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Flechtwerkgestalter/-in Mit den Händen und Naturmaterial kreativ sein

Flechtwerkgestalter sind immer auf der Pirsch nach neuen Ideen und Formen. Aus Binse, Weide, Peddigrohr oder Rattan flechten sie Möbel und Objekte: Lampenschirme, Sessel, Taschen und Liegen. Seit 2011 heißt der Beruf deshalb nicht mehr wie früher "Korbmacher", sondern "Flechtwerkgestalter".

Stand: 18.07.2014

Der Beruf hat eine lange Tradition: Im 16. Jahrhundert wurde in Braunschweig die erste Korbmacherzunft gegründet. Seither hat sich viel geändert: Korbmacherbetriebe sind selten geworden, bundesweit bildet heute keine einzige Flechtwerkstatt mehr aus. An der staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels jedoch kann man dieses seltene, aber kreative Handwerk heute noch erlernen. Mehr Frauen als Männer fangen hier an, in kleinen Klassen. Mancher fand erst im zweiten Anlauf in diesem Metier seine Berufung.

Strapazierte Finger, schmerzende Handgelenke

Die Ausbildung dauert drei Jahre, an der Fachschule im Vollzeitunterricht. Sie kostet kein Schulgeld, aber Lohn gibt's hier natürlich auch keinen. Yannick Schnapp aus Haßfurt und Theres Gerischer aus Bamberg flechten an ihrem ersten eckigen Weidenkorb. Das erfordert Konzentration, Geduld und Geschick. Die Weidenruten müssen immer feucht und geschmeidig sein, sonst brechen sie beim Verflechten ab. Strapazierte Finger, schmerzende Handgelenke: Aber der fertiggestaltete Korb entschädigt für alles. Die Fachschule vermittelt Grundkenntnisse in Holz- und Metallbearbeitung. Für den Möbelentwurf wird hier mit modernen CAD-Programmen gearbeitet.

"Ich wollte mehr nicht nur industriell mit Maschinen arbeiten. Lieber was mit Holz machen, was mit meinen Händen schaffen - eine Bestätigung, ein Erfolgserlebnis bekommen, wenn ich einen Korb fertig habe."

Yannick (22), 1. Ausbildungsjahr

Umhängetasche aus Fahrradschläuchen

Richtig kreativ wird's dann in der Abschlussklasse. Ein Lampenschirm aus Brennnesseln entsteht, dazu moderne Sitzmöbel und ausgefallene Körbe. Nicht nur Naturmaterialien eignen sich, sondern auch Kunststoff: Alina Gerischer fertigt eine Umhängetasche aus Fahrradschläuchen und zerschnittenen Plastiktüten. Gegen die starke Konkurrenz aus Südostasien können sich die deutschen Flechtwerkgestalter nur mit originellen Ideen behaupten. Häufigste Einnahmequelle ist die Stuhlrestaurierung: Kunden schicken alte Stuhlrahmen oder Sessellehnen zum neu Bespannen - im traditionellen Wiener Geflecht oder nach Worpsweder Technik.

"Ich hab schon aus Brennnesseln einen Lampenschirm geflochten, aus Ginster einen Korb und Sitzmöbel aus Hasel und Binse. Es gibt sehr viele Materialien, die verflochten werden können aus der Natur."

Nepomuk (23), 3. Ausbildungsjahr

Flechtwerkgestalter - das ist heute ein Nischenberuf, in dem sich viele nur durch Spezialisierung behaupten können. Korbmachermeister Thomas Backof zum Beispiel repariert immer wieder mal ramponierte, geflochtene Ballonkörbe. Außerdem fertigt er in seinem Mini-Betrieb serienweise vorbestellte Baguettekörbe für Bäckereien und Metzgereien.

Die Berufsausbildung an der Fachschule endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Wer dann Karriere machen will, kann den Meister draufsetzen und sogar studieren (Innenarchitektur oder Produktdesign). Er kann sich mit einer eigenen Werkstatt selbständig machen oder eine feste Stelle bei einem Wohlfahrtsverband suchen - als Arbeitstherapeut einer Werkstatt für behinderte Menschen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Flechtwerkgestalter/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: staatl. Berufsfachschule (oder dual)          
  • Zugang: kein bestimmter Schulabschluss vorgegeben
  • Prüfung: Handwerkskammer
  • Eignung: räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld, Geschick
  • Perspektiven: Meister/in und evtl. Studium, Selbstständigkeit, Zusatzausbildung als Arbeitstherapeut/in

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kreativität

Ideen für´s Material: Nicht nur aus Binse, Rattan oder Weide kann ein Geflecht hergestellt werden, auch Gras und Plastikstreifen lassen sich verflechten. Mit Phantasie zu einer Fülle von Objekten: ob Lampenschirme, Möbel, Körbe oder Schalen.

Geschick

Beim Flechten dürfen keine Knicke entstehen. Es muss gleichmäßig gearbeitet werden, sonst wird das Geflecht unansehnlich. Das Material muss angefeuchtet sein und darf nicht brechen. Kleinteilige Objekte verlangen viel Fingerspitzengefühl.


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