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Vergewaltigung in München Sind Studentenwohnheime sicher für Frauen?

Anfang Juni wurde im Studentenwohnheim Olympiadorf in München eine Studentin vergewaltigt. Auch andere Studentinnen fühlen sich nicht sicher in ihren Wohnheimen. Eine Bewohnerin will das jetzt ändern.

Von: Cosima Weiske

Stand: 13.07.2020 | Archiv

Grafische Darstellung einer offenen Tür. | Bild: BR

Das Olympische Dorf am Olympiapark ist eines der größten Studentenwohnheime Münchens. 1.800 Wohneinheiten gibt es hier. Am Rande des denkmalgeschützten Parks ragen riesige Hochhäuser, die für die Olympischen Spiele 1972 gebaut worden sind. Heute wohnen hier knapp 2.000 Studenten und Studentinnen. Das Schmuckstück der Anlage sind die kleinen Bungalows, die im Schatten der Hochhäuser stehen. Man geht hier durch bunt bemalte Gassen, dazwischen stehen gemütliche Sofas, ein paar Studenten spielen Ball und rufen sich Sachen in verschiedenen Sprachen zu. Eine Frau huscht mit einem Weinglas in der Hand und Handtuch im Haar zum benachbarten Bungalow.

Aber nicht alle fühlen sich hier wohl. Besonders nicht, nachdem hier Anfang Juni eine Frau in ihrer Wohnung vergewaltigt worden ist. Der Täter, ein Fremder, der nicht in der Anlage wohnt, hat die Studentin verfolgt und bei ihr geklingelt. Weil es an ihrer Tür keinen Spion und keine Sicherheitskette gibt, öffnet sie ihm. So konnte der Täter in die Wohnung eindringen. Als die Nachbarin die Polizei ruft, kann der Täter noch in der Wohnung gefasst werden.

“Wem sollte ich das überhaupt melden?”

Sandra Dragan, die ebenfalls in der Anlage wohnt, erzählt, dass ihr hier häufig fremde Männer nachstellen. Ein älterer Mann ist ihr besonders aufgefallen. Mehrfach läuft er ihr hinterher, zwingt sie, Umwege zu ihrem Bungalow zu nehmen. Viele Gedanken gehen ihr dann durch den Kopf: “Dieses Mal ist ja nichts passiert. Wem sollte ich das überhaupt melden? Würde es überhaupt etwas bringen? Es wird eh niemand was machen”. Doch schließlich entscheidet sie sich dafür, doch etwas zu tun und wendet sich an die lokale Facebookgruppe des Wohnheims. Auch andere Studentinnen in der Anlage beschweren sich, dass sie verfolgt werden, dass die Beleuchtung nicht gut ist, dass sie sich nicht sicher fühlen.

Schlecht beleuchtete Eingänge, kein Handynetz

Ich besuche Sandra in ihrem Bungalow. Wir reden über ihre Bachelorarbeit, die kurz vor der Abgabe steht. Trotzdem nimmt sie sich die Zeit, mir die Wohnanlage zu zeigen. Als wir ihren Bungalow verlassen ist es 22 Uhr. Zwischen den schmalen Gassen ist es dunkel geworden. An den Bungaloweingängen, die direkt zu den Gassen hinausführen, ist oben am Türstock jeweils eine kleine Glühbirne eingelassen. Sie gibt kaum Licht. Während der letzten Monate waren sie mehrere Wochen lang kaputt, erzählt Sandra. Da war es dann komplett dunkel.

Wir gehen zu den Apartments, in denen sich die Vergewaltigung ereignet hat. Die Tür, die zu den Eingangstüren führt, ist offen. Durch sie gelangt man in eine Tiefgarage, über die man zu den Wohnungseingängen kommt. Keine Spione, keine Sicherheitsketten. Seltsamerweise gibt es in den Türen ein Stockwerk darüber große Fenster. Die sind allerdings so groß, dass ich den Studentinnen ins Wohnzimmer schauen kann. “Das ist halt auch nicht wirklich schlau”, sagt Sandra.

Wir sehen noch andere Dinge, bei denen Sandra sich unwohl fühlt: Leute, die uns arglos in die Hochhäuser lassen, die eigentlich verschlossen sein sollten. In vielen Bungalows gibt es außerdem keinen Handyempfang. Im Notfall könnte man lediglich über Messenger-Apps telefonieren - allerdings nur, wenn das Internet geht. Und das falle häufig aus, äußern Studierende in zahlreiche Beschwerden in der Facebookgruppe des Wohnheims.

Das Olympische Dorf ist kein Einzelfall

Das Olympische Dorf wird häufig von Touristen besucht. Sie sehen sich die einzigartige Architektur der Anlage an. Führt das möglicherweise dazu, dass hier mehr Fremde unterwegs sind als anderswo? Aber auch im Münchner Studentenwohnheim Studentenstadt, der größten Wohnheimanlage Deutschlands, berichtet eine Studentin von nächtlichen Besuchern.

Laut Medienberichten dringen auch in anderen bayerischen Städten immer wieder Fremde in Studentenwohnheime ein. In Bamberg und Coburg gab es Fälle von Exhibitionisten. In Augsburg wurde ein per Haftbefehl gesuchter Mann mit einem Schlagring im Keller eines Wohnheims gefasst. Ich habe mit Studentinnen aus Regensburg und Würzburg gesprochen. In Regensburg sagt mir eine Studentin, dass sie in der Anlage von Fremden angepöbelt wurde und sich so unsicher fühlt, dass sie mit Pfefferspray neben dem Bett schläft. Die Würzburgerin mit der ich spreche, fühlt sich eigentlich wohl in ihrer Anlage. Allerdings auch hier: Keine Türspione, keine Sicherheitsketten.

An wen sollen die Studentinnen sich wenden?

Die Sicherheits-Probleme sind, wie im Olympische Dorf, nicht nur der Architektur geschuldet. Auch mangelnde Ansprechpartner*innen sind ein Problem, beklagt Bewohnerin Sandra. Das Olympische Dorf wird vom Studentenwerk München verwaltet - eigentlich wäre das die Adresse für solche Probleme. Sandra hat sich mit einer Mail an das Studentenwerk gewandt. Sie will wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit zu verbessern. Als sie keine Antwort bekommt, kontaktiert sie die Frauenbeauftragte des Studentenwerks und sammelt Verbesserungsvorschläge von anderen Studentinnen, denen es geht wie Sandra. Auch die Studentin, die vergewaltigt wurde und ihre Nachbarin, die die Polizei gerufen hat, nehmen mit ihr Kontakt auf. Sandra sammelt Unterschriften für ihre Forderungen nach einem Sicherheitskonzept. Erst durch diesen Druck reagiert das Studentenwerk und möchte mit den Student*innen in Dialog treten.

Das sagt das Studentenwerk

Auf Nachfrage, ob es denn vonseiten des Studentenwerks schon geplante Maßnahmen gibt, erhalte ich von der Pressestelle nur eine schwammige Antwort:  “Das Thema Sicherheit von Studierenden in den Wohnanlagen ist uns sehr wichtig. Daher ist es uns ein großes Anliegen, die Belange der Studierenden hierzu zu erfahren und Lösungen zu entwickeln.”

Solche Worthülsen bringen den Frauen in der Anlage erst einmal nichts. Allerdings scheint nun endlich etwas Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Und vielleicht könnte hier ein Modellprojekt in Sachen Sicherheit gestartet werden, damit sich auch Studierende in anderen Städten sicherer in ihren Wohnheimen fühlen.

Hier findet ihr Hilfe

Wenn ihr euch verfolgt fühlt, könnt ihr unter 030 12074182 das Heimwegtelefon anrufen.

Hier findet ihr den Kontakt zu eurem lokalen Frauennotruf.

Vernetzt euch mit euren NachbarInnen im Wohnheim, holt euch, wenn möglich die Nummern von Hausmeistern und Wohnheimstutoren.