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Tutoren-Ausbildung in München Lernen, wie man Wissen weitergibt

Tutoren an der Uni sind die Bindeglieder in der Lehrkette zwischen Professoren, Dozenten und Studenten. Nicht jeder kann den Job machen, denn er erfordert viel Disziplin und ein hohes Maß an Engagement. Umso wichtiger ist eine durchdachte Ausbildung.

Von: Elisabeth Mayer

Stand: 21.01.2016

gezeichneter Tutor | Bild: BR

Tutoren sind mehrheitlich selbst Studierende mit dem Wunsch, anderen Kommilitonen Dinge klarzumachen. Denn viele Studenten sind mit der hohen Wissenschaftlichkeit eines Studiums in der Praxis oft überfordert.

Mit einer Aufwandsentschädigung knapp über dem Mindestlohn leisten Tutoren wichtige Arbeit in der Wiederholung und Aufbereitung des Stoffes aus den Vorlesungen und Seminaren – oft unter Einsatz von modernen und unkonventionellen Lehrmethoden, die vom Frontalvortrag weggehen. Wichtig dabei ist die innere Haltung der Tutoren: Eine bestmögliche Ausbildung der Tutoren und der Ausbilder ist deswegen unumgänglich.

Jana Antosch-Bardohn ist Psycholinguistin und Kommunikationstrainerin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der hochschuldidaktischen Weiterbildung PROFIL an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Arbeit umfasst die Konzeption, die wissenschaftliche Begleitung und die Durchführung der TutorPlus Ausbildung, einem Angebot der LMU, das Lehrende zu Tutorenausbildern qualifiziert. Wir wollten von ihr wissen, was das Besondere an dem Angebot der LMU ist und welchen Nutzen es für die Beteiligten hat.

Frau Antosch-Bardohn, gibt es Tutorenausbildungen auch an anderen Universitäten in Deutschland?

Tutorenschulungen sind an deutschen Universitäten einigermaßen häufig zu finden. Sie müssen sich vorstellen, dass dort in einer Schulung Tutoren aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, also die Chemikerin neben dem Romanisten sitzen.

Das Besondere bei uns ist, dass wir bei den Lehrenden ansetzen. Wir bilden Lehrende der verschiedensten Lehrstühle aus, lernförderliche fachspezifische Tutorenschulungen zu halten. So können Tutorenausbilder der Chemie ihre Tutoren hochschuldidaktisch so schulen, wie es für den Fachbereich Chemie sinnvoll ist und die Tutorenausbilderin der Romanistik kann ihre Schulung auf ihre Zielgruppe zuschneiden. Dadurch können die Tutoren noch mehr von einer Tutorenschulung profitieren und ein besserer Lerntransfer ist gewährleistet. Eine Tutorenausbilder-Ausbildung von diesem Umfang und mit diesem Konzept ist in Deutschland einmalig.

Welchen Nutzen hat ihr Programm TutorPlus konkret für die Ausbilder?

Kurz gesagt lernen die Tutorenausbilder, wie sie gute Lehre halten. Sie lernen Seminare so zu konzipieren, dass Studierende beziehungsweise Tutoren sich aktiv beteiligen, motiviert sind und so viel wie möglich aus dem Seminar mitnehmen. Das Programm entspricht also fast einer Trainerausbildung.

Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Tutorenausbilder ein Zertifikat, das auch im Zertifikats-Verbund der Hochschullehre Bayern anerkannt ist und für die Laufbahn als Hochschullehrer von Nutzen ist.

Und welchen Nutzen haben Tutorinnen und Tutoren davon?

Die Tutorinnen und Tutoren werden in Schlüsselkompetenzen geschult. Das heißt, sie reflektieren ihre Rolle als Tutor, erhalten Präsentationstechniken-Tipps, lernen ein Seminar didaktisch aufzubereiten, Inhalte über sinnvolle Lehr- und Lernmethoden zu vermitteln und üben sich in Gesprächsführungstechniken und dem Umgang mit schwierigen Situationen – und das alles immer in Bezug auf ihr Fachgebiet.

Das anerkannte Zertifikat, das die Tutoren am Ende der Schulung erhalten, fungiert oft zugleich als Einstieg in die Lehre oder wirkt auch als Zusatz in den Bewerbungsunterlagen zur Förderung der beruflichen Karriere. Denn die Inhalte der Tutorenschulung lassen sich natürlich auch auf andere Situationen übertragen, so dass sie wertvolle Impulse für das spätere Berufsleben liefern.

Was bringt TutorPlus den Fakultäten?

Eine Entlastung der Lehrenden durch fachspezifisch und hochschuldidaktisch gut ausgebildete Tutorinnen und Tutoren und damit hochschuldidaktisch qualifiziertes Lehrpersonal auf allen Ebenen. Das Ansehen des Fachs steigt durch zufriedene Studierende und der Lernerfolg von Vorlesungen und Seminaren wächst durch hochwertigere Betreuung.

Frau Antosch-Bardohn, letzte Frage: was sind die Voraussetzungen für die Teilnahme an der TutorPlus-Ausbildung?

Die Tutorenausbilder müssen eine mittelfristige Anstellungsperspektive an der LMU haben und bereits Lehre leisten. Die nächste Ausbildungskohorte startet übrigens im September 2016.


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