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Heilerziehungspfleger/-in Mit Geduld und Respekt

Sie pflegen Menschen mit Behinderungen, trocknen Tränen und schlichten Streit in Wohngruppen für Kinder. Und sie helfen psychisch kranken Menschen zurück in ein geregeltes Leben.

Stand: 06.03.2017

Es ist 7.00 Uhr morgens, Zeit zum Wecken. Mit freundlicher Stimme wünscht Benedikt einen "Guten Morgen", wartet bis die Bewohner richtig wach sind und ihn erkennen. Benedikt Vogt arbeitet in seinem dritten und letzten Ausbildungsjahr in einer Wohnstätte für Menschen mit mehrfach schwersten Behinderungen der Rummelsberger Dienste. Er muss die Bewohner eigenständig waschen, duschen, ihnen die Zähne putzen, sie rasieren und anziehen und manche auch aus den Betten in den Rollstuhl heben. "Da kommt man schon ins Schwitzen, vor allem wenn's im Bad recht warm ist", erzählt der 22-Jährige. Trotz all der Anstrengung hat er immer ein Lächeln auf den Lippen und ein freundliches Wort für die Bewohner. Ständig erklärt er, was er gerade mit ihnen tut und motiviert sie zum Mitmachen, dadurch fördert er ihre geistigen und körperlichen Fertigkeiten.

"Wir wollen unseren Bewohnern nicht alle Handlungsschritte abnehmen. Sie sollen die Fähigkeiten, die sie besitzen, erhalten oder neue dazulernen. Deshalb ist es wichtig, dass sie auch immer wieder selbst mitmachen, so gut sie eben können."

Benedikt Vogt

Hohes Verantwortungsbewusstsein

Und das gilt nicht nur bei der Körperpflege. Ob beim Frühstück, beim gemeinsamen Spiel oder einem Ausflug - Benedikt respektiert immer die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen, bezieht sie in Entscheidungen mit ein. Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen betreuen Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen, Erwachsene genauso wie Kinder. Geduld und starke Nerven sind dabei ebenso gefragt wie hohes Verantwortungsbewusstsein.

Vom Heim in die eigene Wohnung

Marcel Renner ist im 3. Ausbildungsjahr. Er arbeitet in der ambulanten Betreuung und unterstützt körperbehinderte Menschen beim Übergang vom Wohnen im Heim zum Leben in einer eigenen Wohnung. Sein Klient David ist querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Marcel besucht ihn regelmäßig, fragt nach, wie er zurechtkommt und wo er noch Hilfe braucht. Marcels Aufgabe als Heilerziehungspfleger ist es, ihm beizubringen, wie er seinen Alltag trotz Behinderung so weit wie möglich alleine bewältigen kann. Wäsche waschen, Hauspflege und Kochen - all das lernt er im Fach Hauswirtschaft an der Schule. Und: wie er die Arbeitsabläufe möglichst einfach gestaltet, so dass sie auch für Menschen mit Behinderung zu erlernen sind. Beim Kochen tut sich David schwer. Er hat Angst, den Topf vom Herd zu stoßen und sich zu verbrühen. Meistens isst er deshalb kalt. Marcel zeigt ihm Techniken, wie er trotz Rollstuhl besser am Herd hantierten kann.

Heilerziehungspfleger müssen gut zuhören können und zu ihren Klienten eine Beziehung aufbauen. So erfahren sie, wo die Probleme liegen, können Maßnahmen und Therapien organisieren, um den Menschen zu helfen, damit diese möglichst selbstständig ihr Leben bewältigen können.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Staatlich geprüfte/-r / Staatlich anerkannte/-r Heilerziehungspfleger/-in (je nach Bundesland)
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Zugang: Für die Aufnahme an die Schule wird in den meisten Bundesländern ein mittlerer Bildungsabschluss plus eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung verlangt (z.B. Kinderpfleger, Heilerziehungspflegehelfer)
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger/-in ist eine schulische Ausbildung und durch Verordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt. Sie findet in Fachschulen und Berufskollegs statt. (Es gibt vollschulische oder berufsbegleitende Ausbildungsangebote). Unterricht in der Schule und praktische Berufsausbildung, z.B. in Einrichtungen und Diensten der Behinderten- und Gesundheitshilfe, in der ambulanten Pflege, in Werkstätten, in (integrativen) Kindertagesstätten oder psychiatrischen Kliniken wechseln sich ab.
  • Ausbildungsvergütung: Es besteht kein Anspruch auf Ausbildungsvergütung. Manche Einrichtungen zahlen aber für die praktische Ausbildung eine Vergütung. Für den Besuch der Fachschulen oder Berufskollegs in freier Trägerschaft ist in der Regel Schulgeld zu bezahlen; die Ausbildung an öffentlichen Berufsbildenden Schulen ist schulgeldfrei.
  • Prüfung: Vor einem Prüfungsausschuss an der Schule
  • Eignung: Heilerziehungspfleger brauchen viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Sie besitzen eine lebensbejahende Grundeinstellung.
  • Perspektiven: Der Bedarf an Heilerziehungspflegern ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, die Berufsaussichten sind sehr gut. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Arbeitszeit

Viele Klienten müssen rund um die Uhr betreut werden. Für Heilerziehungspfleger/-innen heißt das: Schichtdienst. Sie arbeiten früh morgens, nachmittags, abends oder nachts im Wechsel und auch am Wochenende sind sie im Einsatz. In manchen Einrichtungen sind auch geteilte Dienste nötig (z.B. 6.00 - 9.00 Uhr, 16.00 - 21.00 Uhr…).

Respekt

Heilerziehungspfleger/-innen betreuen Menschen mit eingeschränkten geistigen oder körperlichen Fähigkeiten oder psychischen Erkrankungen, von der Kindheit bis ins hohe Alter. Sie begegnen diesen Menschen voller Respekt und Wertschätzung und achten deren Recht auf Selbstbestimmung. Sie unterstützen sie dabei, ihren Lebensraum zu gestalten und den Alltag entsprechend ihren Fähigkeiten möglichst selbstständig zu meistern

Verantwortungsbewusstsein

Heilerziehungspfleger/-innen müssen sehr sorgfältig arbeiten - sei es bei der Ausgabe von Medikamenten oder bei der Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht.


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