BR Fernsehen - Sehen statt Hören


3

Kunst und Inklusion Barrierefreie Räume öffnen

Eines von Robert Bisls Werken ist berühmt in der Gebärdensprachwelt: Er hat die Handskulpur entworfen - den bedeutendsten Kulturpreis der Gehörlosengemeinschaft, der an den Kulturtagen verliehen wird. Der taube Künstler war schon auf vielen Kunstausstellungen. Doch zusammen mit hörenden Künstlerinnen und Künstlern hatte er bislang noch keine Werkschau. Das ist jetzt das erste Mal. In der Sendung geht es aber auch um die Rezeption von Kunst: Wie gut haben gehörlose Museumsbesuchende Zugang zu Informationen über die ausgestellten Werke?

Von: Anne-Madlen Gallert

Stand: 27.03.2024

Die aktuelle Sendung begleitet den Bildhauer zu seiner ersten inklusiven Werkschau; Robert Bisl wurde von einer Jury aus einer Vielzahl Einsendungen ausgewählt.

Die Ausstellung "Upgrade - Aufwertung"

Die Ausstellung "Upgrade - Aufwertung" mit Robert Bisl und Daniel Engelberg läuft vom 20. März bis 28. Juni in der Galerie Bezirk Oberbayern, Prinzregentenstr. 14, 80538 München, (gegenüber vom Haus der Kunst).

Metallenes Auge von Robert Bisl im Vordergrund, farbiges Objekt von Daniel Engelberg im Hintergrund

Die gemeinsame Ausstellung bestreitet Robert Bisl mit dem studierten Bildhauer Daniel Engelberg. Gemeinsam erarbeiten sie unter anderem die Positionierungen ihrer Werke. Natürlich ist ein Kontrast offensichtlich: Robert Bisls Skulpturen sind aus Metall, dunkel, rauh - die Arbeiten von Daniel Engelberg sind in leuchtenden Farben gestaltet. Aber beide wertschätzen diese scheinbaren Gegensätze und auch die vielen Überschneidungspunkte.

Daniel Engelberg und Robert Bisl

"Dieser Aspekt, dass dein Partner dich nicht hört, darauf muss man sich natürlich einlassen. Aber mir ist das eigentlich gelungen. Mir ist einfach klar, der muss dich immer anschauen, du musst ihn immer anschauen, du musst langsam sprechen, damit das vielleicht abgelesen werden kann. Also, ich mache mir da ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken. Was ist der Unterschied und hier und da… ich agiere mit Menschen. Und mit dem Robert komme ich einfach zurecht, ob der mich jetzt hört oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle."

Daniel Engelberg

"Für mich war das eine Herausforderung, weil ich mit gehörlosen Künstlern schon viele Ausstellungen gemacht habe, aber das war für mich jetzt auch praktisch eine Brücke schlagen in die Kunstwelt der Hörenden. Ich fand das schön, für mich war das eine positive Erfahrung. Das hat mir Mut gegeben, dass ich nominiert wurde, dass es dieses Zusammenspiel gab."

Robert Bisl

Rezeption von Kunst

Wir blicken in dieser Sendung ganz allgemein auf den Museumsbetrieb: Während früher Führungen durch Kunstausstellungen ausschließlich mit Gebärdensprachdolmetschenden möglich waren, bieten Museum-Signer wie Martina Odorfer heute den viel unmittelbareren Zugang:

"Es ist ja sonst so, dass ein hörender Kunstvermittler spricht und der Gebärdensprachdolmetscher übersetzt. Ein Museum Signer vermittelt mir die Inhalte direkt und unmittelbar. Bei der Übersetzung hängt viel vom Qualitätsniveau der Übersetzung ab: Da gibt es tatsächlich solche und solche Dolmetscher. Das ist eben unterschiedlich. So oder so gibt es Wahrnehmungsunterschiede. Gebärdensprache ist anders aufgebaut. Unter Muttersprachlern ist einfach alles dreidimensional: Der Gebärdenraum, die Mimik, Gestik, die Körpersprache. Eine Übersetzung ist morphologisch viel näher am gesprochenen Wort. Dadurch geht teilweise auch was verloren. Auf direktem Weg bekomme ich alles mit."

Martina Odorfer, Museum-Signerin

Gehörlose Museumsbesuchende suchen und schätzen diese Angebote. Dennoch sind Gehörlose im Kunstbetrieb die Ausnahme. Mit Martina Odorfer gibt es in Deutschland nur 18 Museum-Signer.

Und Festangestellte? - Da ist Martina Bergmann die einzige: Sie ist seit 25 Jahren in der Kunsthalle Hamburg angestellt.

"Kunst ist für mich wie Musik für Hörende. Die Musik gibt mir nichts Besonderes, aber die Kunst ist durch die Farben und Formen wie Musik für meine Augen. [...] In den Bildern steckt eine Sprache, sie erzählen die Geschichten aus sich selbst heraus. Die Bilder erwecken in mir ein Gefühl. Das teile ich gern mit Menschen und erzähle davon. Ich mag diese Kommunikation."

Martina Bergmann, Deutschlands einzige Festangestellte im Museumsbetrieb


3