Bayern 2

Evangelische Perspektiven Transzendenz in Jazz und Gottesdienst

Gottesdienst mit Jazzmusik | Bild: St. Margaret/Thomas Geissberg

Donnerstag, 25.05.2017
08:30 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Universal Jam-Session
Transzendenz in Jazz und Gottesdienst
Von Friederike Weede
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Sie kreischt, flüstert, betet und klagt - die Trompete von Dizzy Gillespie. Nicht nur weil er seinen historischen Ursprung in Spiritual und Gospel hat, weist Jazz eine erstaunliche Nähe zur Religion auf. Und eine beseelte Jam-Session steht im Erleben von Heiligkeit einem Gottesdienst in nichts nach. Im Gegenteil: Was den Jazz im Innersten ausmacht - die spontane Improvisation, das Spiel, wie der Geist gerade weht, das dialogische Gegenüber von Call-and-Response, das an Psalmengesänge und Stundengebete denken lässt, der narrative Charakter des Jazz, all das rührt und läutert wie die beste Predigt. Neben altbekannten Worten, Klängen und Arrangements vertraut Jazz auch immer auf etwas Unverfügbares, Göttliches, das sich einstellt, "wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind". Dann schafft die Musik Momente der Transzendenz, der Entgrenzung, in denen Hörer und Musiker sich verbunden wissen mit etwas, das größer ist als sie selbst, und das in der Seele nachhallt, auch wenn der letzte Ton längst verklungen ist. Jazz ist - und gerade das macht für viele Menschen seine Schönheit aus - nie reines Frohlocken, sondern immer auch Klage, eine Musik, die von ihrem historischen Ursprung an aus Schmerz geboren ist auf den Baumwollfeldern des amerikanischen Südens. Inzwischen entdecken auch Kirchen in Bayern das religiöse Potential des Jazz und öffnen ihre Türen für Jazzgottesdienste und Bluesmessen.