ARD-alpha - Campus Magazin


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Unterwegs mit dem WG-Coach Wenn der Mitbewohner um fünf Uhr morgens putzt

Geschirrberge, schmutzige Toiletten, ungebetene Gäste - jeder WG-Bewohner kann ein Lied davon singen. Wie lassen sich solche Probleme lösen? Wir begleiten für euch WG-Mediatorin Prisca Franke zu einer WG-Mediation in Heidelberg.

Von: Lukas Hellbrügge

Stand: 14.10.2015

Prisca Franke, WG-Retterin durch Mediation | Bild: Lukas Hellbrügge zur Bildergalerie mit Informationen Interview Prisca Franke hilft bei WG-Problemen

Jura-Studentin Prisca Franke (24) ist die Rettung für WGs, in denen es Konflikte gibt. Ihr Projekt heißt "Mediation für Studenten" - – dabei geht es ihr nicht ums Geld, sie hilft ehrenamtlich. [mehr]

Die Heidelberger Jura-Studentin Prisca Franke hat wahrscheinlich ein deutschlandweit einmaliges Projekt ins Leben gerufen: Sie hilft als WG-Mediatorin ehrenamtlich Studenten bei Konflikten. Die Nachfrage ist groß, denn WG-Probleme sind nicht selten. Prisca schafft im Rahmen der Mediation Verständnis füreinander und leitet die WG-Bewohner durch einen strukturierten Prozess. Die WG-Bewohner entwickeln gemeinsame Lösungsmöglichkeiten. Anschließend wird verhandelt. Am Ende des Prozesses steht dann eine Vereinbarung, die von allen WG-Bewohnern unterschrieben wird. Mehr dazu könnt ihr im Interview mit Prisca Franke nachlesen.

Ablauf einer Mediation

Kontakt, Vorlauf und Erstgespräch

Im Vorfeld müssen sich die Konfliktparteien zumindest grundsätzlich dazu bereit erklären, bei der Mediation mitzumachen. Dann gibt es nach einer kurzen Konfliktschilderung das erste Treffen. Hier wird unter anderem geklärt, welche Gesprächsregeln zur Anwendung kommen sollen. Es werden die wesentlichen Rahmenbedingungen geklärt: Die Neutralität des Mediators, die Freiwilligkeit für alle Beteiligten, die Bedeutung des Prozesses und dass die Lösungsfindung allein bei den Medianten liegt.

Themensammlung

Hier kommen die Dinge auf den Tisch, die die Konfliktparteien (Medianten) stören und die sich später in der Vereinbarung wiederfinden sollen.

Interessen und Bedürfnisse hinter den Positionen – Verständnis entwickeln

An dieser Stelle wird hinter die Themen aus dem vorherigen Schritt geblickt: Welche Bedürfnisse haben die Beteiligten? Welche Interessen verbergen sich hinter den Problemen? In dieser Phase sollen die Medianten vor allem Verständnis füreinander entwickeln.

Optionen und Handlungsmöglichkeiten

Jetzt geht es darum, den eigenen Horizont zu erweitern und kreative Lösungsmöglichkeiten zu finden. Die hier formulierten Optionen sind später die Grundlage für die Vereinbarung.

Verhandeln

Hier machen sich die Medianten gegenseitig Angebote – basierend auf den gefundenen Optionen. Anschließend können die Medianten die Angebote gegenseitig annehmen, diese aufrecht erhalten oder auch wieder zurückziehen, wenn die Angebote der anderen im Vergleich nicht angemessen sind.

Vereinbarung

Am Ende steht die Vereinbarung. In dieser wird konkret festgehalten, welche Angebote von den Medianten angenommen wurden. Diese wird von den Medianten unterschrieben.


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