NSU-Prozess


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182. Verhandlungstag, 04.02.2015 Dem Tag ist der Stoff ausgegangen

Die Anklageschrift im NSU-Prozess liest sich teilweise wie ein Drehbuch. Spannend ist es deswegen aber noch lange nicht immer vor Gericht.

Von: Julian von Löwis

Stand: 04.02.2015 | Archiv

04 Februar

Mittwoch, 04. Februar 2015

Es gibt Tage, da läuft es im Münchner Oberlandesgericht sehr zäh beziehungsweise es ergeben sich für Prozessbeobachter kaum erkennbar wichtige Fortschritte. So ein Tag war heute. Da kommt der interessanteste Zeuge unentschuldigt nicht - Alexander H., ein damaliger Bekannter von Uwe Böhnhardt. Er hätte den ganzen Nachmittag befragt werden sollen. Die beiden anderen, eine Ärztin und ein pensionierter Kriminalbeamter, sind rasch durch, obwohl der Ex-LKA-Mitarbeiter zwei lange Unterbrechungen braucht.

In den vergangenen zwei Wochen sagten im NSU-Prozess Menschen aus, die nur durch größtes Glück den verheerenden Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004 überlebt hatten. Ihre Aussagen waren ein emotionaler Höhepunkt in diesem Verfahren.

Doch vor Gericht geht es nicht immer so packend zu. Den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl interessiert das herzlich wenig. Er ist in Sachen Geduld, Ausdauer und Konzentrationsvermögen ein Fels in der Brandung. Er bleibt immer genau, möchte von den Zeugen detailliert alles wissen, von dem er glaubt, dass es das Verfahren voran bringt.

Es zählt die Vollständigkeit

Der Senat ist an das sogenannte Beschleunigungsgebot gebunden, da sich Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben in Untersuchungshaft befinden. Das heißt: Es darf keine Zeit etwa mit irrelevanten Zeugen verschwendet werden.

Doch in diesem Indizienverfahren wird es am Ende um das große Ganze gehen. Und genau das praktiziert der Vorsitzende Richter. Stück für Stück versucht Götzl die Morde, die Anschläge und das Leben des NSU-Trios im Untergrund zusammen zu bauen. Es darf nichts vergessen oder unvollständig behandelt werden, denn das könnte der Grund für eine Revision sein. Dies will sich der erfahrene Richter aber auf keinen Fall leisten.

Und eben deswegen sind auch Tage wie der heutige wichtig. Denn das Ziel ist es am Ende, ein Urteil fällen zu können, das über jeden Zweifel erhaben ist.


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