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Erdogan-Kritiker Arik aus Parsberg Box-Champion verzichtet auf Türkeireise

Boxweltmeister und Erdogan-Kritiker Ünsal Arik aus Parsberg in der Oberpfalz hat seine Türkei-Reise abgesagt. Den Kampf gegen den türkischen Staatspräsidenten Erdogan hätte Arik nur verlieren können, sagte Ariks Nürnberger Manager Frank Leistner zur Begründung zum Bayerischen Rundfunk.

Von: Ruth Stellmann

Stand: 23.09.2016

Boxer Ünsal Arik  | Bild: BR/Bastian Girg

Gegen Ünsal Arik liegt in der Türkei ein Haftbefehl vor wegen Beleidigung des Staatspräsidenten. In mehreren Interviews hatte Arik kritisiert, dass die Türkei sich von der Demokratie verabschiedet habe. Staatspräsident Erdogan bezeichnete Arik als "Hitler 2.0". Am Sonntag hätte er sich in der Türkei bei den Behörden melden sollen.

Manager Leistner betonte auf Nachfrage, dass sich an der Haltung und der Kritik Ariks an Erdogan trotz der Absage seiner Türkei-Reise nichts geändert habe.

"Wenn die Türkei zu einem demokratischen Konsens zurückkehrt, wird sich Ünsal stellen."

Frank Leistner

In der heutigen Situation aber wäre dies fahrlässig gewesen. Auch seine Familie sei erleichtert, sagte der Manager. Die Entscheidung sei dem Boxer nicht leicht gefallen, da er eigentlich zu seinem Wort stehen wollte, so Leistner.

Die Sicherheitslage in der Türkei und das rigorose Vorgehen auch gegen die türkischen Medien habe Arik zum Umdenken bewogen. Leistner betonte, er freue sich, dass Ünsal Arik jetzt die Stiftung "Kinderherz" weiter aktiv unterstützen könne. Um Weihnachten herum seien wieder Besuche in Krankhäusern geplant.

Auch seinen sportlichen Herausforderungen als Boxer könne sich Arik jetzt wieder stellen.

Zweifacher Weltmeister

Ünsal Arik, 35, stammt aus Parsberg. Arik ist amtierende Weltmeister in der Gewichtsklasse Superweltergewicht der beiden Boxverbände WBU und GBU. Nach seinem erfolgreichen WM-Kampf am 30. Juli in Hamburg hatte er ein TV-Interview genutzt, um scharfe Kritik an Erdogan zu üben. Unter anderem warf er dem türkischen Staatspräsidenten dabei vor, er mache "Polit-Diktatur".


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B.Blatt, Freitag, 23.September, 15:58 Uhr

2. Arik

hätte angesichts der derzeitigen Situation keinerlei Chancen gegen das System Erdogan gehabt, eben so wenig wie Erdogan ihm gegenüber, wenn er sich zu einem
Boxkampf stellen würde. (...)

Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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MacMac, Freitag, 23.September, 15:57 Uhr

1. Vernünftig

...Gottseidank äh Allahseidank: die Vernunft hat die Oberhand gewonnen - der Boxer Ünsal Arik wäre schon am Flughafen "kassiert" und in ein Gefängnis zu den übrigen tausenden Verschwundenen gesteckt worden... Erdogan und seine Helfeshelfer haben wohl die Lehrbücher von Gestapo und Stasi gut gelernt... Nur schade, daß die Deutsch-Türken trotz der hiesigen Informationsmöglichkeiten einer freien Presse nichts aus der Vergangenheit ihrer deutschen Heimat lernen...
in ihrer türkischen Heimat herrscht doch Einschüchterung und Bespitzelung hoch drei....Arik kann von hier aus mehr für die Gegnerschaft des derzeitigen Erdogan-Regims unternehmen, als wenn er in einem unbekannten Gefängnis verschwindet....