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Fremdsprachenkorrespondent/-in Bonjour, Buenos dias, Good afternoon...

Ständig unterwegs sein, andere Länder und Kulturen kennen lernen, leben, wo andere nur Urlaub machen – Fremdsprachen öffnen das Tor zur Welt. Und Fremdsprachenkorrespondenten halten den Schlüssel dazu in der Hand, vorausgesetzt sie sind fleißig, diszipliniert und flexibel.

Stand: 28.01.2013

"Wir sind Nomaden des 21. Jahrhunderts", sagt Christin Poscharksy. "Wir schlagen überall in der Welt unsere Zelte auf und wenn andere erst richtig beginnen, sich an das neue Leben zu gewöhnen, packen wir schon wieder unsere Koffer und ziehen mitsamt Familie und Hausstand an den nächsten Fleck der Erde." Christin Poscharsky ist 25 Jahre alt und arbeitet als Fremdsprachenassistentin im Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Miami, USA. Das Generalkonsulat vertritt die Interessen Deutschlands und seiner Staatsangehörigen in Florida, Puerto Rico und den Virgin Islands. Christin erledigt die anfallende Korrespondenz auf Englisch und Spanisch, organisiert Besuche, Reisen und Konferenzen. Außerdem beantwortet sie Anfragen von Deutschen, die in Florida leben oder Urlaub machen wollen. Jede Botschaft, jedes Konsulat hat verschiedene Abteilungen, z.B. für Rechtsangelegenheiten, Politik, Protokoll, Wirtschaft und Kultur. Christin muss sich schnell auf neue Situationen einstellen können, sich immer wieder fortbilden und in neue Abteilungen einarbeiten. Denn regelmäßige Ortswechsel sind im diplomatischen Dienst an der Tagesordnung. Nach 10 Monaten Vorbereitung im Auswärtigen Amt in Berlin wurde Christin zunächst für zwei Jahre in die Mongolei geschickt, nach Ulan Bator - eine lange Reise und ein großes Abenteuer. Jeder Kulturkreis hat seine Besonderheiten, da ist Anpassungsfähigkeit gefordert.

"Wenn man beispielsweise in anderen Kulturen zum Essen eingeladen ist, kann das teilweise recht interessant werden. Da bekommt man dann Fettschwanz vom Lamm, Hühnerfüße, Schafshufe, allerlei Krabbeltiere und viele andere, in unseren Augen höchst ungewöhnliche Dinge als Delikatesse serviert. Da heißt es dann: Augen zu und durch!"

Christin Poscharksy

Christin Poscharksy

Vergangenes Jahr wurde Christin nach Miami versetzt. Jede Vertretung ist etwas anders organisiert. Christin verbringt anfangs viel Zeit damit, sich mit den neuen Strukturen vertraut zu machen: Wer bekommt welche Post? Wer ist zuständig für Staatsangehörigkeitsfragen? In welchem Hotel werden Gäste üblicherweise untergebracht?

"Das Arbeiten im Ausland verlangt einem einiges ab: Die Orientierung am neuen Arbeitsplatz und das Kennenlernen der Kultur und des Lebens vor Ort, unter Umständen muss man sogar eine neue Sprache dazu lernen. Das ist anstrengend, aber auch schön und spannend. Nach ein paar Monaten hat man den Dreh raus und kann sich voll und ganz darauf konzentrieren, das neue Land kennen zu lernen und das spannende Leben zu genießen!"

Christin Poscharksy

Hohe Anforderungen

Olaf Strobel in Paris

Ein Leben auf Achse hat eben nicht nur seine Reize. Es stellt hohe Anforderungen an den Mitarbeiter und seine Familie. Olaf Strobel hat an der F & U-Akademie in Heidelberg Englisch, Französisch und Spanisch gelernt. Inzwischen leitet der 34-jährige Fremdsprachenkorrespondent die Vertriebsabteilung in einem Unternehmen, das Manövriersysteme für Boote herstellt. Rund 80 Tage im Jahr ist er unterwegs auf Dienstreisen, besucht Vertriebspartner im Ausland oder präsentiert das Produkt seiner Firma auf Messen. Jedes Jahr im Dezember fährt er zum Beispiel für 10 Tage nach Paris auf eine der wichtigsten Messen für Boote und Bootszubehör in Europa. Sein Geburtstag fällt genau in diese Zeit: Auf eine Feier mit Freunden und Familie muss Olaf also immer verzichten.

Die Arbeitstage auf der Messe sind lang: Sie beginnen gegen halb 9 Uhr morgens und enden selten vor 20 Uhr. Oft geht Olaf danach noch mit französischen Kollegen, Vertriebspartnern oder Kunden essen, um in geselliger Runde geschäftliche Informationen auszutauschen. Ist er dann endlich im Hotel, warten noch Kostenvoranschläge, Kundenanfragen und Angebote auf Erledigung. Vor Mitternacht kommt er selten ins Bett. Den Eiffelturm hat Olaf bislang nur aus der Ferne gesehen, denn Zeit für einen Bummel durch die Stadt hat er nur frühmorgens oder in der Mittagspause. Ein Besuch im Louvre oder eine Fahrt rauf auf den Turm ist da nicht drin. Trotzdem: Olaf genießt die Abwechslung, die sein Job bietet. Eine 40-Stunden-Woche in immer dem gleichen Büro könnte er sich nicht vorstellen.

Mit Fleiß, Disziplin und Ausdauer

Aline absolviert gerade ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde in Erlangen

Von einem Leben im Ausland träumen Aline (27), Saskia (19) und Sofia (20) derzeit noch. Sie absolvieren gerade ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde in Erlangen. Zwei Jahre lang pauken die jungen Frauen an der Berufsfachschule Wortschatz, Grammatik und Sprechfertigkeit in zwei Fremdsprachen und lernen daneben Länderkunde, Wirtschaft und Bürokommunikation. Der Unterricht wird meistens in der jeweiligen Fremdsprache gehalten. Wenn Dozentin Elisabet Barjuan, eine gebürtige Spanierin, im Fach Spanische Korrespondenz die Unterschiede zwischen einem spanischen und einem deutschen Geschäftsbrief erklärt, muss Saskia zwar ganz genau hinhören, um auch alles zu verstehen. Doch so gewöhnt sie sich viel schneller an die fremde Aussprache - das kommt ihr später im Arbeitsalltag zu Gute.

Jeden Nachmittag wird gebüffelt: Schriftliche Hausaufgaben sind zu erledigen, neue Vokabeln zu lernen, alter Wortschatz zu wiederholen, ebenso natürlich die Grammatik.

"Wenn man nicht dran bleibt, kommt man nicht mehr mit"

Aline.

Ohne Fleiß geht in dieser Ausbildung gar nichts. Gute Allgemeinbildung, Interesse für Politik und Wirtschaft sollten Fremdsprachenkorrespondenten ebenfalls mitbringen. Sofia empfiehlt, viel Zeitung zu lesen oder sich im Internet über Aktuelles zu informieren, am besten noch in der jeweiligen Fremdsprache.

Das "hohe Protokoll"

Nicht immer führt der berufliche Weg Fremdsprachenkorrespondenten auch tatsächlich ins Ausland. Viele bleiben in Deutschland und arbeiten z.B. in Export- und Vertriebsabteilungen weltweit agierender Unternehmen oder als Assistenten und Sekretäre in internationalen Organisationen. Das bedeutet aber nicht, dass die Aufgaben deshalb weniger spannend wären.

René Heise hat an der Dr. Hirsch Akademie in Pirna eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten mit Zusatz "Europa Management Assistent" absolviert und die hat ihn direkt in die deutsche Hauptstadt geführt. Er ist Assistent des Geschäftsführers der CDU/CSU-Gruppe im europäischen Parlament und betreut dessen Berliner Büro in der Nähe des Bundestags. René Heise erledigt die anfallende Büroarbeit, bearbeitet telefonisch und per E-Mail Anfragen von Bürgern zu politischen Vorgängen, koordiniert Termine für die Abgeordneten, versorgt die Politiker mit neuesten Informationen und Rundschreiben und pflegt die Internetseite der Abgeordneten-Gruppe.

"Oft treffen wichtige Anfragen gleichzeitig ein, die Anforderung besteht darin, die Wichtigkeiten schnellstmöglich zu analysieren und parallel mehrere Vorgänge zu bearbeiten"

, René Heise

René Heise in Berlin

Um richtig zu entscheiden und aus der Vielzahl an Anfragen und Informationen die wichtigsten herauszufiltern, muss er sich über alle aktuellen politischen Themen ständig auf dem Laufenden halten. Auch Formalitäten spielen eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag. So muss René Heise wissen, mit welchem Titel er ein Schreiben an den Vorsitzenden des Europaparlaments adressiert oder wie er den Weihbischof korrekt anspricht. Sonst kann er sich bei seiner "Exzellenz" unter Umständen schnell mal ins Fettnäpfchen setzen. Gelegentlich besuchen auch Delegationen aus dem Ausland das Büro in Berlin. René Heise betreut die Gäste und dolmetscht bei Bedarf zwischen Abgeordneten und Gästen. Er begleitet die Delegation z.B. beim Mittagessen oder führt sie durch den Bundestag. Dabei ist nicht nur Wissen über das politische System nötig. Fragen zum Gebäude oder zur Geschichte Deutschlands muss er ebenso beantworten können und daneben auch noch nett plaudern.

"Vor allem bei Gästen aus den USA ist es wichtig, auch die Kunst des Small-Talks zu beherrschen. Fakten können zwar genannt werden, mit eigenen Meinungen und kritischen Äußerungen sollte man sich aber zurückhalten. Gesprächsthemen wie Krieg oder der amerikanische Präsident sind zu vermeiden!"

René Heise

Freundliches und selbstbewusstes Auftreten sind dabei genauso wichtig wie die korrekte Kleidung. Jeans trägt René Heise im Büro eher nicht, Stoffhose, Hemd und Pulli sind der "Dresscode". Spannend findet René Heise seinen Job, auch wenn er ihn eher selten ins Ausland führt. Er mag die "europäische Idee" und freut sich, dass er durch seine Arbeit ein Stück am Haus Europa mitarbeiten kann.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Staatlich geprüfte/-r Fremdsprachenkorrespondent/-in; Geprüfte/-r Fremdsprachenkorrespondent/-in (IHK)
  • Ausbildungsdauer: 1-3 Jahre
  • Ausbildungsform: Landesrechtlich geregelte Ausbildung an Berufsfachschulen und anderen Bildungsträgern
  • Zugang: Meistens mittlere Reife, manchmal wird das Abitur verlangt.
  • Kosten: Für die Ausbildung wird von den Schulen eine Gebühr verlangt. Die Preise variieren erheblich und müssen beim jeweiligen Bildungsanbieter erfragt werden.
  • Prüfung: Von der zuständigen Behörde (Staatsministerium, IHK) durchgeführte Prüfung mit mündlichem und schriftlichem Teil
  • Eignung: Sprachliches Talent; Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Kulturen; gute Allgemeinbildung und Interesse an Wirtschaft und Politik; Flexibilität: Bereitschaft zu Dienstreisen oder zu häufig wechselnden Arbeitsorten
  • Weiterbildung: Übersetzer/-in; Dolmetscher/-in (als Weiterbildung, z.B. an einer Fachakademie oder als Studium); Studium in den Bereichen Fremdsprachen und Wirtschaft; Dozent/-in für Fremdsprachen; Fachkaufmann/Fachkauffrau für Vertrieb
  • Alternativen: Wirtschaftsassistent/-in Fremdsprachen; Fremdsprachensekretär/-in; Eurokorrespondent/-in, Europasekretär/-in, Welthandelskorrespondent/-in, Europa Management Assistent - es kursieren viele Bezeichnungen, hinter denen sich im Prinzip der gleiche Beruf verbirgt und Ausbildungsangebote, die Zugang in gleiche oder sehr ähnliche berufliche Tätigkeitsfelder ermöglichen. Da die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt ist und neben staatlichen Berufsfachschulen auch von privaten Akademien oder Sprachschulen angeboten wird, variieren oft auch die Berufsbezeichnungen von einem Bildungsanbieter zum anderen. Oft sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsgängen nur gering, manchmal werden jedoch auch andere Schwerpunkte gesetzt (z.B. Büromanagement), zusätzlich eine dritte Fremdsprache unterrichtet oder andere Zusatzqualifikationen angeboten.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Fremdsprachen

Kommunikation

Telefonisch Anfragen beantworten, auf Messen Kunden über das Produkt der Firma beraten oder ausländische Delegationen empfangen, begleiten und betreuen: Fremdsprachenkorrespondenten müssen kommunikativ und kontaktfreudig sein und sich schnell auf fremde Menschen und ihre Bedürfnisse einstellen können. Schüchterne Typen sind da fehl am Platz.

Interkulturelle Kompetenz

Andere Länder, andere Sitten: Fremdsprachenkorrespondenten müssen aufgeschlossen sein und Menschen aus anderen Kulturen vorurteilsfrei begegnen können. Sie kennen Mentalitätsunterschiede und vermeiden dadurch Missverständnisse im Arbeitsalltag.

Arbeitszeit

In der Regel arbeiten Fremdsprachenkorrespondenten/-innen zu den üblichen Büroarbeitszeiten. Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen den Kontinenten kann es jedoch vorkommen, dass dringende Besprechungen mit Geschäftspartnern, beispielsweise aus den USA, auch in den späten Abend oder die Nacht fallen.

Mobilität

Für eine Beschäftigung als Fremdsprachenassistent/-in beim Auswärtigen Amt wird grundsätzlich vorausgesetzt, dass der Bewerber bereit ist, sich uneingeschränkt an jede der rund 230 deutschen Auslandsvertretungen versetzen zu lassen. Das können so aufregende Städte wie New York und Tokio sein. Genauso gut kann die Versetzung auch in klimatisch und gesundheitlich schwierige Länder erfolgen oder in Krisen- und Kriegsgebiete.


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