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Explosion bei BASF Zwei Tote, ein Vermisster in Ludwigshafen

Bei der Explosion auf einem Werksgelände von BASF in Ludwigshafen sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein Mensch wird noch immer vermisst. Acht Menschen erlitten schwere Verletzungen.

Von: Veronica Zapp

Stand: 18.10.2016

Bei BASF in Ludwigshafen geht heute die Suche nach dem Vermissten weiter. Die Person wird im Hafenbecken vermutet. Ein Einsatz von Tauchern sei derzeit aber noch nicht möglich, sagte der Chef der Feuerwehr Ludwigshafen, Peter Friedrich. Sobald keine Gefahr mehr für die Helfer bestehe, sollen sie aber nach dem Vermissten suchen. Acht Menschen wurden schwer verletzt, 17 weitere erlitten leichte Verletzungen. Sechs der Schwerverletzten befinden sich auf der Intensivstation. Nach Information von Dieter Feid, dem für die Feuerwehr zuständigen Dezernenten der Stadt Ludwigshafen, stehe es zum Teil nicht sehr gut um diese Menschen. Bei den zwei Toten handelt es sich um Mitglieder der Werksfeuerwehr.

"Wir sind sehr bestürzt, dass zwei unserer Mitarbeiter ums Leben gekommen sind. Sie haben sich als Feuerwehrleute für die Rettung von Menschenleben eingesetzt"

Margret Suckale, BASF-Vorstandsmitglied

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Frankenthal wegen der Explosion auf dem BASF-Werksgelände in Ludwigshafen Ermittlungen eingeleitet. Ein Gutachter wurde zur Klärung der Ursache eingeschaltet. Unklar ist, warum es zu dem ersten, relativ kleinen Brand kam, zu dem die Werksfeuerwehr ausrückte und in dessen Folge es zu der folgenschweren Explosion kam.

Anwohner sollen weiterhin Fenster und Türen geschlossen halten

Einsatzkräfte von Werks- und Berufsfeuerwehr sind nach dem Löschen mit Kühl- und Sicherungsmaßnahmen beschäftigt. Anwohner rund um das Werk sind weiterhin aufgefordert, aus Sicherheitsgründen Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Wie BASF mitteilte, brannten nach der Explosion Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen. Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen komme bei der Produktion von Autolacken, Dispersionen und Klebstoffen zum Einsatz. Die BASF sagt, es seien keine kritischen Werte gemessen worden - weder in der Luft, im Boden oder im Wasser. Laut Feuerwehrchef Friedrich gab es am Montag während des Brandes erhöhte Werte chemischer Substanzen.

"Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien."

Uwe Liebelt, BASF-Werksleiter

Am Abend waren nach Angaben der Feuerwehr noch zwischen 50 und 60 Brandbekämpfer im Einsatz, inzwischen ist das Feuer gelöscht. Vorliegende Messwerte zeigten in der Luft und am Boden keine erhörten Werte gefährlicher Stoffe, erklärte das Unternehmen. In dem Binnenhafen des Chemiekonzerns werden Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten verladen. Die Suche nach der Ursache des Brands läuft.

Explosion im Landeshafen Nord

Vor der Explosion auf dem BASF-Gelände war nach Angaben des Unternehmens zunächst eine Versorgungsleitung in dem Hafengebiet in Brand geraten. Als die Feuerwehr zum Löschen eingetroffen sei, "kam es dann zu einer Explosion", wie Liebelt sagte.

Große Rauchwolken über dem Werksgelände in Ludwigshafen

Die Explosion ereignete sich gegen 11.30 Uhr im sogenannten Landeshafen Nord, in dem brennbare Flüssigkeiten und unter hohem Druck verflüssigte Gase umgeschlagen werden. Zu dem Unglück kam es bei Arbeiten an einer Rohrleitungsstrasse. Über dem Gelände bildete sich eine hohe Rauchsäule.

Wassersperren zum Rhein errichtet

Nach BASF-Angaben wurden Wassersperren zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein errichtet. Noch am Montagnachmittag waren die Flammen kilometerweit zu sehen, eine dicke Rauch- und Rußsäule stieg auf. Die Wolke trieb nordöstlich Richtung Mannheim und Bergstraße. Die Folgen für das Unternehmen sind noch unklar. Unter dem Unglück leidet auch die Produktion des Chemieriesen. Da die Rohstoffversorgung unterbrochen ist, wurden 20 Anlagen im Hauptwerk der BASF abgeschaltet beziehungsweise laufen nur noch auf Teillast. Wann sie wieder in Betrieb gehen können, ist noch unklar.

"Der wirtschaftliche Schaden ist nicht mein großes Problem heute."

Uwe Liebelt, Werkleiter für den BASF-Standort Ludwigshafen

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dankte den Einsatzkräften für ihre Arbeit unter schwierigsten Bedingungen. Die Landesregierung stehe an der Seite der Betroffenen.

BASF in Ludwigshafen steht zum großen Teil still

BASF hat seine zentralen Produktionsanlagen vorsichtshalber stillgelegt. Mit der betroffenen Rohrleitungstrasse würden Vorprodukte von Schiffen zu den eigentlichen Produktionsstätten transportiert, sagte eine BASF-Sprecherin. Aus Sicherheitsgründen wurden nach Angaben von BASF die sogenannten Steamcracker sowie weitere Anlagen am Standort heruntergefahren. Dabei hätten sich Fackeln gebildet, weil Stoffe in Leitungen verbrannt werden müssten.

Die Steamcracker sind dem Unternehmen zufolge das Herzstück des Werks, an dem eine ganze Reihe an chemischen Grundbausteinen für die Produktion entstehen.

Weiterer Unfall bei BASF in Lampertheim

Außerdem war es am Montagmorgen am hessischen Standort Lampertheim zu einer Verpuffung am Filter einer BASF-Anlage für Kunststoffzusätze gekommen. Dabei zogen sich vier Mitarbeiter Verletzungen zu, wie das Unternehmen mitteilte. Die Anlage wurde abgestellt. Eine Umweltverseuchung sei nicht festgestellt worden. Die Ursache für die Verpuffung sei unklar. Die Behörden wurden informiert.

Große Chemie-Katastrophen

September 1921: Bei einer Explosion in einem Ammoniak-Werk der BASF bei Ludwigshafen sterben 585 Menschen.
Juli 1948: In der Nitrolack-Fabrik der BASF explodiert ein Kesselwagen. 200 Menschen kommen ums Leben, 3800 werden verletzt.
Juli 1976: In einer Tochterfirma des Schweizer Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche entweicht hochgiftiges Dioxin. Hunderte Bewohner von Seveso bei Mailand werden in Sicherheit gebracht, viele schwer vergiftet.
November 1979: Ein mit Chemikalien beladener Güterzug entgleist und explodiert bei Toronto. 250 000 Menschen fliehen vor giftigen Gasen, verletzt wird niemand.
Dezember 1984. Im indischen Bhopal treten in einer Fabrik des US-Konzerns Union Carbide mehrere Dutzend Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat aus. Rund 3000 Menschen sterben, etwa 170 000 werden verletzt.
November 1986: Nach einem Feuer im Baseler Werk der Firma Sandoz fließen etwa 20 Tonnen Gift in den Rhein. Hunderttausende Fische verenden.
Februar 1993: Bei einem Betriebsunfall im Stammwerk des Hoechst-Konzerns in Frankfurt am Main entweichen zehn Tonnen eines zum Teil giftigen Chemikaliengemischs und regnen auf die umliegenden Wohngebiete herab.
September 2001: In einer Düngemittel-Fabrik bei Toulouse kommt es zu einer Explosion. 31 Menschen sterben, 2500 werden verletzt.
Oktober 2010: Giftiger Bauxitschlamm aus einer Aluminiumhütte überschwemmt mehrere Dörfer in Ungarn. Dem Umweltdesaster fallen mindestens neun Menschen zum Opfer, rund 150 werden verletzt.


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