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Bürsten- und Pinselmacher/-in Haariges Handwerk

Jeder braucht sie, jeder hat sie Bürsten und Pinsel. Wer sich genau umsieht, ist überrascht, wie viele unterschiedliche Arten es gibt. Haarbürste, Schrubber, Handfeger - bis zu 100 Bürsten und Pinsel findet man in einem Familienhaushalt.

Stand: 03.04.2017

Verena ist 21, Melanie 25 Jahre alt. Die meisten zucken nur mit den Achseln, wenn die beiden Schwestern in der Disco erzählen, was sie machen. Mit dem Beruf des Bürsten- und Pinselmachers wissen viele Jugendliche nichts anzufangen. Und dabei haben sie doch täglich die Produkte in der Hand.

Kostbar wie Gold

Kolinskypinsel aus feinen Haaren der Chinesischen Rotmarderart

Bechhofen kennen in dieser Branche alle. In der mittelfränkischen Marktgemeinde wird seit über 200 Jahren das alte Handwerk gepflegt. Kleine Mengen an Haaren, Borsten oder Kunstfasern stecken die Auszubildenden in Metallhülsen. Anfangs war das ganz schön kniffelig, erzählt Verena. Inzwischen hat sie den Trick raus. Fingerspitzengefühl und Geduld braucht man für diesen Job und ordentlich Sitzfleisch. Auf den ersten Blick gleichen sich die Arbeitsschritte: Ein Häufchen Haare nehmen, sie durch eine Metallhülse stecken, kontrollieren und festklemmen. Und das immer wieder. "Jeder Pinsel ist anders - hier kann ich unglaublich kreativ arbeiten", wirft Melanie ein. Mit den Materialien muss sie achtsam umgehen. Beispiel Kolinsky, die feinen Haare der Rotmarderart aus China werden auf Börsen so teuer gehandelt wie Gold. Die Kolinsky-Haare eignen sich gut für Künstlermalpinsel.

Nur eine Schule in Deutschland

Pinselmacherin Melanie Maurer

Verena und Melanie beginnen morgens um sieben Uhr, Feierabend haben sie um 16.00 Uhr. Manchmal kann es später werden, wenn ein größerer Auftrag abzuarbeiten ist. Drei Jahre dauert ihre Ausbildung. Deutschlandweit gibt es eine Berufsfachschule, im Rathaus von Bechhofen. Hier werden verschiedene Fachrichtungen angeboten: Bürstenmacher, Haarzurichter, Borstenpinselmacher, Feinhaarpinselmacher. Die Branche sucht gute Fachkräfte. Es gibt die Werkstätten jedoch nur an wenigen Orten.

"Man kann sich im Alter auch wirklich gut engagieren und kann sich neue Sachen ausdenken. Das finde ich in meinem Beruf als Entwickler sehr gut. Ich sage mal, diesen Beruf gibt es sicher noch länger und er ist sehr interessant. Vielleicht nicht mehr in der alten Version, sondern in einer neueren moderneren Version."

Hans Dürnberger

Bürsten- und Pinselmacher verdienen anfangs nicht besonders gut. Nach der Ausbildung kann man sich in der Firma hocharbeiten, nebenberuflich den Betriebswirt des Handwerks absolvieren oder seinen Meister machen. Forschung und Entwicklung bieten ebenfalls Chancen. Ständig ist die Branche auf der Suche nach neuen Produkten. Hans Dürnberger lernte vor 44 Jahren das Pinselmachen. Er arbeitet nun als Entwickler und tüftelt an Maschinen, die weniger Material verbrauchen oder schneller arbeiten. Hans Dürnberger schätzt das alte Handwerk. Es ist körperlich nicht so anstrengend, so dass man es bis ins hohe Alter betreiben kann und wer will kann sich darin kreativ verwirklichen. Hans Dürnberger hat sogar eine Bürste erfunden - zum Tuschen von Wimpern.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Bürsten- und Pinselmacher/-in aufgeteilt in die Fachrichtungen Bürstenherstellung und Pinselherstellung
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule im mittelfränkischen Bechhofen. Der Unterricht findet in Blöcken von mehreren Wochen statt - insgesamt neun Wochen pro Jahr.
  • Prüfung: Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Bürstenfabriken und Pinselmacherbetriebe. Bundesweites Zentrum für dieses Handwerk ist das mittelfränkische Bechhofen, dort gibt es 12 Fachbetriebe.
  • Zugang: Es gibt keine schulische Zugangsvoraussetzung, die meisten haben Hauptschulabschluss.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, Geduld, keine Allergie auf Tierhaare.
  • Perspektiven: Aufstieg im Unternehmen, Spezialisierung als Feinhaarzurichter, Weiterbildung als Betriebswirt des Handwerks Meisterprüfung
  • Ausbildungsalternativen: Holzbearbeitungsmechaniker/-in, Holzmechaniker/ -in, Tischler/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Viele Materialien werden teuer gehandelt, manche Haare kosten pro Kilogramm 12.000 Euro. Da heißt es genau und achtsam arbeiten.

Mathematik

Auch ohne Schulabschluss kann man diesen Beruf erlernen. Bestellungen werden von Bürsten- und Pinselmacher/innen in der Regel selbstständig abgearbeitet. Der Umgang mit Zahlen und Mengen sollte einem leicht fallen.

Gefahr

Bürsten- und Pinselmacher kommen mit feinen Tierhaaren in Berührung, das kann Allergien auslösen.

Info

Die negativen Seiten am Job: Bürsten- und Pinselmacher arbeiten viel im Sitzen, haben gelegentlich mit unangenehmen Gerüchen zu tun, wie Kleber. Zudem kommen sie durch ihre Tätigkeit kaum an die frische Luft, arbeiten auch bei Sonnenschein in Werkstätten.


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