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Fachpraktiker/-in im Lagerbereich Lagern, auszeichnen, versenden

Fachpraktikerausbildungen sind für junge Leute mit sonderpädagogischem Förderbedarf gedacht. Manche haben eine Lernschwäche, andere Probleme in der Familie, wieder andere Defizite beim Selbstbewusstsein oder Probleme mit Freunden. Fachpraktiker im Lagerbereich lernen, wie man Waren annimmt, auszeichnet, sortiert und lagert. Außerdem erfahren sie wie man Güter kommissioniert, versendet und ausgibt.

Stand: 27.11.2015

Die Sonderberufsschule St. Erhard in Plattling in Niederbayern. Zweimal pro Woche kommen die angehenden Fachpraktiker im Lagerbereich hierhin. Im Matheunterricht wird der Dreisatz wiederholt. Die Grundrechenarten muss jeder beherrschen. Im Fachunterricht bereitet Förderschullehrer Kilian Wildt die Schüler auf praktische Arbeit vor.

"Einige meiner Schüler sind im Laufe ihrer Schullaufbahn öfter gescheitert. Da ist denke ich klar, dass das Selbstbewusstsein nicht mehr so stabil ist, wie es eigentlich sein sollte. Aus dem Grund ist es mir sehr wichtig, dass die Schüler in einer positiven Atmosphäre an die Aufgaben heranzuführen und ihnen Mut zu verleihen, die Dinge selbstständig anzugehen."

Kilian Wildt, Förderschullehrer

Der Lagerbestand muss stimmen

Stefan und Christina schmeißen die Warenannahme im Berufsbildungszentrum vom Verein Jugendpflege in Vilshofen. Ausbilder Robert Bröhl erklärt was zu tun ist: Auspacken und kontrollieren. Stefan und Christina zählen nach, ob die Menge der gelieferten Ware mit den Angaben auf Rechnung und Lieferschein übereinstimmen und haken Position für Position genau ab. Dann geben sie alles in den Computer ein. Das ist wichtig, denn der Lagerbestand muss stimmen. Wenn alles im Computer erfasst ist, dann räumen die beiden die Büroartikel in die vorgesehenen Schränke und Regale. Alles hat seinen genau vorgegebenen Platz.

Kost und Logis frei

Florian nimmt eine Bestellung am Telefon entgegen und Andreas schreibt alles auf. In der  Metallwerkstatt werden Bohrer und Trennscheiben für den Winkelschleifer gebraucht. Andreas sucht die Werkzeuge zusammen. Wie die anderen Auszubildenden wohnen die beiden im Internat des Berufsbildungszentrums. Die Azubis haben Kost und Logis frei. Darüber hinaus bekommen sie ein kleines Taschengeld. Das alles zahlt die Agentur für Arbeit. Ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, das kennt nicht jeder von zu Hause. Gemeinsam Arbeiten, gemeinsam Essen, gemeinsam Lernen nach Feierabend und auch gemeinsam die Freizeit verbringen. Bis Andreas die Waren aus dem Lagerschränken bringt kümmert sich  Florian um den Papierkram.

"Ich mache meinen Lieferschein für die Ware, die ich ausgebe, zum Beweis dafür, dass wir das beim Besteller auf abgegeben haben. Das ist wichtig für die Inventur die wir später machen."

Florian Ritt, 19, 2. Lehrjahr

Jetzt heißt es die Güter schnell ausliefern. Der Meister in der Metallwerkstatt wartet schon. Alles abgeben, Lieferschein unterschreiben, dann ist der Auftrag erledigt.

Die Agentur für Arbeit trägt die Kosten für die Ausbildung

Wer die Ausbildung machen will, muss einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Wird der genehmigt, dann trägt die Agentur für Arbeit die Kosten für die Ausbildung.

"Wir machen das aus einem sozialen Auftrag heraus für schwächere Jugendliche, die vielleicht irgendwelche Lerndefizite haben, noch nicht ausbildungsreif sind, um sie an das Arbeitsleben heranzuführen. Und um sie auch zu sozialisieren, teamfähig zu machen, damit sie eigenes Selbstbewusstsein wiederzufinden."

O-Ton Barbara Breese, Agentur für Arbeit

Als Fachpraktiker im Lagerbereich muss man auch mal zupacken können. Der Beruf ist ein Einstieg für alle  jungen Leute, die etwas mehr Unterstützung brauchen und Lust haben mit Waren umzugehen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachpraktiker/ -in im Lagerbereich
  • Ausbildungsdauer: zwei bis drei Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb oder eine Einrichtung der betrieblichen Rehabilitation und an der Berufsschule
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer ab.
  • Ausbildungsorte: Einrichtungen der betrieblichen Rehabilitation, meist Berufsbildungswerke. Selten bieten auch Industriebetriebe diese Ausbildung an.
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Fachpraktiker im Lagerbereich ist eine Einstiegsausbildung für Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Manche haben keinen Schulabschluss, einige einen Förderschulabschluss, aber auch Absolventen der Mittelschule sind unter den Auszubildenden.
  • Eignung: Bewerber sollten sorgfältig sein und genau arbeiten können. Ordnungssinn und handwerkliches Geschick helfen bei der Ausbildung. Auf jeden Fall ist es wichtig, die Grundrechenarten zu beherrschen. Ein Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben.
  • Perspektiven: Spezialisierung auf Warenannahme oder Einlagerung sind möglich. Es gibt auch Zusatzqualifikationen, etwa den Erwerb des Gabelstaplerführerscheins. Wer die Fachpraktikerausbildung mit gutem Ergebnis geschafft hat, der kann zum Fachlageristen weitermachen. Einige wenige schaffen es, dann die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik erfolgreich zu absolvieren.
  • Alternativen: Fachpraktiker/ -in im Verkauf. Die Aufgaben sind ähnlich: Waren annehmen und kontrollieren, lagern und verpacken. Es gibt auch noch weitere Fachpraktikerausbildungen

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Mathematik

Die Azubis müssen die Grundrechenarten beherrschen. Alles weitere vertiefen angehende Fachpraktiker dann in der Sonderberufsschule.

Genauigkeit

Fachpraktiker im Lagerbereich müssen sorgfältig arbeiten. Falsch eingelagerte Waren können in großen Betrieben nur schwer wiedergefunden werden. Unrichtig ausgefüllte Unterlagen führen zu Fehlbeständen im Lager.


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