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Israel Studieren in Tel Aviv und Jerusalem

Für Almuth Bockisch und Gerd Seibold ist ein Traum wahr geworden: studieren im Heiligen Land. Doch die Berlinerin und der Ulmer gehen verschiedene Wege.

Von: Markus Rosch

Stand: 14.01.2015

Almuth hat sich für Jerusalem entschieden. In der Stadt, in der Heiligtümer von drei Weltreligionen auf engstem Raum nebeneinander liegen, will die Theologiestudentin ihrem Studium den letzten Schliff geben und dann bald als evangelische Pastorin in ihre Heimat zurückkehren.

Theologie studieren in Alt- und Neuhebräisch

Almuth Bockisch, Studentin der Theologie

Die Anforderung des Stipendiums an der Hebrew University sind hoch: Der Unterricht ist in Althebräisch und auch Neuhebräisch wird fließend vorausgesetzt. Deshalb hat Almuth eine Sechstagewoche, hetzt von Kurs zu Kurs. Nicht immer einfach in einer Stadt, in der die Spannungen zwischen den Religionsgruppen oft eskalieren. Wie vergangenes Jahr, als Selbstmordattentate und gewalttätige Auseinandersetzungen an der Tagesordnung waren - und das Klima während des 50-tägigen Gaza-Krieges ohnehin vergiftet war. Konsequenz: Almuth konnte und wollte zum Beispiel die Straßenbahn nicht benutzen. Und die Busse mied sie so gut es ging. Fast täglich kamen besorgte Anrufe der Familie. Mittlerweile hat sich das etwas entspannt, doch wenn Almuth in den Bus zur Uni steigt, hat sie immer noch ein mulmiges Gefühl.

Doch Almuth genießt die Zeit, saugt all die neuen und oft ungewohnten Eindrücke auf. Das Einzige, was sie vermisst, ist ihre Musik. Für Querflöte und Chor bleiben ihr kaum Zeit.

Politikstudium in in Tel Aviv

Gerd hat sich für ein Studium in Tel Aviv entschieden, für die nie ruhende Metropole am Mittelmeer. Genau das Gegenteil zum frommen, religiösen Jerusalem. Tel Aviv ist  laut, hektisch, geschäftig.

Gerd Seibold, Studium Politik des Nahen Ostens

Gerd, der bereits Wirtschaftsingenieur ist, hat sich hier für ein Studium des Nahen Ostens entschieden. Gerade feilt er an seiner Abschlussarbeit. Gerd lebt in einer kleinen WG direkt am Strand. Vor allem das Zusammenleben mit Studenten aus vielen Ländern ist ihm wichtig. Da macht er dann schon einmal Glühwein in der Adventszeit. Nach schwäbischem Rezept.

Täglich geht er vor dem Studium die wenigen Meter zum Strand, zum  Joggen. So bekommt er den Kopf frei, kann neue Eindrücke aufsaugen. Ihn faszinieren die "unterschiedlichen Welten", die er hier erleben kann. Auch deshalb will er nach seinem Abschluss an der Tel Aviv University in der Region bleiben.

Doch während andere Party machen, will Gerd gesellschaftliche Verantwortung übernehmen: Am Busbahnhof, wo die Ärmsten der Armen leben, hilft er Obdachlosen, Prostituierten und Drogenabhängigen. Mit Kleidung, Nahrung und oft einfach nur einem Dach über dem Kopf.

Zwei deutsche Studenten in Israel. Mut und Neugier gehören bei beiden zur Motivation. Die Entscheidung, diesen ungewöhnlichen und nicht immer leichten Weg zu gehen, haben Almuth und Gerd bisher keine Sekunde bereut.

Infos zum Studium

Zahlen, wie viele deutsche Studenten in Israel eingeschrieben sind, werden nicht dezidiert erhoben. Im Jahr 2013 ermöglichte der DAAD 373 Studierenden, Graduierten, Wissenschaftlern und Hochschullehrern einen Studienaufenthalt in Israel. Das israelische Hochschulsystem unterscheidet zwischen Universitäten und Colleges. Die Colleges sind in der Regel für ein Fach spezialisiert. Und es gibt regionale Colleges, die wiederum einzelnen Universitäten zugeordnet sind. Darüberhinaus gibt es Colleges, die zu berufsqualifizierenden Abschlüssen führen. Akademische Abschlüsse sind hier nicht möglich.

Universität Tel Aviv

Das Studienjahr dauert von September/Oktober bis Juni/Juli. Es orientiert sich am anglo-amerikanischen System und ist in Trimester aufgeteilt.

Die Zulassungsbedingungen sind nicht einheitlich geregelt. Grund: Die israelischen Hochschulen sind autonom. Studieninteressenten sollten sich also Details bei der Hochschule ihrer Wahl erfragen.

Generell lässt sich sagen, dass die Allgemeine Hochschulreife in Deutschland zum Studium an einer israelischen Hochschule berechtigt. Allerdings: Die deutsche Fachhochschulreife wird nicht anerkannt. Israel kennt keine Hochschulen für angewandte Wissenschaften, wie wir sie in Deutschland haben. Dennoch können sich Absolventen mit Fachhochschulreife bewerben. Die einzelnen Universitäten und Colleges entscheiden dann über eine Zulassung im Einzelfall.

Weitere Informationen zum Studium in Israel

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