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Edelsteinfasser/-in Ins rechte Licht gerückt

Edelsteinfasser setzen Edel- und Schmucksteine in Schmuckstücke oder Ziergeräte ein und befestigen sie. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und wird in der Industrie, im Handel und im Handwerk angeboten.

Stand: 29.05.2017

Neun Uhr. In der kurzen Frühstückspause trinkt René einen Kaffee und macht einige Dehnübungen. Zwei Stunden lang hat der 26-Jährige schon an der Werkbank gesessen und konzentriert durch das Mikroskop geschaut. Die Arbeit strengt an. Nicht nur den Rücken, sondern auch die Augen. Als Ausgleich zum Job macht René Krafttraining. Drei- bis viermal pro Woche geht er ins Studio.

Wandel in der Branche

René macht eine Ausbildung zum Edelsteinfasser. Das zweite Ausbildungsjahr hat er fast hinter sich. Ausbildungsplätze sind rar. Obwohl der Raum Pforzheim zu den wichtigen Zentren der deutschen Schmuckindustrie zählt, gibt es nicht viele Betriebe, die Edelsteinfasser ausbilden. Die Fasserwerkstatt von Wilhelm Kling gehört dazu. Der 65-Jährige, den alle in der Branche nur als Brilli-Willi kennen, hat den Betrieb von seinem Vater übernommen. Brilli-Willi hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten als Edelsteinfasser den Wandel in der Branche miterlebt: Das Mikroskop zog in die Werkstätten ein, Maschinen und Werkzeuge wurden immer leistungsfähiger. Neben dem Meister und zwei Auszubildenden arbeiten hier drei weitere Edelsteinfasser. Ob Meister oder Auszubildender. Meister Kling hat einen Arbeitsplatz mit Kamera und Bildschirm ausgerüstet. So sieht er genau, wie René unter dem Mikroskop arbeitet und kann ihn korrigieren und Tipps geben.

"Grob gesagt muss ein Edelsteinfasser zwei Dinge mitbringen. Erstens: Geduld. Und Zweitens sollte etwas handwerkliches Talent vorhanden sein. Wenn handwerkliches Talent vorhanden ist, dann ist der Weg relativ einfach. Es ist eine mechanische, nachvollziehbare Arbeit. Wer nicht so begabt ist, der kann den Beruf trotzdem erlernen. Bei dem dauert es nur ein bisschen länger."

Wilhelm Kling Junior, Meister

Edelsteinfasser/innen werden im dualen System ausgebildet. Der anerkannte Ausbildungsberuf wird in der Industrie, im Handel und im Handwerk angeboten. Die Ausbildung wird parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule durchgeführt. In Pforzheim findet der Berufsschulunterricht in Blockform statt.

Hochpreisige und individuelle Aufträge

Während Massenware überwiegend in Fernost gefasst wird, bekommen Edelsteinfasser in Deutschland eher die hochpreisigen und individuellen Aufträge auf den Tisch. Als gefragte Spezialisten können Edelsteinfasser gut verdienen. Dazu kommt: die Berufsaussichten sind gut. Auch international. Auch René will nach der Ausbildung vielleicht für einige Zeit ins Ausland. Ein, zwei Jahre Erfahrungen sammeln. Und dann? Möglichkeiten gibt es viele. René kann in Betrieben der schmuckherstellenden Industrie, in Gold- und Silberschmiedewerkstätten, in Juweliergeschäften, bei Antikschmuckhändlern und natürlich in Fasserwerkstätten einen Job finden. Viele Fasser machen sich auch selbstständig. Einen Meisterzwang gibt es nicht.

Gegenwert eines Mittelklassewagens

Die Frühstückspause ist vorbei. René setzt sich wieder an sein Mikroskop und sortiert die Edelsteine für den nächsten Ring. Grob überschlagen liegen 5.000 Euro Material auf seinem Tisch. Sein Meister hat gerade ein Kollier im Gegenwert eines Mittelklassewagens in Arbeit. Über diese Summen macht sich René schon lange keine Gedanken mehr. Der Umgang mit den teuren Juwelen ist für ihn längst Alltag geworden. Edelsteinfasser, das ist kein Beruf für Hektiker. Wer sich wie René für die Ausbildung entscheidet, muss vielmehr einen Hang zur Perfektion mitbringen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Edelsteinfasser/in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.
  • Ausbildungsform: Edelsteinfasser/innen werden im dualen System ausgebildet. Der anerkannte Ausbildungsberuf wird in der Industrie, im Handel und im Handwerk angeboten.
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen eine Zwischenprüfung sowie am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung ab. Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. In der praktischen Prüfung wird ein Prüfungsstück angefertigt, die schriftliche Prüfung umfasst die Fächer Technologie, Gestaltung und Arbeitsplanung, technische Mathematik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung wird parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule durchgeführt. Der Berufsschulunterricht findet an bestimmten Wochentagen oder in Blockform statt.
  • Zugang: Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben. Allerdings ist vor Beginn der Ausbildung die gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs durch ein ärztliches Attest nachzuweisen.
  • Eignung: Diese Fähigkeiten sind gefragt: handwerkliches Geschick, ästhetisches Empfinden, Kommunikationsbereitschaft und Geduld.
  • Perspektiven: Als gefragte Spezialisten können Edelsteinfasser/innen gut verdienen. Die Berufsaussichten sind gut. Auch im Ausland sind in Deutschland ausgebildete Edelsteinfasser/innen sehr gefragt.
  • Alternativen: Goldschmied/in der Fachrichtungen Juwelen, Ketten und Schmuck, Silberschmied/in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Präzision und Genauigkeit sind in dem Job gefragt. Edelsteinfasser arbeiten im Zehntel-Millimeter-Bereich. Arbeitet ein Edelsteinfasser mit zu viel Toleranz, können die Steins später aus der Fassung fallen.

Team

Ein freundliches Miteinander erleichtert die Arbeit. In den Werkstatt wird meist geduzt. Von früh bis spät sitzt das Team im gleichen Raum und muss sich extrem konzentrieren.

Kommunikation

Handwerk ist nur eine Seite des Berufs. Kommunikation die andere. Ein Goldschmied liefert beispielsweise einen Ring und Edelsteine beim Fasser ab und beschreibt mündlich wie er sich den fertigen Ring ungefähr vorstellt. Der Edelsteinfasser muss diese Beschreibung im Schmuckstück umsetzen. Das ist eine Herausforderung, denn häufig sprechen die Kunden sehr bildlich.


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