Bayern 1 - Blaue Couch

David Garrett Interview Stargeiger David Garrett auf der Blauen Couch

David Garrett war bei BAYERN 1 Moderator Thorsten Otto auf der Blauen Couch zu Gast. Der Stargeiger über seine Zeit ohne Violine und seine Vorliebe für Queen.

Stand: 08.01.2019

David Garrett über seinen Bandscheibenvorfall

"Ich habe Ende 2017 schon gemerkt, dass in meiner linken Hand etwas nicht stimmt. Da war ein Taubheitsgefühl im vierten und fünften Finger. Und das wurde über die Wochen immer schlechter, bis ich dann fast gar kein Gefühl mehr darin hatte. Da habe ich natürlich gesagt: ‚Moment, wir müssen mal gucken, was da los ist.' MRT. Und dann war es eine klare Diagnose - Bandscheibenvorfall, ganz klassisch. Und ganz klar: Pause und viel Physio. War aber auch von Anfang an klar, wenn du dich an die Sachen hältst, die wir dir auferlegen, dann wird das auch wieder 100 Prozent weggehen."

Die Zeit ohne seine Geige: David Garrett und Netflix

Der Stargeiger und Perfektionist, der auch schon mal zwei Stunden auf einer Flugzeugtoilette Violine geübt hat, musste wegen seines Bandscheibenvorfalls fünf Monate Zwangspause von seiner Geige machen:

"Da war natürlich am Anfang ganz viel Zeit da, in der ich gar nicht wusste – was fange ich da mit mir an. Es war schon so, dass ich mich in den ersten Wochen durch Netflix gearbeitet habe. Aber irgendwann mal ist das ja auch zu Ende oder es langweilt einen. Und dann musst du gucken, wie unterhalte ich mich, was kann ich Produktives machen. Dann kommen auch die richtigen Entscheidungen: 'Jetzt fahr mal zu deiner Familie, jetzt lade Freunde ein. Jetzt siehst du mal was von deinem Zuhause und verbringst da Zeit. Dann machst du es dir wirklich gemütlich und versuchst, die Situation, die anfangs nicht positiv aussah, positiv zu gestalten. (…) Auch, wenn das körperlich eine schwierige Zeit war, habe ich es für den Kopf und die Seele vielleicht auch gebraucht. Und auch sehr genossen."

David Garrett über seine Wiederentdeckung von New York

Seine Zwangspause hat David Garrett genutzt, um wieder einmal ganz normale Dinge zu tun und viele Orte neu kennenzulernen:

Stargeiger David Garrett hat in seiner Zwangspause seine Wahlheimat Mallorca neu entdeckt.

"Ich habe (in dieser Zeit, Anmerkung der Redaktion) viele Dinge das erste Mal in meinem Leben getan. Ich habe ja noch ein kleines Häuschen auf Mallorca, bin nie zum Strand runtergegangen oder auf ein Boot. Ich wohne auf einer Insel seit fünf Jahren und war noch nie am Strand. (…) Es fiel mir auf, dass ich bis auf die Straße vom Flughafen und den Weg zu meinem Haus, überhaupt nichts gesehen habe. Das ging mir übrigens auch in New York so und in Berlin: Ich hab New York natürlich während der Studienzeit kennengelernt, aber ich bin seit 14, 15 Jahren dort weder ins Museum gegangen noch zu Konzerten. Einfach, weil ich keine Zeit dazu hatte. Und in den letzten Monaten bin ich wieder in jedes Museum gegangen – Guggenheim, MoMA, American Museum of Natural History, Metropolitan.(…) Die Zeit hat mich sehr verändert, ich bin viel ruhiger innerlich und das nehme ich auch mit in den Alltag, der natürlich jetzt auch wieder eine gewisse Hektik hat."

David Garrett über Musik: Was der Geiger gerne hört

Zehn Jahre steht David Garrett bereits mit seinem Crossover aus Klassik und Pop auf der Bühne. Auf seinem neuen Best of-Album "Unlimited" findet sich auch "The Show Must Go On" von Queen. Und das hat seinen Grund:

"Ich bin ein Riesen-Queen-Fan, und das schon, seit ich 15, 16 Jahre alt bin. Das war die erste Band und das erste Album, das ich rauf- und runtergehört habe, das nicht klassisch war. Ist ja sehr symphonisch und orchestral, und das war die Brücke von der Klassik in die populäre Musik (…) Was ich so toll finde bei den Jungs, ist: Jedes Album hat vier Leute, die geile Musik schreiben, die aber völlig unterschiedlich sind in ihrer Musik. Dadurch bekommt ein Queen-Album so viele verschiedene Facetten. Man kann direkt hören – ist es ein Freddie-Mercury-Song, weil der immer mehr mit den Harmonien gearbeitet hat, oder ist der Song von Brian May. Ich fand Queen immer sehr progressiv."

David Garrett spricht über seine Einstellung zum Leben

Seine Offenheit hat sich David Garrett trotz einiger unschöner Geschichten in der Boulevardpresse bewahrt.

"Ich habe zum Glück nichts zu verbergen und kann daher mit allem gut offen umgehen (…) Das Leben ist dazu da, dass man dazulernt. Es gibt schöne Sachen, bei denen man etwas lernt und es gibt negative Sachen, bei denen man etwas lernt. Aber das Wichtige unter dem Strich ist: Man lernt aus allem etwas. Das bringt einen weiter und macht einen zum besseren Menschen. (...) Insofern gibt es nichts Negatives, nur eine negative Einstellung."