Jetzt I Think You're Great Alex the Astronaut

Info Über ein Stipendium als Fußballerin kam die Australierin Alexandra Lynn nach New York, studierte dort Physik und Mathe und schrieb nebenbei ihre ersten Songs. Mittlerweile ist bespielt sie als Alex the Astronaut die ganze Welt.

Knastkonzerte Diese Musikerin spielt ehrenamtlich in Gefängnissen

Die Singer-Songwriterin Diana Ezerex gibt Konzerte im Gefängnis, sie nennt das „Prison Concerts“. Wir haben die 25-jährige interviewt und mit ihr über ihre schönsten und unheimlichsten Momente bei Auftritten in JVAs gesprochen.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 06.03.2020 | Archiv

Bild von Musikerin | Bild: Stephan Hentschel

Diana Ezerex ist eine Songwriterin, die nicht nur für Musik brennt, sondern auch für soziales Engagement. Deshalb spielt sie nicht nur normale Konzerte, sondern tritt auch in Gefängnissen auf. Sie findet: Auch die Menschen im Gefängnis haben ein Recht auf kulturelles Angebot und Live-Musik. Im Interview erzählt sie uns, warum sie mit den Knastkonzerten angefangen hat.

PULS: Du spielst regelmäßig „Gefängnis-Konzerte“. Was ist das schönste, das du auf so einem Konzert je erlebt hast?

Diana Ezerex: Eine sehr schöne Situation war in einem Frauengefängnis: Da wurden die Besucher getrennt, weil manche in Strafhaft und manche in Untersuchungshaft saßen. Da habe ich nochmal gemerkt, wie krass Emotionen betont werden durch Musik. Die Leute in Untersuchungshaft wussten nicht, wo es hingeht. Da hat die Musik so krasse Emotionen ausgelöst und der ganze Raum hat am Ende nur noch geheult, einschließlich mir.

Wie kam es zu der Entscheidung, Konzerte in Gefängnissen zu spielen?

Tatsächlich habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht, was es für eine Location ist. Wichtig war eher, dass es unerreichte Menschen sind. Und ich hatte Bock, Sachen zu machen, die sonst keiner macht. So kam es dann, dass ich gesagt habe: „Ich möchte in Gefängnisse gehen“. Und das mache ich jetzt seit zwei Jahren.

Wie häufig spielst du in Gefängnissen? Machst du richtige Touren so von Justizvollzugsanstalt zu Justizvollzugsanstalt?

Ja, es gibt schon Touren, wo ich versuche, das zu verbinden. Viel ist ja auf ehrenamtlicher Basis und da ist dann keine so große Gage drin, dass ich überall hinfahren kann. Ich spiele ungefähr einmal im Monat und war in den letzten zwei Jahren in 15 Gefängnissen: Jugendstrafanstalten und Justizvollzug für Männer und Frauen.

Und wie läuft so ein Konzert ab? Gibt es Unterschiede zu einem Konzert in einem Club?

Diana Ezerex in den Gängen einer JVA.

Das kommt darauf an, was für eine Einrichtung es gibt. In der Jugendstrafanstalt läuft es zum Beispiel wie bei einem Jugendclub-Konzert. Und die Sicherheitsvorkehrungen sind natürlich ganz andere als in sonstigen Gefängnissen. Ich muss die Konzerte davor anmelden und dann machen sie einen Backgroundcheck: ob ich zum Beispiel schon vorbestraft bin, weil dann dürfte ich nicht rein. Das Voraus ist meistens aufwendiger als bei einem normalen Konzert. Aber sonst: Ich komm rein, gebe meinen Ausweis ab, mein Handy und dann richte ich mich in einem Raum ein und bin gespannt, wer dann da so reinkommt. Und die Emotionen und die ganze Situation, das ist natürlich ein bisschen anders.

Und wie ist das Setting? Gibt es in Gefängnissen überhaupt Bühnen?

Das ist von Gefängnis zu Gefängnis unterschiedlich. Manchmal sind die Gefängnisse in alten Klostergeländen. Da ist es dann so, dass die Kirche reserviert wird. Oft gibt es auch einen Mehrzweckraum, wo der Sport stattfindet und auch manchmal Konzerte.

Wie reagieren die Insassen auf dich und deine Musik, wenn du anfängst zu spielen?

Meistens sind sie super offen, obwohl es vielleicht nicht die Musik ist, die sie im Alltag hören. Denn ganz egal, in welchem Gefängnis: Singer-Songwriter ist da jetzt nicht so die Mucke. Aber trotzdem sind die Insassen eigentlich jedes Mal offen, was mich immer wieder aufs Neue überrascht. Die gehen mit, fühlen das mit und klatschen mit. Natürlich gibt es aber auch die andere Seite, dass es super emotional wird. Zum Beispiel, dass dann Tränen fließen und ein Riesentyp, der anderthalb Meter Schulterbreite hat, mit Tränen in den Augen vor mir steht und sagt, dass er das nie vergessen wird. Da bin ich auch jedes Mal baff, was Musik auslösen kann.

Das hört sich alles sehr schön an. Hast du auch schon Negatives erlebt oder sogar Stress bekommen?

Es war tatsächlich immer sehr positiv. Nur einmal habe ich Post bekommen von jemandem aus dem Gefängnis. Ich habe auch zurückgeschrieben und so ging es eine Weile hin und her. Und dann war er wieder draußen, wollte sich treffen und ich hatte ein bisschen Sorge, weil ich seinen Brief unheimlich fand. Und das fand ich dann selber einfach auch paradox, weil ich eigentlich ja das Gegenteil vermitteln will. Aber ich würde mich ja mit einer wildfremden Person nach einem Konzert auch nicht treffen.

Wirst du bezahlt für die Auftritte?

Ich bekomme eine kleine Aufwandsentschädigung, außerdem die Fahrtkosten und manchmal bekomme ich auch Knastkost.

Wie findest du die generelle Situation zum kulturellen Angebot in Gefängnissen? Gibt es da genug oder müsste sich was verändern?

Da ist jedes Bundesland anders gestrickt und es hängt viel an den jeweiligen Freizeitbeamten der Gefängnisse. Ich denke schon, dass man es öfter machen sollte, auch um den Horizont der Insassen zu erweitern. Es ist eine tolle, gesellschaftliche Chance, die man nutzen kann. Die Insassen können ja nicht abhauen, da kann man viel prägen. Es wird so viel staatlich gefördert und wenn man da schon Leute sitzen hat, kann man das doch auch nutzen und die Menschen positiv prägen.

PULS am 10.03.2020 ab 15 Uhr.