2

Steinmeier stellt Buch vor Von einem gebrochenen Zeh und der Knotenlöserin

Wenn ein Außenminister kurz vor seinem Abschied aus dem Amt ein Buch vorstellt, dann erwartet man eine Art Bilanz. Aber wahrscheinlich wusste Steinmeier noch nicht, dass er demnächst Bundespräsident werden soll, als er zu schreiben anfing. Für eine echte Bilanz – oder gar eine Biografie – ist das Buch „Flugschreiber“ mit etwas mehr als 200 Seiten ohnehin zu schmal.

Von: Daniel Pokraka

Stand: 02.12.2016

Steinmeier bei Buchvorstellung  | Bild: dpa-Bildfunk/Maurizio Gambarini

Frank-Walter Steinmeier hat mal ein Pferd geschenkt bekommen, vom mongolischen Präsidenten. "Donnernde Hufe" hieß dieses Pferd, das leider in der Mongolei bleiben musste, weil es natürlich nicht ins Flugzeug passte. Einige Monate später hat "Donnernde Hufe" Steinmeier gerettet.

In Berlin, als er den Wirtschaftsminister vertreten und die Tourismusbörse eröffnen musste. Er selbst, erzählt Steinmeier, wisse wenig über Mongolei-Tourismus. "Und mein einziger Anker war dieses Pferd "Donnernde Hufe". Der mongolische Präsident saß in der ersten Reihe und ich habe dann vom Podium aus im Zwiegespräch den Gesundheitszustand des Pferdes mit ihm erörtert."

Erfahrungsbericht aus sieben Jahren als Chefdiplomat

So locker wie gestern Abend bei der Buchvorstellung im Berliner Gorki-Theater erlebt man den Außenminister selten, erst recht, wenn Kameras und Mikrofone laufen. Aber Frank-Walter Steinmeier hatte sich entschieden, kein Handbuch über Außenpolitik zu schreiben, auch keine Bilanz seiner Außenpolitik – sondern eher: Erfahrungsberichte aus sieben Jahren als deutscher Chefdiplomat zusammenzutragen, gespickt mit vielen bunten Geschichten.

Über den Hund von John Kerry, über eine gemeinsame Nacht im Schlafzimmer des Regierungsfliegers mit seinem luxemburgischen Kollegen Jean Asselborn, der sich im Dunkeln den Zeh brach, über diplomatische Aufzugformeln, die regeln, wer bei einer Auslandsreise mit wem in den Fahrstuhl steigt.

Steinmeier erzählt persönlich, aber – wie Claudia Roth, die das Buch vorstellt, zu Recht sagt – er gewährt keinen Einblick in seine Seele. Politik und Diplomatie werden von Menschen gemacht – diese Botschaft liest Roth aus Steinmeiers Buch heraus. Dazu passt folgende Geschichte, die Roth offenbar besonders gut gefiel: Steinmeier und seine Leute hatten Vertreter verfeindeter libyscher Gruppen zu Gesprächen nach Berlin eingeladen. Jede Gruppe wollte am liebsten unter sich bleiben – weswegen das Auswärtige Amt eine Abendveranstaltung auf einem Spreedampfer organisierte, womit dafür gesorgt war, dass die verschiedenen Gruppen auf einigermaßen engem Raum beieinander saßen und sich nicht aus dem Weg gehen konnten.

Lawrow - ein schwieriger Partner

Steinmeier schreibt in seinem Buch viel über die Begegnungen mit seinen internationalen Kollegen, mit denen er jahrelang zu tun hatte. John Kerry, den US-Außenminister, bezeichnet Steinmeier inzwischen als Freund. Sergej Lawrow dagegen, der scheinbar ewige russische Außenminister, war und ist für Steinmeier ein schwieriger Partner. "Ich habe mich oft genug geärgert über seine in der Tat schroffe und manchmal ärgerliche Verhandlungsführung." Andererseits habe er beim Thema Iran letztlich erfolgreich mit Lawrow gearbeitet.

"Außenpolitik heißt Knoten lösen"

Das Atomabkommen mit dem Iran darf als einer der größten Erfolge gelten, an denen Steinmeier beteiligt war. Abgesehen davon wird sein Nachfolger, wenn Steinmeier demnächst Bundespräsident wird, mit vielen ungelösten Konflikten zu tun bekommen; die Auflistung ist mit Syrien, der Ukraine und dem Jemen keineswegs vollständig.

Nun ist Steinmeiers Buch, wie er zu Recht sagt, keine Bilanz seiner Außenpolitik; es ist sicher auch nicht als Vermächtnis gedacht. Aber folgende Geschichte hat ein bisschen was davon. Sie handelt von einem Kirchenbild, der Maria Knotenlöserin. Es befindet sich in der Augsburger Wallfahrtskirche St. Peter am Perlach. Steinmeier beschreibt: "Auf dem Bild sieht man Maria, wie sie mit stoischer Miene ein Band voller Knoten aufdröselt. Und so ist Außenpolitik!"


2

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: