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Gesunde Ernährung Superfood im Test: regional gegen exotisch

Quinoa, Chia Samen und Goji Beeren: Die Früchte und Samen vom anderen Ende der Welt gelten als echte Wundermittel. Doch sind heimische Lebensmittel nicht genauso wertvoll? Exotisch gegen regional - Reporter Fero Andersen macht den Test.

Von: Birgit Deiterding

Stand: 03.07.2017

"Matcha, Acai, Moringa – klingt so ein bisschen nach Kampfsportart, sind aber allesamt Superfoods aus exotischen Ländern wie auch diese Chia Samen, die erst mal nach nichts schmecken. Doch all diesen Superfoods werden tatsächlich geradezu magische Kräfte nachgesagt. Was steckt dahinter und gibt es genauso gute Lebensmittel nicht auch direkt bei uns vor der Haustür?"

Fero Andersen, Gesundheit!-Reporter

Reporter Fero Andersen mit Ernährungsexpertin Bianca Meraner

Um das herauszufinden, trifft Gesundheit!-Reporter Fero Andersen Ernährungsexpertin Bianca Meraner in einem Biosupermarkt in München. Die Regale sind voll mit Früchten und Samen, die als Superfood angepriesen werden – ob als Pulver, Öl, in Smoothies oder getrocknet.   

Ein geschützter Begriff ist Superfood nicht. Anbieter bewerben damit einen bestimmten Inhaltsstoff, der in großer Menge enthalten sein soll. Superfood zu sich zu nehmen, ist aber nicht unbedingt nötig, findet Bianca Meraner.

"Bei uns gibt es so gute Produkte, die könnte man ohne Probleme als Ersatz verwenden."

Bianca Meraner, Ernährungsexpertin

Superfood gegen regionale Produkte im Test

Wir machen den Test und vergleichen vier exotische Superfoods mit vier Produkten aus der Region. Das Pulver der Acai Beere mit der schwarzen Johannisbeere, Chia Samen und Leinsamen. Quinoa und Braunhirse und die Goji Beere mit der Heidelbeere.

Acai Beere gegen schwarze Johannisbeere

Runde Eins: Das Pulver der Acai Beere gegen die schwarze Johannisbeere.

Die Acai Beeren aus Südamerika gibt’s bei uns vor allem als Pulver. Die frischen Beeren sind bekannt für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt. Außerdem stecken in ihnen viele Antioxidantien. Diese Radikalfänger sollen die Zellen im Körper vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. 100 Gramm Pulver kosten circa 20 Euro.

"Die Beere an sich hat sehr viele wertvolle Inhaltsstoffe. Bei uns gibt es Acai Beeren aber nur als Pulver oder tiefgefroren. Die Frage ist, wie viel an Vitaminen übrig bleibt - auf dem langen Transportweg und bei der Verarbeitung."

Bianca Meraner

Viel Vitamin C

Auch Antioxidantien können verloren gehen. Mineral- und Ballaststoffe bleiben eher enthalten. Dagegen steht die schwarze Johannisbeere. Fero Andersen und Bianca Meraner pflücken ein paar Beeren. Dass die Beeren reif sind, erkennt man an ihrer Größe und Farbe.     

"Dieses blaurot, das sind diese wunderbaren Antioxidantien, die auch unser Immunsystem und unser Herzkreislaufsystem schützen."

Bianca Meraner

Was die Inhaltstoffe betrifft, kann es die schwarze Johannisbeere also locker mit dem Exoten aufnehmen. Sie besitzt ebenfalls viele Antioxidantien. Beim Vitamin-C-Gehalt übertrumpft sie sogar die Acai Beere. 100 Gramm kosten nur rund zwei Euro. Und: Schon eine Handvoll davon deckt den kompletten Tagesbedarf an Vitamin C.

Chia Samen gegen Leinsamen

In Weiding im Chiemgau machen wir den zweiten Superfood-Check. Chia Samen aus Mittelamerika gegen heimische Leinsamen. Auf dem Hof von Biobäuerin Julia Reimann baut die Familie zwanzig verschiedene Kulturpflanzen an. Gerade Lein gilt als eines der ältesten Naturheilmittel überhaupt.

"Lein fängt jetzt bald an zu blühen. Er blüht blau oder auch weiß. Im September ungefähr werden dann die Körner geerntet."

Julia Reimann, Biobäuerin

Leinsamen sind sehr gesund, sie enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, die das Herzkreislaufsystem stärken sollen. Zudem trumpfen sie mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen auf, die für eine gute Verdauung sorgen. 500 Gramm kosten rund drei Euro. Zum Vergleich: Die Chia Samen besitzen ebenso viele ungesättigte Fettsäuren wie Leinsamen. Aber sie enthalten weniger Ballaststoffe. Und: Die gleiche Menge kostet rund doppelt so viel. Fero Andersen kennt Leinsamen vor allem im Müsli.

"Das ist der Klassiker. Es sollte schön aufquellen. Man sollte auch viel Flüssigkeit zu sich nehmen, wenn man Leinsamen als ganzes Korn oder geschrotet verwendet."

Julia Reimann

Salat-Rezept mit Leinsamen und Leinöl

Lein ist übrigens kein Getreide, sondern eine Ölfrucht. Daraus lässt sich hochwertiges Öl herstellen. In der Mühle von Julia Reimann werden die Samen kalt gepresst. Leinöl ist empfindlich und sollte innerhalb von vier bis sechs Wochen verbraucht werden. Mit den Leinsamen und Leinöl bereiten Julia Reimann und Fero Andersen einen Getreidesalat mit frischem Gemüse zu. Alle Zutaten ordentlich durchmischen und zum Schluss einen guten Schuss Leinöl dazugeben. Als Topping: Zwei Teelöffel der Samen.  

Quinoa gegen Braunhirse

Als nächstes im Superfood-Test: Quinoa aus Südamerika gegen die bayerische Braunhirse. Im Chiemgau ist Fero Andersen mit Biobauer Stefan Schmutz unterwegs zu seiner Getreidemühle.

"Braunhirse ist eine ganz alte Kulturpflanze, die schon vor langer Zeit angebaut worden ist. Sie hat sehr viel Kieselsäure und ist dadurch sehr gesund. Sie ist gut für Haare, Haut, Nägel und Knochen."

Stefan Schmutz, Biobauer

Neben dem hohen Anteil an Kieselsäure trumpft Braunhirse mit viel pflanzlichem Eiweiß auf. 500 Gramm kosten rund drei Euro. Die exotische Variante ist Quinoa. Die Körner gelten als eine der besten Eiweißquellen überhaupt. Die Braunhirse kann aber ganz gut mithalten. Außerdem hat Quinoa auch einen hohen Anteil an Kieselsäure. 500 Gramm kosten rund das Doppelte. Beide Sorten sind glutenfrei und damit gut geeignet für Menschen mit einer Glutenallergie.

Das Getreide der Braunhirse wird zu Mehl verarbeitet. Unser Körper kann dadurch die Inhaltsstoffe besser aufnehmen. Das Mehl kann man auch ins Müsli streuen oder in Joghurt rühren. Fero Andersen macht Pancakes daraus. Dazu gibt’s schwarze Johannisbeeren - und Heidelbeeren.

Heidelbeeren gegen Goji Beeren

Die nächste Runde beim Superfood-Check: Heidelbeeren gegen Goji Beeren.

Berühmt ist die Goji Beere für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt. Außerdem besitzt sie viele Antioxidantien. 100 Gramm kosten rund vier Euro. Heidelbeeren besitzen im Vergleich jedoch genauso viel Vitamin C und haben ebenfalls einen hohen Anteil an Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken. Die gleiche Menge kostet ungefähr die Hälfte.

Mitsamt den Beeren im Teig werden die Pancakes von beiden Seiten knusprig gebraten. Und zum Schluss, je nach Geschmack, ein bisschen mit Puderzucker bestreut. Fero Andersen schmeckt’s.

"Wenn ich das hier esse, frage ich mich erst recht, warum in die Ferne schweifen, wenn das gesunde Superfood doch direkt vor der Haustür ist!"

Fero Andersen


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