BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Gut für Körper und Geist Ein Tag im Wald

Der Wald tut gut - die Luft, die Ruhe, der Geruch. Das spüren wir nicht nur, das sagt auch die Wissenschaft. Waldluft enthält 90 Prozent weniger Staubteilchen als Stadtluft. Und die Duftstoffe, die die Pflanzen ausströmen, wirken beruhigend auf unser Nervensystem und stärken die Immunabwehr. Ein guter Ort gegen "Wintermüdigkeit“.

Stand: 12.01.2022

Gerade jetzt fühlen sich viele von uns müde, schlapp, lustlos und die Stimmung ist im Keller. Am liebsten würde man sich unter der Decke verkriechen, wenn draußen die Temperaturen in den Minusbereich sinken. Sehen statt Hören-Moderatorin Anke Klingemann hat da einige Tipps gegen diese Wintermüdigkeit - und lädt euch ein zu einem Tag im Wald.

Tipp 1: Gesund und lecker essen

Jessica Feldmann ist gerne mit ihren Kindern im Wald unterwegs – und ist mit einem ganz besonderen Blick zwischen den Bäumen unterwegs. Denn sie ist auf der Suche nach Kräutern. Das, was für viele eher wie Unkraut aussieht, kann nämlich sehr gesund und wohlschmeckend sein. Brennnessel beispielsweise beinhalten mehr Vitamin C als Orangensaft. Oder Spitzwegerich ist ein echtes Heilkraut – er hilft beispielsweise gegen Husten. Aus den gesammelten Kräutern zaubert sie köstliche Leckereien: Smoothies, Beilagengemüse, Kräuterbutter, Brotaufstriche oder Tee. Alles BIO pur und zum Nulltarif. Eben ein Geschenk aus der Natur – das im Winter tatsächlich spärlicher wächst als in der warmen Jahreszeit. 

Tipp 2: Arbeiten an der frischen Luft

Die Brüder Michael und Simon Glatt haben einen ganz besonderen Bezug zum Wald: Als Waldbesitzer haben sie alle Hände voll zu tun, damit die Bäume wachsen und gedeihen. So müssen sie beispielsweise durch Zäune ihre Jungbäume vor dem Wild schützen, denn die knabbern die frischen Triebe der Bäume gerne mal an. Außerdem sind die beiden immer unterwegs, um ihren Wald auf Krankheiten und Befall zu prüfen. Manchmal müssen auch Bäume gefällt werden.

"Wenn wir durch den Wald gehen, schauen wir uns die Baumwipfel an. Werden sie welk, sind sie befallen und der Baum verkümmert. Er muss dann gefällt werden. Das gleiche gilt, wenn sich die Rinde löst. Auch dann muss der Baum weg."

Michael Glatt

"Entdecken wir im Stamm kleine Löcher, wo Sägemehl ausstritt, schauen wir uns die Rinde genauer an. Wenn wir Käfer entdecken, müssen wir sofort handeln, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern."

Simon Glatt

Insgesamt setzen die Brüder gerade auch mit Blick auf den Klimawandel auf Mischwald – und genießen trotz der schweren Arbeit die Ruhe der Bäume.

Tipp 3: Kreativität

Claudia Braasch hat eine große Leidenschaft: Sie bastelt – am liebsten mit vielen Kindern. Das Material dazu finden sie im Wald: Tannenzapfen, Nadelzweige, Blätter und vieles andere mehr. Dabei entstehen fantasievolle Gebilde und schöne Dekorationen – die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch noch duften. Um die Materialien zu sammeln, steht meist ein Ausflug in den Wald an. So lassen sich die Kleinen am einfachsten motivieren, an die frische Luft zu gehen.

Tipp 4: Bewegung und Licht

All das sind gute Mittel gegen Wintermüdigkeit. Doch woher kommt die eigentlich? Die Psychologin Katrin Wälder weiß es. Die Wintermüdigkeit hängt mit dem Mangel an Licht zusammen. Zwei Hormone spielen dabei eine wichtige Rolle. Zum einen ist es das Serotonin, das sogenannte Glückshormon, das unter anderem durch Licht produziert wird. Es macht uns aktiver und hellt die Stimmung auf. Dann gibt es noch das Melatonin, das Schlafhormon, das bei Dunkelheit vermehrt produziert wird. Dadurch stellt sich der Körper auf Schlaf ein. Im Herbst und Winter, etwa Oktober bis März, nimmt der Melatoninspiegel zu und das Serotonin ab, deshalb fühlen wir uns häufiger müde. Daher ist es wichtig, raus zu gehen an die frische Luft und Licht zu tanken.

"Es muss kein zwei- oder dreistündiger Sportlauf sein. Schon ein halbstündiger Spaziergang reicht aus, um den Hormonhaushalt auszugleichen. Wichtiger ist, dass man es regelmäßig macht."

Katrin Wälder

Tipp 5: Entspannung

Ebenfalls ein guter Tipp gegen den Winterblues ist Entspannung. Yoga und Meditation sind bekannt – aber Waldbaden liegt derzeit voll im Trend. Claudia Müller zeigt Moderatorin Anke Klingemann wie das geht.

"Also „Waldbaden“ bedeutet nichts Anderes wie Baden in der Waldluft. Das bewusste Verweilen in der Atmosphäre des Waldes, mal wieder mit seinen ganzen Sinnen aufnehmen. Das machen wir ja nicht so täglich und wenn man badet in der Badewanne, dann gibt man sich auch diesem Element Wasser hin. Und hier ist es nichts Anderes. Wir nehmen das Element Luft, die ganze Atmosphäre, die ganzen Düfte und vor allem auch die verschiedene Tierwelt, die ganzen Farben in sich auf."

Claudia Müller

Wichtig dabei: Das Gedankenkarussell muss anhalten. Keine To-Do-Listen im Kopf durchgehen. Und auch nicht versuchen, besonders viel Strecke zurückzulegen. Manchmal reichen nur wenige Meter, die man auf dem weichen Waldboden schlendert.

Es gibt viele Wege, den Wald zu genießen. Eines ist  gewiss: Er ist heilsam und entschleunigend, ruhig – und manchmal auch lecker.

Buchtipps aus der Sendung

  • "Die Wildpflanzen Apotheke" und "Die Waldapotheke" von Dr. Markus Strauß
  • "Was blüht denn da? - KOSMOS-Naturführer
  • "Essbare Wildpflanzen" von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger
  • "Das geheime Leben der Bäume" und "Das geheime Band zwischen Mensch und Natur" von Peter Wohlleben
  • "Mats und die Wundersteine" von Marcus Pfister

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