Bayern 2

Zündfunk Generator Foodamentalismus, oder: Essen als Pop-Phänomen

Sonntag, 23.07.2017
22:05 bis 23:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Foodamentalismus, oder: Essen als Pop-Phänomen
Von Birgit Frank
Diese Sendung zum Nachhören unter: www.bayern2.de/zuendfunk
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

In der Markthalle Neun in Berlin Kreuzberg gehen die Hipster einkaufen - aber nicht nur die. Vor der Metzgerei "Kumpel und Keule" stehen die Leute Schlange.
Hinter der Theke stehen tätowierte Menschen mit Käppi und belegen Burger. Hendrik Haase alias Wurstsack - unter diesem Namen twittert und bloggt er - hat die Metzgerei in der Markthalle Neun mitgegründet. Seine Mails unterschreibt er "mit kulinarischen Grüßen". In der Vitrine vor ihm liegt ein Schweinekopf - der ist ihm wichtig. Vom halben Schwein bis zur Wurst - hier kann jeder den Kumpels beim Metzgern zuschauen. Unters Messer kommt zum Beispiel das Schwäbisch-Hällische Landschwein: Diese Schweine stehen lange auf der Weide, fressen gerne Eicheln und wachsen langsam. Der Burger im "Kumpel und Keule" kostet acht Euro - mindestens.
"Essen hat viele andere Themen wie zum Beispiel die Mode abgelöst. Essen ist ein Thema, bei dem man sich im Moment eigentlich neu erfinden kann", sagt die Ernährungsforscherin Hanni Rützler. Wer heute beim Bier auf einer Party steht - das Bier ist natürlich von der Brauerei aus der Gegend - der unterhält sich gerne über das, was er gerade isst - oder eben aus Prinzip nicht isst. Smoothies und Superfood waren vorgestern. Heute probieren wir die Brote der Bäcker aus der Gegend durch - oder köcheln selbstgemachte Marmelade. Auch wenn nicht jeder ein Foodie ist….

Der Begriff Foodie beschreibt eine Person, für die der Konsum von als "gut", "authentisch" oder "hochwertig" eingeschätzten Speisen und Getränken eine hohe Bedeutung hat. Dabei ist dieser Konsum in den Status eines Hobbys erhoben.
- aus: Wikipedia.de

…auch, wenn nicht jeder gleich ein Foodie ist: Wir stopfen nicht mehr einfach so etwas in uns hinein. Wir fragen uns vielleicht: Auf was habe ich heute richtig Lust? Was tut mir gut? Wir machen uns also Gedanken über unseren Teller. Und über das, was das Essen mit uns macht:
Wir konsumieren keine Supermarktprodukte, sondern Lebens-mittel, mit Betonung auf LEBEN. Auf Marketing-Deutsch heißt das: Essen ist zum zentralen Thema der urbanen Alltagskultur geworden.
Was sagen die neuen Essen-Trends über uns? Wieso ist ausgerechnet Essen so wichtig geworden? Und wie beeinflusst das alles die Lebensmittelindustrie?
Der Zündfunk Generator isst in Berlin Kreuzberg Burger von einer gläsernen Hipster-Metzgerei, analysiert mit einer Bio-Genossenschaft aus den 1980er Jahren, ob wir alle einen Sprung in der Schüssel haben - und wir besprechen mit einer Foodtrend-Forscherin, was morgen auf den Tisch kommt.

Ein genauer Blick auf die Welt

Die Welt, in der wir leben, wird immer schnelllebiger und komplexer. Was in der einen Woche unsere Schlagzeilen bestimmt hat, ist in der nächsten schon wieder von den Titelblättern und damit auch von unserem Aufmerksamkeitsradar verschwunden.

Der ZÜNDFUNK Generator setzt dieser Entwicklung bewusst eine andere Stimme entgegen. Er nimmt sich Zeit, Themen, die ihm wichtig sind, genauer zu betrachten.

In Serien und monatlichen Schwerpunkten können einzelne Entwicklungen in einen größeren Zusammenhang eingeordnet und diskutiert werden. Dabei stellt der ZÜNDFUNK Generator Autoren, Künstler, Aktivisten und Philosophen vor und greift aktuelle gesellschaftliche Debatten auf, vertieft und beleuchtet sie aus verschiedenen Perspektiven. Es geht um Literatur und Gesellschaft, Pop und Politik, das Universum und dem ganzen Rest.