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Nobelpreisträgertagung Lindau 25.-30. Juni Lernen von den Besten: Student trifft Nobelpreisträger

Mit Nobelpreisträgern über die eigene Master- oder Doktorarbeit zu diskutieren? Der Weg dorthin ist nicht einfach, aber es geht. Das Campus Magazin hat zwei Teilnehmer nach Lindau begleitet und zeigt, wie das Auswahlverfahren läuft.

Von: Stefan Geier

Stand: 24.10.2016

Phillip hat sich schon vor fast einem Jahr für die Tagung beworben. Der Physiker aus Hamburg arbeitet gerade an seiner Doktorarbeit. Sein Thema: er fängt und kühlt Atome mit Laserlicht. Und er hat das große Los gezogen. Seine Bewerbung bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung war erfolgreich.

Feedback von den Besten eines Fachs

Bei der jährlichen Tagung im beschaulichen Lindau am Bodensee hat Phillip jetzt eine einmalige Gelegenheit. Er kann seine Arbeit dem Nobelpreisträger Prof. Dr. William Phillips vorstellen. Der hat 1997 den Nobelpreis für Physik für das Einfangen einzelner Atome bekommen. Eine Technik, mit der Phillip heute täglich zu tun hat – also genau sein Fachbereich.

In einer sogenannten Masterclass hat er bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung zehn Minuten Zeit, um seine Ergebnisse, Verfahren aber auch Fragen vorzutragen – gemeinsam mit einem Duzend anderer Studenten. Wirklich aufgeregt ist er dabei nicht. Er freut sich ganz einfach auf die Veranstaltung.

"Wir hatten gestern schon einen Lunch mit dem Nobelpreisträger William Phillips und da hat man schon grob erzählt, was man so macht, er hat auch einiges erzählt und dann ist das alles schon wieder etwas entspannter. Er ist ein sehr umgänglicher, sehr netter Typ. Einer der gut erklären kann, eine super Atmosphäre rüber bringt und der einen sehr motivieren kann, für Physik zu brennen."

Philipp Wessels, Physiker, Universität Hamburg

Feedback statt Kritik

Die Masterclass erinnert an eine Mischung zwischen Kurzvorlesung und heiterem Austausch. Nach Phillips Vortrag haken viele im Raum nach, fragen und auch der Nobelpreisträger will mehr wissen. Harte wissenschaftliche Fakten in heiterer Atmosphäre – viele Teilnehmer erzählen, dass der "Lindau-Spirit" sehr inspirierend ist und großen Spaß macht.

Die Tagung hat jedes Jahr ein anderes übergreifendes Thema. 2016 war es Physik. 2017 ist es Chemie. Viele Nobelpreisträger aus aller Welt schauen immer wieder mal vorbei. Auch William Phillips war 2016 nicht das erste Mal da.

"Für mich ist dieses Treffen sehr spannend. Denn ich bekomme mit, was in den besten Labors der Welt gerade passiert. Was will ich mehr?"

William Philips, Nobelpreisträger Physik 1997

Nach der Masterclass ist Philipp Wessels erleichtert. "Es hat Spaß gemacht", sagt er. Und er hat viele Anregungen für seine weitere wissenschaftliche Arbeit bekommen. Von Kollegen, aber eben auch von einem echten Nobelpreisträger.

Immer im September und Oktober kannst Du Dich für eine Teilnahme im darauffolgenden Jahr bewerben. In der Zeit von Mitte Februar bis März gibt die Tagungsorganisation die Ergebnisse des Bewerbungsverfahrens bekannt.

Und so läuft das Auswahlverfahren ab:

Warum hast Du Dich beworben?

"Als junge Physikerin in Ghana trifft man nicht sehr viele andere Wissenschaftler. Viele bleiben in ihrem eigenen Dunstkreis. Dieses Treffen inspiriert mich sehr. Ich glaube, dass man als Wissenschaftler raus muss aus seiner Comfort Zone. Das ermöglicht einem neue Kontakte und man kann dadurch neue Sichtweisen kennen lernen."

Winifred Atiah, Physikerin, Ghana

"Ich habe mich für Lindau beworben, weil man den Dialog zwischen den Generationen hier pflegen kann. Und das mit sehr erfolgreichen Wissenschaftlern. Und man kann auch mit jungen Kollegen von überall sprechen. Sehr interessant sind Kollegen aus Afrika. Die trifft man sonst eher selten."

Andreas Maier Physiker, PostDoc am Cern, Schweiz

Weiterführende Links:

  1. Website der Nobelpreisträgertagung in Lindau: http://www.lindau-nobel.org/
  2. Für die Bewerbung braucht Ihr einen Akademischen Partner, der Euch vorschlägt. Wer das sein könnte?

Hier ist die Liste: http://www.lindau-nobel.org/academic-partners/


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