenden auf jeden Fall mitbringen. Feintäschner sollten außerdem ein Gefühl für Ästhetik und ein gutes Auge haben - das brauchen sie beim Handnähen ebenso wie viel Geduld.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in den Fächern Textiles Gestalten/Werken/Technik und Mathematik fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung zum/zur Feintäschner/-in.
  • Perspektiven: Nach ihrer Ausbildung können Feintäschner/-innen die Meisterprüfung ablegen, studieren und/oder sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Info

Das Sattlerhandwerk ist in drei Fachrichtungen aufgeteilt: Reitsportsattlerei, Feintäschnerei und Fahrzeugsattlerei. Schon vor Beginn der Lehre müssen sich die Auszubildenden für eine davon entscheiden.

Verdienstmöglichkeiten

Angehende Feintäschner/-innen bekommen ein durchschnittliches Azubigehalt - im Schnitt zwischen 500 und 650 Euro brutto im Monat.

Sorgfalt

Wer diesen Beruf ergreifen möchte, muss präzise arbeiten können: Das Leder muss materialsparend und exakt zugeschnitten werden; beim Kleben darf nichts überlappen und auch bei den Nähten ist Millimeterarbeit gefragt.

Arbeitszeit

Die Betriebe haben normale Arbeitszeiten, wie man sie aus Büros kennt. In "heißen Phasen", also wenn Kollektionen oder Kundenaufträge fertiggestellt werden, müssen Feintäschner/-innen auch einmal Überstunden einlegen oder am Samstag arbeiten.


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