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Mobbing im Internet Grundschule in Immenstadt bekämpft Hass im Netz

Das meiste, was in sozialen Medien unter den Schülern an Cybermobbing abläuft, wird nicht öffentlich. Um die Opfer zu schützen und Mobbing im Netz vorzubeugen, gibt es knapp 100 sogenannte "MIPs" in Bayern: "Medienpädagogisch Informationstechnische Berater".

Von: Viktoria Wagensommer

Stand: 27.06.2016

Prävention Cybermobbing | Bild: BR

MIPs sind speziell geschulte Lehrer, die unter anderem Seminare gegen Cybermobbing geben, so wie am Donnerstag in der Mittelschule Oberstaufen. Zu Beginn des Anti-Cybermobbing-Seminars sollten die Schüler aus der sechsten Klasse Fragen beantworten.

Lehrerin Doris Sippel teilte Fragebögen aus, auf denen zum Beispiel nach dem Spitznamen, dem Beziehungsstatus oder nach der Adresse gefragt wurde. Als die Fragebögen eingesammelt sind, gibt es für die Schüler eine kleine, geplante Schrecksekunde:

"Ich hab vor, das nachher unten aufzuhängen an der Aula, weil das jeder wissen will, wenn er hier reinkommt."

Doris Sippel, Medienpädagogisch Informationstechnische Beraterin

Daraufhin protestieren die Schülerinnen und Schüler. Doris Sippel rät ihnen, auch im Internet geizig mit persönlichen Daten zu sein, denn viele Daten anzugeben, das mache angreifbar. Die 12-jährige Mirjam hat zum Beispiel wohl mal an der falschen Stelle ihre Handynummer angegeben:

"Dann hat man mir und meiner Schwester einen Kettenbrief geschickt mit Drohungen. Dann konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen."

Mirjam, Schülerin

Die meisten Schüler wissen zwar schon, dass solche Kettenbriefe nur zur Panikmache da sind und dass nichts dran ist – trotzdem bekommen viele von ihnen Angst, wenn sie selbst betroffen sind. Zum Thema Beleidigungen im Internet erzählt Timon:

"Es gibt Apps, da kannst Du das Foto verändern und das könnte für andere peinlich werden."

Timo, Schüler

Den Kopf eines Mitschülers in ein anderes peinliches Bild einfügen, gemeine Bildunterschriften dazuschreiben oder jemanden über soziale Medien beleidigen – wem so etwas passiert, der sollte sich zum Beispiel den Eltern, den Lehrern oder den Schulsozialarbeitern anvertrauen. Dann kann es gemeinsame Lösungen geben, sagt Doris Sippel.

Kaum strafrechtliche Konsequenzen

Zu strafrechtlichen Folgen kommt es laut Doris Sippel nur in Einzelfällen. Ihrer Erfahrung nach nutzen Kinder und Jugendliche auf dem Land weniger Medien als in der Stadt. Trotzdem kann es auch dort, wie im Oberallgäu, extreme Fälle von Cybermobbing geben:

"So vor etwa einem Jahr gab es viele Sex-Angriffe - zum Teil als Mutproben, zum Teil als Erpressungsversuche, dass Mädels angehalten wurden, Fotos von sich zu machen und zu verschicken. Die wurden dann geteilt. Das Schamgefühl der Mädchen aus dem Affekt so etwas getan zu haben ist sehr schwierig für sie. Meistens braucht man da einen Klassen- oder Schulwechsel, um aus diesem Umfeld wieder rauszukommen."

Doris Sippel, Medienpädagogisch Informationstechnische Beraterin

Innerhalb von zehn Jahren hat Doris Sippel zweimal einen Schulwechsel mitbegleiten müssen. Damit es soweit und auch zu anderem Cybermobbing gar nicht erst kommt, ruft Sippel die Schüler zum Mithelfen auf:

"Wenn einer merkt, die anderen machen nicht mit und finden es nicht toll, dass er jemanden beleidigt, dann hört er von ganz alleine wieder auf. Es liegt also an Euch, ob Ihr Euch zusammentut und zu dem hingeht und mit ihm sprecht. So könnt Ihr helfen, dass so etwas ganz schnell wieder aufhören kann."

Doris Sippel, Medienpädagogisch Informationstechnische Beraterin


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