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Industriekeramiker/-in Geschirr für den Alltag oder die festliche Tafel

Künstlerische Begabung und technisches Verständnis - diese Fähigkeiten sollte der Industriekeramiker mit Fachrichtung Dekorationstechnik verbinden können. In seinem Beruf in der Porzellanfabrik muss er sich täglich auf zahlreiche, verschiedene Aufgaben einstellen können.

Stand: 03.07.2017

Claudia Fuhrmann ist seit zwei Jahren fertig ausgebildete Industriekeramikerin im Fachbereich Dekorationstechnik. Mit ganz ruhiger Hand verziert sie ein aufwändiges Tafelservice, das das Königshaus von Malaysia bei ihrer Firma Seltmann-Weiden bestellt hat. An ihrem Arbeitsplatz in einer großen Werkshalle dreht sie Teller um Teller auf einer Scheibe, ruhig hält sie den Pinsel. Eine feine schmale dunkelblaue Linie schmückt jetzt jeden Rand.

"Wir üben und üben und üben, bis wir es drin haben. Bis wirklich alles sitzt. Solange wird geübt, immer wieder abwischen, von vorne, solange bis es passt."

Claudia Fuhrmann, Dekorationstechnikerin

Üben, üben, üben

Viele Jahre lang musste sie üben, hat Farbe aufgetragen und gleich wieder abgewischt. Üben, üben, üben - da hat sie nicht nachgelassen. Und jetzt darf nichts schiefgehen, einen König lässt man nicht warten. Handwerkliches Geschick, Geduld und Konzentrationsfähigkeit sind bei dieser Tätigkeit besonders wichtig. Claudia ist nicht nur künstlerisch begabt, kennt sich nicht nur mit dem Mischen der keramischen Farben aus, sie hat auch viel Ahnung von Technik. Deshalb darf die 23-Jährige auch gleich die Auszubildende Stefanie Seitz in die Geheimnisse der so genannten "Rändermaschine" einweisen.

Farbton und Linienstärke

Mit Hilfe eines Systems von Farbbehältern, Leitungsschläuchen, Halte- und Drehvorrichtungen zieht diese Maschine eine exakte Linie am Tassenrand. Dafür muss sie genau eingestellt werden. Erste Proben gefallen den beiden noch nicht. Der Strich ist noch viel zu breit. Sie holen eine Mustertasse aus dem Regal, so können die beiden kontrollieren, ob Farbton und Linienstärke passen. Wenn alles stimmt, müssen sie nur noch immer wieder neue Tassen an der Maschine befestigen und wieder abnehmen.

"Dieser Beruf hat sicher eine Zukunftschance, auch gerade wegen dieser Möglichkeit der Weiterbildung. Wenn heute jemand diesen Beruf erlernt hat und dann den Designer macht, der kann vorweisen, dass er praktische Erfahrung hat, der hat auf dem Arbeitsmarkt alle Chancen. Nicht nur in der Porzellan-Branche, diese Bewerber sind auch begehrt in der Automobil-Branche, Design, in allen Bereichen kann man ihn einsetzen."

Thomas Sparrer, Betriebsleiter

Dekore entwerfen

Es gibt viele Anlagen, die Claudia nach ihrer Ausbildung bedienen kann: Große Spritzroboter, die in der Stunde 90 Tassen färben. Mit dem Computer stellt sie die Maschine auf jede neue Tassenform ein und bestimmt die Farbmenge. Oder Druckmaschinen in der Siebdruckabteilung. Auch das hat sie in ihrer Ausbildung gelernt. In der Firma stehen ihr viele Möglichkeiten offen. Vielleicht auch einmal die Designabteilung. Mit einer Zusatzausbildung an einer Fachschule darf sie dann selbst Dekore entwerfen. Vielleicht werden Claudia Fuhrmanns Entwürfe ein Verkaufsschlager. Und sind dann in vielen Küchenschränken zu finden.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Infotabelle: Offizielle Berufsbezeichnung: Industriekeramiker/-in Dekorationstechnik
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Ausbildungsbetrieb und Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Tätigkeit in Werkshallen, Berufsschule
  • Zugang: keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben, die Betriebe stellen überwiegend Azubis mit mittlerem Bildungsabschluss bzw. dem Hauptschulabschluss ein.
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Eignung: handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, naturwissenschaftliche Vorkenntnisse
  • Perspektiven: Beschäftigung finden Industriekeramiker des Fachbereichs Dekorationstechnik in Porzellanfabriken. Oft spezialisieren sie sich - arbeiten an Spritzrobotern oder Siebdruckanlagen. Oder sie dekorieren Teller und Tassen mit der Hand.
  • Weiterbildung: Wer eine leitende Position anstrebt, kann sich zum Meister oder zum Techniker weiterbilden, bei bestimmten Voraussetzungen ist auch ein Studium im Bereich Keramik möglich. Je nach Talent und Neigung können sich diese Keramiker später für den künstlerisch-kreativen Bereich entscheiden und im Design-Atelier arbeiten. Oder sie neigen mehr zur Technik und finden einen Arbeitsplatz in Teilbereichen der Anlagen- und Verfahrenstechnik.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Mit ganz dünnen Pinseln tragen Dekorationstechniker freihändig Farbe auf Kannen, Tassen und Tellern auf. Staffieren heißt dieses Ziehen von Linien an Henkeln oder Rändern von Tassen und Tellern. Dabei benötigen sie eine ruhige Hand und viel Geduld. Alles muss perfekt aussehen.

Genauigkeit

Der Dekorationstechniker hat täglich mit Maschinen zu tun, die er für immer wieder neue Produkte einstellen muss. Da heißt es konzentriert und genau zu arbeiten. Auch bestimmte Druckvorgänge wie das Einpassen von Farbmustern verlangen ein hohes Maß an Präzision.

Kreativität

Meist sind Muster und Farben genau vorgegeben. Gute Einfälle öffnen aber auch einmal den Weg in die Designabteilung.

Gefahr

In einer Porzellanfabrik lagern viele Kanister mit Farben, die Schwermetalle wie Blei, Kobalt oder Cadmium enthalten. Dazu kommen chemische Lösungs- und Verdünnungsmittel. Beim Mischen dieser Stoffe muss sich der Dekorationstechniker mit Handschuhen, Maske und Brille schützen.


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