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"Scheren-Attacke" von München Salafisten solidarisieren sich mit psychisch Krankem

Die Tat des Münchner Scheren-Mannes war vielleicht nicht religiös motiviert. Allerdings gibt es klare Bezüge zur salafistischen Szene. Das belegt ein Video, das dem BR vorliegt. Auf Facebook solidarisieren sich Salafisten mit dem Mann.

Von: Oliver Bendixen und Joseph Röhmel

Stand: 23.05.2016 | Archiv

Scheren-Mann am Lies-Stand | Bild: Youtube

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins hat dem Bayerischen Rundfunk bestätigt, dass das Video den Scheren-Mann (links im Bild) als Koranverteiler der umstrittenen Aktion "Lies!" in München zeigt. Er steht am gleichen Stand wie Abou Nagie, dem Gründer der Aktion, der regelmäßig Koranverteilstände in ganz Deutschland besucht. Sicherheitskreise stufen "Lies!" als extremistisch ein. Immer wieder landen ehemalige Koranverteiler als Kämpfer einer Terrormiliz in Syrien. Das Video mit dem Scheren-Mann ist wohl im Februar entstanden.

Der in Deutschland geborene Italiener war bereits seit einem knappen halben Jahr Teil der in München aktiven Salafisten. In dem Video berichtet der 26-Jährige, wie er konvertiert sei.

"Ich habe nicht viel überlegen müssen, aber ich war halt noch kein Muslim, weil ich das Glaubensbekenntnis noch nicht gesprochen habe. Und dann in einem Krankenhaus habe ich das Glaubensbekenntnis gesprochen – und dann habe ich den Islam damals angenommen."

Der Scheren-Mann

"Aber es muss dir noch jemand vom Islam erzählt haben", fragt der Kameramann. "Nein, nicht wirklich", antwortet der 26-jährige Italiener. Der Islam sei ihm halt immer sympathisch gewesen.

In psychiatrischer Behandlung

Koranverteiler in München

Der 26-Jährige hatte am Donnerstag im Stadtteil Ludwigsvorstadt nahe der Agentur für Arbeit erst mehrere Passanten und dann zwei Polizisten mit einer Schere angegriffen. Außerdem stach er auf das Dach eines Polizeifahrzeugs ein.

Derweil soldarisieren sich Salafisten mit dem 26-Jährigen im Internet. Sie fordern Gleichgesinnte dazu auf, für den Bruder zu beten. "Bei Allah, dieser Bruder ist in München bekannt für seinen edlen Charakter", schreibt einer, der den Mann im Krankenhaus besuchen wollte.

Leicht formbar und manipulierbar

Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise, dass die Tat religiös motiviert war. Es gibt aber genug Hinweise, dass sich der 26-jährige Lackierer in psychiatrischer Behandlung befand und sich seine Erkrankung in letzter Zeit verschlimmert hat.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen daher davon aus, dass die Angriffe des 26-Jährigen auf die psychische Erkrankung des Mannes und nicht auf ideologische Motive zurückzuführen sind. Aus diesem Grund will die Staatsanwaltschaft nun auch die Unterbringung des 26-Jährigen in einer psychatrischen Klinik erreichen und nicht seine Inhaftierung in einer Haftanstalt.

Gerade psychisch labile Menschen sind für die Salafisten-Szene interessant, weil sie formbar und leicht manipulierbar sind. Ein Beispiel ist Yannik Pipiorka aus Freiburg. Der Fachblog Erasmus Monitor hatte ausführlich über den geistig behinderten und obdachlosen Mann berichtet, der in der Freiburger Innenstadt von Salafisten angesprochen und in die Szene hineingezogen wurde. Schließlich radikalisierte er sich, ging nach Syrien und starb dort als sogenannter Märtyrer für die Terrormiliz IS.

Ein anderes Beispiel ist Samir A. aus München-Neuperlach, der vergangene Woche verurteilt wurde, weil er sich offenbar in Syrien einer Al-Kaida-nahe Gruppe anschließen wollte. Auch er hatte psychische Probleme.

Vorgeschichte

Der 26-jährige Italiener hatte am Donnerstag mit seiner Scheren-Attacke für großes Aufsehen gesorgt. Der Aufforderung, die Waffe fallen zu lassen, folgte er nicht. Daraufhin gaben die Beamten mehrere Warnschüsse ab. Doch er griff weiter an.

Um ihn zu stoppen, schoss die Polzei schließlich auf den 26-Jährigen - zwei Kugeln trafen ihn in Bein und Oberkörper. Er musste ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert werden. Er schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Gegen ihn wird wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung, der gemeinschädlichen Sachbeschädigung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

  • Oliver Bendixen | Bild: Bayerischer Rundfunk Oliver Bendixen

    Polizeiexperte des Bayerischen Rundfunks, Spezialthemen: Innere Sicherheit, Terrorismus, Extremismus,

  • Hände schreiben auf einer Tastatur | Bild: colourbox.com Joseph Röhmel

    Joseph Röhmel ist Reporter und Autor in den Redaktionen BR24 und Bayern. Schwerpunkt: Radikale Interpretationen des Islam in Bayern.


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Mut, Dienstag, 24.Mai, 09:47 Uhr

6. falsche Signale

Ich erinnere mich noch an die Zeiten der RAF. Damals hatten die Politiker gehandelt..Schließlich waren sie selber gefährdet.
Aber ich wundere mich auch, wenn ich lese, dass es so und soviele Hassprediger bei uns gibt und man kennt sogar noch ihre Namen und man läßt sie einfach gewähren.
Was für Signale sendet unser Staat aus.

nadine, Montag, 23.Mai, 23:28 Uhr

5. Seltsame Form der Berichterstattung

Wenn ein Rechtsradikaler auf offener Strasse einen Dunkelhäutigen mit einer Schere auf attakieren würde, würden sie dann ebenfalls das Hauptaugenmerk auf den psychische Gesundheitszustand oder stattdessen auf dessen politische und fanatische Gesinnung richten?

Oliver S., Montag, 23.Mai, 21:56 Uhr

4. Was mich wundert ...

... ist, warum Salafisten nachwievor in Fußgängerzonen und im Internet für ihre Gesinnung werben dürfen, obwohl wir die radikalen Konsequenzen kennen. Unsere "Freiheit" ist es, die das ermöglicht und Maßnahmen dagegen - z.B. Sperre entsprechender Seiten im Internet und das Verbot öffentlichen Auftretens - verhindert. Wir sollten aufpassen, dass unsere Vorstellungen von "Freiheit" uns nicht eines Tages die Freiheit nehmen. Ich fürchte, dass die Freiheit wird lernen müssen, Härte zu zeigen - zur Bewahrung der Freiheit. Die Freiheit bedarf dringend eines Updates, denn was in deren hart erkämpften Anfängen nicht berücksichtigt wurde ist, dass es eines Tages eine Gesinnung geben würde, welche die Freiheit zu deren Nachteil verwenden würde.

Und unser kalter Kapitalismus, dem es nur um Wachstum um jeden Preis geht, ist zudem bester Nährboden für diese Art der Gesinnung. Salafisten scheinen sich um Schwache zu kümmern. Nun, davon gibt es am Rande unserer Gesellschaft ausreichend ...

  • Antwort von G.W., Dienstag, 24.Mai, 06:35 Uhr

    @ Oliver

    Stimme zu. Heute Morgen las ich einen interessanten Artikel in der Basler Zeitung, wie sich die Ialiener in Sizilien fühlen. Sie würden durch die EU zu Rassisten gemacht. Da ging es aber um Flüchtlinge aus überwiegend Afrika.Das ist alles nicht leicht für uns alle- auch Gemütsmäßig nicht. Schlimm finde ich dieses
    Gefasel der Poltiik, als seinen alle Bürger aller Länder blöde oder was. Dieses Herumgerede und nichts kommt, keine Erklärungen, keine Zahlen, keine Erfolge-

    Die Italiener beklagen zu Recht, das sie viel weniger bekommen als die Flüchtlinge. Ich mag die Schweizer Zeitungen auch gerne, weil sie Artikel aktualisiert, statt immer wieder fürs gleiche Thema eine andere Überschrift zu nehmen.

    Die Schwachen im eigenen Land werden von vielen gar nicht gesehen, das drückt die Stimmung im Volk zusätzlich und die Politiker sind Egomanen.

G.W., Montag, 23.Mai, 19:32 Uhr

3. Salafisten -alle krank?

Die Frage ist doch, wie krank ist der Salafismus oder andere Zweige des Islams? Da bomben sich auf der Welt gegenseitig Muslime in die Luft, aus irgendwelchen Glaubensgründen oder sonst was. Das ist krank-!

Bei keiner Religion ist mir das bekannt ( sieht man von Irland, den Kreuzzügen etc.ab) das sich ein Christ,Jude,Buddhist oder Hindu in die Luft jagt und noch 100 Leute oder mehr mitnimmt. Wir haben in Deutschland so viele Beamte- u.Verwaltungsspezialisten, da wird doch wohl mal eine strengere Handhabung möglich sein,diese Leute zu stoppen. Es ist ja mit ein Grund- warum eben Muslime generell so verdächtigt werden,es wird uns ja täglich gezeigt und regelrecht ins HIrn gemeißelt. "Achtung Terror, Achtung Islamist" Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von G.W., Montag, 23.Mai, 20:10 Uhr

    Nochmal neu:
    Wir rufen hier als Deutsche auf Demonstrationen unsere Anliegen und auch auf Schildern steht bei NPD Aufmärschen "Nazis raus" und ähnliches.
    Und bei solchen Hasspredigern oder "Salafisten" dürfen wir das nicht sagen?

    Das war kein Grund zum streichen-allenfalls vom Satzaufbau. Wo ist der Unterschied zwischen 2 verschiedenen Fanatikern? Erklärs mir einer.

  • Antwort von Claus, Montag, 23.Mai, 21:20 Uhr

    Auch mir ist oft schleierhaft, warum Sachen (Tatsachen) gestrichen oder garnicht erst gebracht werden. Aber gerade das zeigt die parteilichen Zugehörigkeiten der Redaktion, was natürlich OK ist.. Dann sollte man aber auch Fairness walten lassen und a l l e Meinungen bringen, solange es nicht beleidigt. ( und viel Gestrichenes tut das auch nicht - Trotzdem)

  • Antwort von Claus, Montag, 23.Mai, 21:23 Uhr

    Nicht nur Sie wundern sich über Streichungen, die Fakten sind und keineswegs beleidigen. Hier wäre seitens des BR mehr fairness angebracht und vielleicht auch manchmal Mut, anstatt "Bewiesenes" zu ignorieren, oder unter den Teppich zu kehren.

  • Antwort von G.W., Dienstag, 24.Mai, 06:21 Uhr

    @ Claus
    ich hatte die Bermerkung über Salafisten und Nazis anders geschrieben. Es geht uns ja gleich. Man liest vieles, was derjenige ja unter einer gewissen Emotion geschrieben hat, oder Ironie oder sonst was, wir können es nicht "so" lesen. Man darf aber z.B.nicht schreiben. " ..der oder die..kann ich nicht leiden...das sind ja manchmal Artikel drin, das etwas angesprochen wird und man reagiert so, wie man das im Leben so macht - untereinander -wenn man sich unterhält.
    Schade finde ich- das es hier kein Forum ist, wo sich durchaus besser unterhalten werden könnte und man auch eine PN verschicken könnte. Die 1000 Zeichen sind viel zu wenig, da muss man schon 3 mal lesen, ob man nicht noch ein kürzeres Wort findet und ich finde oft die Artikel nicht mehr so schnell wieder.

    Es lag also an mir. Aber manchmal sehe ich durchaus, das viel gestrichen wird. Meine Oma hat immer gesagt: "Wer weiß wozu es gut ist"
    In diesem Sinne- noch eine gute Woche

Evergreen, Montag, 23.Mai, 18:24 Uhr

2. Junge Maenner, Drogen, Islam, Terrorismus

Immer wieder das selbe Schema. Junge Maenner die zum Islam konvertieren, Drogen zu sich nehmen und dann Amoklaufen.
Diese drei Dinge scheinen eine ausserordentlich gefaehrliche Mischung zu sein. Die Attentaeter von Paris hatten sich sogar absichtlich vor der Tat Drogen injektziert.
Heute schickt man diese Menschen zur Behandlung in die Psychiatrie, frueher haette man gesagt die sind Besessen.
Ich habe vor ein paar Jahren eine Krankenschwester (Ausland) getroffen die in der Psychiatrie arbeitet.
Sie hat mir erzaehlt dass immer mehr Patienten mit Psychosen eingeliefert werden, die nur Cannabis konsummierten.
Leider weiss man nicht vorher wer die Tendenz hat eine Psychose zu entwickeln, wenn er Drogen nimmt.