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Lug und Trug im Netz Die Geschichte einer Fake-News

Im (sozialen) Netz wird gelogen und betrogen, dass sich die Balken biegen. Manchmal clever und manchmal strunzdumm, leider macht das im Ergebnis sehr häufig keinen echten Unterschied. Aktuell kursiert bei Facebook ein Fake, der derart schlecht gemacht ist, dass er sich eigentlich selbst enttarnt.

Von: Christian Jakubetz

Stand: 06.12.2016 | Archiv

Hände schreiben auf einer Tastatur | Bild: colourbox.com

Erst einmal die nackte Zahl: Soziale Netzwerke besuchen ist das, was die Deutschen im Netz am liebsten machen. Mehr als die Hälfte gibt das als ihre Hauptbeschäftigung an. Was nicht weiter verwunderlich ist, weil die exorbitanten Zahlen von Facebook und all den anderen ja irgendwo auch herkommen müssen.

Infografik: Das machen die Deutschen im Netz | Statista
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Nicht mehr lustig

Wenn man sich ein bisschen mit Medien beschäftigt, dann weiß man auch, dass soziale Netzwerke schon lange nicht mehr nur diese lustigen Dinger sind, bei denen man Katzenvideos und Urlaubsbilder postet und sich ansonsten vergewissert, ob noch alle Freunde am Leben sind. Im Gegenteil: Nichts hat unseren Blick auf die Welt so verändert wie diese Plattformen, leider nicht immer zum Guten.

Das also soll Renate Künast über den Fall der mutmaßlich von einem Flüchtling ermordeten Studentin in Freiburg gesagt haben (siehe Bild links).

Suggeriert wird mit der Texttafel, dass sie das wahlweise gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt haben soll, oder dass die Kollegen der SZ dieses Foto samt Text selbst in Umlauf gebracht haben. Und weil man halt gerne mal glaubt, was man glauben will, fällt natürlich auch nicht auf, dass angesichts dieser Rechtschreibung entweder Frau Künast oder die SZ oder beide zusammen komplett betrunken gewesen sein müssten.

Als Verschwörungstheoretiker könnte man selbstverständlich auch das für möglich halten, weil man als Verschwörungstheoretiker ja immer alles für möglich halten kann (das macht die Sache mit den Verschwörungstheorien ja auch so angenehm, zumindest für Verschwörungstheoretiker). Also hat sich der Chefredakteur von süddeutsche.de, Stefan Plöchinger, an Facebook gewandt, damit das, was sehr offensichtlich eine Fake News ist, wieder verschwindet. Da gäbe es an sich nichts zu deuteln, könnte man meinen. Renate Künast hat den Satz nie gesagt, die SZ hat das nie gepostet. Bei Facebook sehen sie das trotzdem als völlig ok an:

Auch andere hatten den Post mit dem vermeintlichen Künast-SZ-Zitat gemeldet, Facebook reagierte immer gleich:

Das ist schon fast wieder lustig: Natürlich sind plumpe Fälschungen kein Verstoß gegen Gemeinschaftsstandards, ganz im Gegensatz beispielsweise zu nackten weiblichen Brüsten. Und natürlich bleibt Facebook angesichts solcher hübscher Fälschungen eine „sichere und einladende Umgebung“, schon klar.

Wie absurd ist es eigentlich, von „Lügenpresse“ zu sprechen, während man sich gleichzeitig an Fake News ergötzt?

Möglicherweise wundern Sie sich jetzt, warum Sie auf einem Blog des BR eine Geschichte über die SZ und Facebook finden. Die Antwort ist einfach: Weil es in der kruden Logik von Wutbürgern, Verschwörungstheoretikern und Propagandisten keine klassisch-etablierten Journalisten mehr gibt, die nicht Lug und Betrug begehen. Begriffe wie „Lügenpresse“, „Lückenpresse“ und all der andere Kram werden inzwischen bedenkenlos durch die Gegend gebrüllt, während man sich gleichzeitig auf eine „Wahrheit“, ein Weltbild beruft, dass mühelos gefaked und manipuliert werden kann.

Und weil es Zufall ist, dass bei dieser Geschichte die Kollegen der SZ als vermeintliche Urheber gekennzeichnet worden sind. Es wäre im Photoshop-Zeitalter gar kein Problem gewesen, ein BR24-Logo auf dieses vermeintliche Künast-Zitat zu legen. Sollten Sie übrigens jemals in die Versuchung kommen, eine Ihnen mindestens merkwürdig vorkommende angebliche BR24-Meldung zu teilen, fragen Sie gerne in der Redaktion nach. Im Regelfall bekommen Sie sehr schnell eine Antwort.

Nun könnte man immer noch entspannt lächeln, angesichts der erkennbaren Plumpheit der Fake News. Das Lachen vergeht einem aber spätestens dann, wenn man sieht, dass diese Fake News tausende Mal geteilt, geliked und auch kommentiert wurde. Weil man dann eine Ahnung bekommt, was soziale Nachrichten im schlimmsten Fall anrichten können: Sie können eine Propaganda-Maschine werden, in denen mit bewussten Fälschungen nicht einfach nur Meinungen vertreten, sondern bewusst gelogen und manipuliert werden kann. Das Absurde daran: Medien müssen sich, völlig zurecht übrigens, jederzeit einem Faktencheck stellen, transparent ihre Quellen nachweisen und natürlich (alter Journalisten-Grundsatz) immer auch die Gegenseite hören.

Und hier?

Hier muss jemand nicht mal die Grundzüge der Rechtschreibung beherrschen, um tausendfache Verbreitung zu erreichen. Unterschätzen sollte man die zersetzende Wirkung von solchen Fake News nicht. Wer in seiner Filterblase lebt, in der alles ausgeblendet wird, was eventuell stören könnte, glaubt solche Dinge nur allzu leicht. Weil man sie glauben will. Da passt es dann auch schön ins Weltbild, dass man so etwas glauben muss – weil einen die Anderen, die Mächtigen, die Politiker und die Journalisten grundsätzlich nur anlügen.

Der Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Fake News

Weswegen es die Debatte ja schon gibt: Soll, muss man Facebook und die anderen regulieren? Wo sind die Grenzen der Meinungsfreiheit erreicht? Dabei geht es in solchen Fällen nicht um Meinungsfreiheit. Auch der Verweis darauf, dass in den USA, der Heimat der meisten Netzwerke, der Begriff Meinungsfreiheit sehr viel großzügiger als bei uns ausgelegt wird, zieht nicht. Weil es einen Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Fake News gibt: Das eine ist eine Meinung, das andere ist eine Lüge. Beide haben nichts miteinander zu tun. Von dem her muss man soziale Netzwerke auch nicht sonderlich regulieren, theoretisch kann jeder fast alles sagen, auch wenn es noch so unerträglicher Blödsinn ist. Nur eines darf er nicht: fälschen, tricksen, gaunern - das sollte sogar einem amerikanischen Großkonzern einleuchten.


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Leserin_50, Montag, 19.Dezember, 14:42 Uhr

27. Die Lügenpresse schlägt zurück!

Die neue Strategie – die Lügenpresse schlägt zurück! Die sog. „Fake-News“, besonders die aktuell überall verbreitete, in der es um die vermeintliche Aussage einer Grünen-Politikerin im Zusammenhang mit dem Mordfall an Maria Ladenburger durch einen angeblich minderjährigen Asylanten geht, scheint mir von den Schöpfern des Begriffs der sog. „Fake-News“ selbst kreiert worden zu sein, um damit die Theorie der „Fake-News“ zu beweisen.
D.h. man beweist also im Zirkelschluss eigene Thesen mit selbst konstruierten Beweisen. Wenn das keine Fake-News sind!!!! Der mündige Bürger sollte dies durchschauen.

(Ich sehe gerade in einem anderen Kommentar, dass ich nicht die Einzige bin, die dieser Überzeugung ist...! Denn eins ist auffallend: die CDU hat sich letztens, aufgrund sinkender Zustimmung aus dem Volk, ernsthaft Gedanken darüber gemacht, dass sog. Populisten ihnen den Wind aus den Segeln nehmen, und beratschlagt.... Das Ergebnis ist der Begriff der Fake-News!)

Jollyto, Freitag, 16.Dezember, 12:31 Uhr

26.

Fakenews verbereiten die etablierten Medien selber. Wie war das mit den Massenvernichtungswaffen im Irak?
Damit wurde doch der Einmarsch der Amerikaner gerechtfertigt. Ich weiß noch genau, praktische alle Massenmedien haben gleichgeschaltet propagiert.
Eurorettung? Genau das selbe Spiel! Nur das der Euro immer noch nicht gerettet ist und die Bänker jetzt auf deutsche Steuergelder zugreifen können.
Flüchtlingskrise? Gem. Studie der Hamburg Media School waren 92% aller Berichte pro Flüchtlinge! Also wenn das nicht gleichgeschaltet ist!
Was sind denn Fakenews? Alles was nicht dem Mainstream entspricht? Sorry, mich könnt Ihr nicht mehr "informieren". Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Lizzy Herzer, Montag, 12.Dezember, 12:38 Uhr

25. Wahrheit gibt es nicht mehr

Social Media Kanäle sind keine Medien, sondern Plattformen, wo jeder seine Meinung verbreiten kann- ein großes Gemisch von Stammtischparolen, Gerüchten und Wahrheit. Da kann man nicht nur gefakte Videos einstellen, sondern inzwischen sogar via einer neuen App Leuten irgendwas in den Mund legen. Es ist unkontrollierbar, deswegen muss Medienkonpetenz an Schulen ein Unterrichtsfach werden.

Phantasy, Samstag, 10.Dezember, 16:34 Uhr

24. Was ist nur in den Köpfen los?

Grausam, wie beharrlich Leute sich auf ihre selbstgemachten Wahrheiten stützen. Wer es noch nicht kapiert hat, für den nochmals langsam zum Mitschreiben. Leute in Mazedonien und anderswo verdienen richtig Geld mit der Verbreitung falscher Nachrichten (die ARD berichtete über dieses Thema). Jedes unüberlegte Teilen, macht den Urheber mit der wahnsinnigen Anzahl Klicks glücklich. Motivation ist gar nicht mal politisch oder propagandistisch, sondern einfach der Möglichkeit mit Dummen Geld zu machen.
Die asozialen Medien verkommen zunehmend zur Agitation und einem kriminellen Gewinnstreben. Also höre mir bloß jeder auf, seine "Schein-Nachrichten" hier im Forum vorzutragen.

Nachrichten sind das nicht.

Kilian Schmidt, Freitag, 09.Dezember, 16:13 Uhr

23. "Haltet den Dieb!"

Wer glaubt diese Propaganda eigentlich noch? Wie wärs wenn ihr eure eigenen Beiträge mal auf Wahrheitsgehalt untersucht? Ich hätte da ein paar Themenvorschläge:

Brutkastenlüge, 9/11 CIA Verstrickung, Saudi Arabien und ISIS, MH17 und Kolomoiski, Clintons pädophile Freunde, Bundeswehr contro Völkerrecht (Syrien, Afghanistan, Jugoslawien, NATO Osterweiterung, George Friedmans Stratfor Rede)

Viel zu tun auf dem Weg zurück zu wahrhaftiger Berichterstattung... ich schau in nem Jahr nochmal rein ob sich was getan hat. Bis dahin schau ich lieber Kulturstudio.

  • Antwort von Ja ja ist ja gut, Samstag, 10.Dezember, 02:20 Uhr

    Glauben Sie etwa, Sie erreichen mit ihren VTs jemanden?
    Mondlandung hatten Sie vergessen...

  • Antwort von AGF, Freitag, 16.Dezember, 12:39 Uhr

    Also die Brutkastenlügen ist keine VT, Wer die offizielle 9/11 Theorie glaubt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Bsp. Den Pass von einem der Attentäter auf der 5th Avenue gefunden, nachdem dieser mit dem Flugzeug ins Worldtrade Center geflogen ist....lol. Bundeswehr gegen Völkerrecht...da gibt es genügend renommierte Staatsrechtler, die den Sachverhalt als heikel ansehen. Stratfor Rede von Friedmann kann sich doch jeder auf youtube ansehen.