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Schriftsteller Schrott, Raoul

Dr. Raoul Schrott ist Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Übersetzer und Dada-Experte. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Peter-Huchel- und dem Joseph-Breitbach-Preis.

Stand: 15.02.2016 | Archiv

Raoul Schrott | Bild: BR

"Sie wollten also sehr private Dinge wissen, wo ich mir schon allein als Tiroler gedacht habe: 'Das geht doch jetzt wirklich niemanden etwas an.' Aber weil man auch als Tiroler und als Österreicher natürlich besonders versucht, sehr höflich zu sein, habe ich mir gedacht, gut, dann antworte ich halt darauf. Wir saßen da abends an einem Wirtshaustisch und ich erzählte denen dann halt diese Geschichte: 'Ich bin auf dem Schiff geboren. Und das mit der Staatsbürgerschaft hat auch nicht richtig funktioniert, weil das Schiff ein zypriotisches Schiff gewesen ist, wo doch Zypern damals zweigeteilt gewesen ist.' Ich dachte mir natürlich, dass eigentlich doch jeder Mensch wissen müsste, dass Zypern erst in den siebziger Jahren zweitgeteilt worden ist, genauer gesagt im Jahr 1973, während bei mir 1964 die Geburt zustande gekommen ist. Also habe ich immer auf ein Lachen gewartet wegen meiner Geschichte. Das kam aber nicht. So habe ich immer weiter aus dem Stegreif etwas erfunden, bis ich zum Schluss gesagt habe: 'Meine Eltern haben mich dann heimgeflogen und für diesen Flug hat sogar noch die Landebahn des Flugplatzes in Landeck verlängert werden müssen.' Landeck ist dort in Tirol diese Stadt, wo es in der einen Richtung nach Innsbruck und in der anderen nach St. Anton geht. Das Lachen kam aber immer noch nicht. Damit war diese Geschichte in die Welt gesetzt und an mich festgebunden. Später war mir das eigentlich recht sympathisch, weil sie in Kurzform als Parabel etwas bringt, was das Private sehr gut abdeckt. Vor allem bei den Dadaisten habe ich ja auch gelernt, dass das Spiel mit den Masken und den Rollen etwas Lustvolles ist und in gewissem Maße auch etwas Subversives an sich hat."

Raoul Schrott

Zur Person

  • Geboren
  • 17. Januar 1964 in Landeck
  • Ausbildung
  • Studium der Literatur- und Sprachwissenschaften in Norwich, Paris, Berlin und Innsbruck
  • 1988 Promotion zum Dr. phil.
  • Beruf
  • Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer

Funktionen und Ämter

  • Aktuelle Funktion
  • Schriftsteller und Übersetzer
  • Ämter/berufliche Stationen
  • 1986–1987 Sekretär des Surrealisten Philippe Soupault in Paris
  • Ende der 1980er Jahre erste Gedicht-Veröffentlichungen
  • 1990–1993 Lektor für Germanistik am Istituto Orientale in Neapel
  • 1995 Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt für seine Gedichte aus dem Zyklus "Hotels", erster Roman "Finis terrae – Ein Nachlass"
  • 1996 Berliner Literaturpreis und Habilitation an der Universität Innsbruck
  • 1998 Literatur-Dozent an der ETH Zürich
  • 1999 Peter-Huchel-Lyrikpreis
  • 2004 Mainzer Stadtschreiber und Joseph-Breitbach-Preis
  • 2007 Preis der Guntram und Irene Rinke Stiftung 2007
  • 2009 Tiroler Landespreis für Kunst 2009

Veröffentlichungen

  • Die Kunst an nichts zu glauben, München: Hanser, 2015.
  • Theogonie. Übersetzt und erläutert von Raoul Schrott, München: Hanser, 2014.
  • Das schweigende Kind. Erzählung, München: Hanser, 2012.
  • Ilias. Übertragen von Raoul Schrott. Kommentiert von Peter Mauritsch, Frankfurt am Main: Fischer, 2010.
  • Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe, München: Hanser, 2008.
  • Handbuch der Wolkenputzerei, München / Wien: Hanser, 2005.
  • Weißbuch, München / Wien: Hanser, 2004.
  • Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde, München / Wien: Hanser, 2003.
  • (Hrsg.) Gilgamesh-Epos, München / Wien: Hanser, 2001.
  • Finis terrae, Innsbruck: Haymon, 1995.

Erstsendung: 13.3.2006


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