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Max Uthoff Kabarett als Gegenöffentlichkeit

Spät aber doch fand der Münchner Politkabarettist zu seiner wahren Berufung. 2007 hängte er eine beginnende Anwaltskarriere an den Nagel, nicht aber Anzug und Schlips, eroberte alsbald – dekoriert mit den wichtigsten Preisen – die Kabarettbühnen dieser Republik und landete schließlich gar im Olymp der Fernseh-Satire.

Stand: 22.06.2015

Auftritt auf der Bühne | Bild: BR

Zusammen mit Claus von Wagner beerbte er Urban Priol und Frank-Markus Barwasser als Leiter der "Anstalt" im ZDF. Für Max Uthoff ist Kabarett ein Teil der Gegenöffentlichkeit. Dementsprechend investigativ geht er zu Werke – nicht nur in der Anstalt, sondern auch in seinem aktuellen Soloprogramm "Gegendarstellung", in dem er zur Attacke gegen die mediale Meinungsgleichheit bläst.

Das Satire-Gen in der Familie

"Ich habe zeit meines Lebens immer gedacht: Schön wäre es doch, der Himmel würde sich auftun und Gottes Zeigefinger bohrt sich auf mich und sagt: Du wirst Schreiner! Das ist aber nicht passiert."

Max Uthoff

Nein, Gott hatte etwas anderes vor mit Max Uthoff. Er schenkte ihm zwei linke Daumen, dafür aber einen starken Gerechtigkeitssinn, der ihn zu einem Jurastudium verführte – an dessen Ende er sich sicher war, dass er niemals als Anwalt arbeiten würde. Zum Glück schenkte Gott Max Uthoff auch einen Vater, der 1965 eine Kabarettbühne in München gegründet hatte: das berühmt-berüchtigte "Rationaltheater" – ein dezidiert linkes Kabarett, das in Schwabing drei Jahrzehnte lang für Wirbel sorgte und in 61 Strafverfahren verwickelt war. Dort stand Max Uthoff mit 11 an der Garderobe, mit 13 hinter der Theke und mit 17 im Ensemble auf der Bühne. Nebenbei weitete er "seine humoristische Ausbildung durch das Studium der Rechtswissenschaft aus", wie er in der für ihn typischen lakonischen Art erzählt.

"Ziel war es, die spröde Materie des Rechts satirisch zu unterwandern. Dies gelang im Jahre 2002. Das gesamte Rechtssystem der Republik ist seitdem durchgehend albern. Im Jurastudium lernt man vor allem, Urteile über Dinge zu fällen, von denen man kaum etwas versteht. Von da an ist es nur ein kleiner Schritt zum Kabarett."

Max Uthoff

Es geht die Legende, Max Uthoffs Vater Reiner sei für den Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit verantwortlich gewesen. Eine solche Vergangenheit ist fast eine Verpflichtung – und so versuchte Max Uthoff nach dem Jurastudium zunächst, das legendäre Rationaltheater wiederzubeleben. Als dies nicht auf Anhieb funktionierte, beschloss er, Solokabarettist zu werden.

Sie befinden sich hier!

Im Versuch, "das kapitalistische System mit den Mittel der Satire aus den Angeln zu heben", präsentierte Max Uthoff 2007 sein erstes Soloprogramm: In "Sie befinden sich hier!" unternahm er einen satirischen Ritt durch das Leben an sich und die Politik-Landschaft im Besonderen. Dabei erwies sich Max Uthoff als scharf analysierender Beobachter und bitterböser Kommentator so drängender Fragen wie: Ist es überhaupt nötig, sich zwischen identischen Produkten zu entscheiden? Sterben Raucher glücklicher? Und was wird aus der FDP?

"Das erste Programm war ein Rundumschlag, der sich aus dem Moment speiste, als ich mal wieder in der Wahlkabine saß vor diesem Zettel und – wie beim schlechten Italiener, bei dem sich seit 30 Jahren die Speisekarte nicht geändert hat – dachte: Ich weiß gar nicht, von was mir am wenigsten schnell schlecht werden soll."

Max Uthoff

Seine satirische Standortbestimmung gelang so überzeugend, dass sie Max Uthoff umgehend die ersten Auszeichnungen einbrachte.

Erste Auszeichnungen

"Seine Drohung, vielleicht doch den Beruf des Rechtsanwaltes wieder aufzunehmen, scheint die Rechtsanwaltskammer alarmiert zu haben. Diese versucht seit dem, in Zusammenarbeit mit deutschen Kulturinstitutionen, Max Uthoff durch die Verleihung obskurer Kleinkunstpreise davon abzuhalten."

Max Uthoff

Das soll ihm erst einmal einer nachmachen: Innerhalb kürzester Zeit räumte Max Uthoff gleich zwei renommierte Kabarettauszeichnungen ab, den Förderpreis zum Deutschen Kabarettpreis (2011), den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Kabarett" (2012) und den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie "Senkrechtstarter" (2013).

"Seine glasklaren, geschliffenen Formulierungen weisen ihn als virtuosen Meister der präzisen Sprache aus. Schnell, trocken und pointiert reagiert er auf tagesaktuelle Ereignisse und weckt so die Vorfreude auf sein nächstes Programm."

Aus der Jury-Begründung zum Deutschen Kabarett-Preis 2011

Oben bleiben

In seinem zweiten Programm "Oben bleiben" mutet Max Uthoff seinem Publikum eine Menge zu: Mit lässiger Eleganz manövriert er durch ein weit verzweigtes Gedankenlabyrinth, hinterfragt Verhaltensmechanismen, die ansonsten nicht mehr in Frage gestellt werden, sinniert wortgewaltig über die "Angst als Herrschaftsinstrument der Mächtigen" und über die "Sehnsucht nach Wahrnehmung", die so viele unserer Handlungen antreibt. Auch die des Kabarettisten Max Uthoff.

"Es ist nicht verwunderlich, dass Sie da sind, denn der deutsche Zuschauer und der Kabarettist, das ist ja eine Liaison, die schon lange hält. Wir brauchen uns. Ich brauche Sie, weil mein Carport aus handgetriebenem Korallen-Ytong noch nicht abbezahlt ist, und Sie brauchen mich, weil meine systemkritische, regierungsfeindliche Meinung Ihre widerspiegelt.  Durch mich fühlen Sie sich in Ihrer kritischen Haltung wahrgenommen. Und das ist es, wonach wir uns alle sehnen: Wahrnehmung."

Max Uthoff in 'Oben bleiben'

„Oben bleiben“ ist eine ebenso virtuose wie bitterböse Analyse der herrschenden Verhältnisse und all jener Strategien, mit denen sich die Mächtigen an der Macht halten. Viele Künstler seiner Elterngeneration traten an, die Welt zu verändern. Diese kämpferische Vorstellung teile er nicht, sagt er. Das klingt bescheiden. Bei genauerer Betrachtung aber durchaus vernünftig.

"Subversiv kann Kabarett nur sein, wenn es gegen starke Oppositionen angeht oder gegen einen starken Unterdrückungsmechanismus, dann kann es gefährlich sein. Das ist bei uns nicht so. Ich finde es auch verdammt gut so. Ich möchte nicht Repressalien erleben, nur um die Klingen des Kabaretts noch schärfer wetzen zu können. Es ist trotzdem, genau wie „Panorama“ oder „Report“ oder dergleichen, Teil der Öffentlichkeit."

Max Uthoff

Die Anstalt

Im Februar 2014 enterte Max Uthoff gemeinsam mit Claus von Wagner das Satire-Flaggschiff des ZDF: Aus der Sendung "Neues aus der Anstalt" wurde "Die Anstalt", aus satirischer Unterhaltung wurde investigativer Ernst. Als Anstaltsleiter hat der gelernte Jurist schon eine Menge juristischen Staub aufgewirbelt und dem ZDF eine Unterlassungsklage eingebracht, weil er deutschen Journalisten unter anderem Verbindungen zu transatlantischen Lobby-Organisationen vorwarf. Seine Äußerungen zur Ukraine-Krise brachten ihm den Vorwurf eines „schablonenhaften Schwarz-Weiß-Denkens ohne intellektuelle Differenzierung“ (Frankfurter Rundschau) ein. Uthoff konterte, die Aufgabe des Kabarettisten sei es, "Missstände anzuprangern und sie satirisch zu überhöhen, manchmal bis zur Schmerzgrenze".

Gegendarstellung – Das wird man doch mal sagen dürfen …

Auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm mit dem bezeichnenden Titel "Gegendarstellung" (2014) bläst Max Uthoff zur Attacke gegen die Meinungsgleichheit in den deutschen Medien.Rhetorisch geschult (der Jurist lässt grüßen) und in geradezu atemberaubender Sprechgeschwindigkeit reiht Max Uthoff Einfall an Einfall, präsentiert seine eigene Sicht auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, mediale Entgleisungen und die Auswüchse des politischen Systems.

"Wo man singt, da lass' dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder. In diesem Sinne willkommen zu einem Abend ohne Musik!"

Max Uthoff in 'Gegendarstellung'

Max Uthoff will aufklären und Zweifel säen. Mit einem Megafon bewaffnet, verkündet er das Erfolgsrezept der herrschenden Klasse: "Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht!" Von journalistischem Eifer getrieben, hinterfragt Max Uthoff die täglich wiederholten Wahrheiten und informiert sein Publikum über die globalen Zusammenhänge des Waffenhandels und der wirtschaftlichen Deregulierung. Dass einem dabei manchmal auch das Lachen buchstäblich im Halse stecken bleibt, ist durchaus gewollt: "Das ist wahrscheinlich das Verdienst von Georg Schramm, der ja nicht nur die Empörung zurück ins Kabarett gebracht hat, sondern auch die Freiheit zu sagen: Ich mache jetzt mal fünf Minuten keine Pointe", so Max Uthoff in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Dass seine satirische Abrechnung dennoch höchst unterhaltsam ausfällt, liegt zum einen daran, dass Uthoff sich durchaus auch selbst auf den Arm nimmt ("Wenn ich eine bewusstseinserweiternde Erfahrung machen will, nehme ich zwei Stufen auf einmal!"), und andererseits daran, wie genüsslich er sich über das marode politische Personal quer durch die gesamte Parteienlandschaft hermacht ("Welche hopfenumrankte Freude könnten wir jeden Tag in den Nachrichten erleben, würden sich nicht immer wieder die schwächlichen Rhesusäffchen anderer Parteien dem natürlichen Führungsanspruch des Silberrückens aus Ingolstadt entgegenwerfen.").

Mit seinem aktuellen Programm "Gegendarstellung" ist Max Uthoff auf Tour – präsentiert von Bayern 2.

Homepage

Termine, Texte und weitere Infos auf der Homepage von Max Uthoff.


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