ARD-alpha - Campus Magazin


5

Studieren im Ausland Mit einem Stipendium die Welt entdecken

Bezahlbares Auslandsstudium: Wir begleiten zwei Studenten auf der Suche nach einer Finanzierung und klären wichtige Fragen: Welche Stipendien gibt es fürs Ausland? Wie kann man beim Auswahlgespräch punkten? Wir stellen die wichtigsten Schritte zur Bewerbung vor.

Von: Saskya Kamphuis

Stand: 10.05.2016

1. Die umfassende RECHERCHE ist das A und O.

Da das Online-Angebot für Auslandsstipendien nahezu grenzenlos ist, sollte man sich über folgende Fragen im Klaren werden:

  • Bin ich ... Deutscher/ Ausländer - was will ich?
  • FSJ/ Sprache lernen/ fachspezifisch/ mit oder ohne ECTS-Anerkennung - welches Level?
  • Praktikum/ studierend (Bachelor/ Master/ Doktorand)/ graduiert/ promovierend/ hochbegabt - wie lange?
  • Summerschool/ Semester/ Jahr/ komplettes Studium - wohin?
  • Europa/ außerhalb/ Region/ Land - welche Art?
  • Finanzielle/ ideelle Unterstützung?

2. Eine ausführliche BERATUNG ist wichtig.

Eine gute Anlaufstelle ist stets das International Office der eigenen Uni oder Hochschule. Eine umfassende Beratung über die unterschiedlichsten Möglichkeiten hilft weiter. Manche Förderungen können sogar nur von der Hochschule beantragt werden. ERASMUS ist das erfolgversprechendste Austauschprogramm mit EU-finanzierten Moblitätsmöglichkeiten in 31 europäischen Ländern (inkl. Schweiz und Türkei).

Man studiert an einer Partnerhochschule (oder macht ein Praktikum in einem selbst gewählten Unternehmen). Beim Erasmus-Stipendienprogramm werden die Studiengebühren erlassen, es gibt vereinfachte Einschreibemodalitäten und monatlich bis zu 500 Euro Zuschuss. Der hochschulweit geltende Bewerbungstermin für Austauschplätze ist der 15. Januar jeden Jahres. Hier reichen schon befriedigende Studienleistungen und Sprachkenntnisse. Wer mehrere Ziele angibt, erhöht seine Chance auf 99 Prozent.

Auslands-BAföG in Kombination mit einem Erasmus-Mobilitätszuschuss bietet eine gute Grundlage. Wer keines von beiden erhält, weil er beispielsweise in den außereuropäischen Raum gehen möchte, sollte sich nach Alternativen oder ein Teilstipendium erkundigen. Die Stipendiendatenbank des DAAD gibt einen Überblick über die unterschiedlichsten Programme, die je nach Studienstatus, Fakultät und Zielland relevant sind.

Neben den Förderungen, die aus staatlichen Mitteln finanziert werden, gibt es unzählige private Stiftungen, die Stipendien vergeben. Eine Hilfestellung bietet hier mystipendium.de, oder auch e-fellows.net

3. Eine gewisse SPRACHKOMPETENZ ist Voraussetzung.

Von Studierenden, die ins Ausland wollen, wird erwartet, dass sie sich mit dem Zielland und den kulturellen Gegebenheiten auseinandersetzen. Eine gewisse Sprachkompetenz ist unumgänglich. An der Heimathochschule sollte man unbedingt Sprachkurse belegen und sich fachlich vorbereiten. Das kommt nicht nur den Menschen in der Fremde entgegen, sondern ist Voraussetzung, um ein Auslandsstipendium zu erhalten. Eine Sprachprüfung muss immer vorher abgelegt und bestanden werden, auch wenn's "nur" Englisch ist.

4. Das GUTACHTEN ist oft eine Bewerbungsauflage.

Ein Empfehlungsschreiben oder Gutachten von einem Professor der eigenen Hochschule ist oft einer der Bewerbungsauflagen für ein Auslandsstipendium und macht sich grundsätzlich immer gut. Da die Bearbeitung manchmal Zeit in Anspruch nimmt, sollte man nicht zu lange warten, beim Prof seines Vertrauens anzufragen.

Meistens braucht der Ersteller des Gutachtens hierfür weitere Unterlagen wie Lebenslauf, Fächerkombination und erzielte Noten.

5. Die perfekte BEWERBUNG zählt.

Die Bewerbung sollte natürlich vollständig sein und fristgerecht eingehen. Bei manchen Stiftungen beträgt der Vorlauf sogar eineinhalb Jahre, so dass man sich wirklich rechtzeitig Gedanken machen soll, um die benötigten Unterlagen auch frühzeitig in Händen zu haben. Noten sind nicht unbedingt das Wichtigste. Vor allem über die eigene Motivation sollte man sich im Klaren sein.

Manche Bewerbungen kann man heutzutage digital einschicken, aber der Großteil der Stipendienvergeber verlangt die Papierform per Post. Interessant ist die "Dos and Don'ts-Seite" von ERASMUS.

6. Das AUSWAHLGESPRÄCH ist die letzte Hürde.

Bei einigen Förderungen (wie z.B. Erasmus plus) heißt es dann nur noch abwarten und Daumen drücken. Die DAAD und fast alle Stiftungen bitten ihre auserwählten Bewerber zum persönlichen Gespräch. Bei manchen (vor allem größere Stiftungen) muss man vorher sogar noch eine schriftliche Klausur, einen Test zum Allgemeinwissen oder eine Gruppendiskussion absolvieren. Wer es dann bis zum Bewerbungsgespräch geschafft hat, kann sich glücklich schätzen.

"Beim Auswahlgespräch sollten Studierende sich noch mal über ihre eigene Motivation klar werden und sich auf Fragen vorbereiten, die sich mit dieser Motivation beschäftigen. Wichtig ist auch, dass sie authentisch sind, dass sie ehrlich über ihre Planung und Vorbereitung Auskunft geben. Und ein ganz großer Pluspunkt ist natürlich, wenn jemand sich sozial und im Hochschulgeschehen engagiert. Wenn jemand zum Beispiel Buddy ist bei der Betreuung unserer ausländischen Studierenden, das soll er unbedingt beim Bewerbungsgespräch einfließen lassen. Und auch von dieser Arbeit an der Hochschule zu erzählen."

Ingrid Hahn-Eisenhardt, Leitung International Office Hochschule Augsburg  

JEDER hat eine Chance auf ein Auslandstipendium und kann eine Förderung erhalten, wenn es nicht gerade 1.000 Euro von einer seltenen Stiftung sein sollen, die nur einmal im Jahr ein  Stipendium vergibt. Wichtig ist, dass man sich ernsthaft über sein Vorhaben Gedanken macht, sich damit beschäftigt und sich gewissenhaft vorbereitet.

Zum Weiterlesen: Interessantes aus der Allensbachstudie

Das Ausland genießt große Attraktivität. So waren bereits 18 Prozent der Studentinnen und 15 Prozent der Studenten während ihres Studiums längere Zeit im Ausland, 28 Prozent der weiblichen und 26 Prozent der männlichen Studenten haben dies noch vor. Stipendiaten sind überdurchschnittlich aktiv: 42 Prozent waren bereits im Rahmen ihres Studiums im Ausland, weitere 22 Prozent haben dies fest vor.

62 Prozent aller Studenten konnten während der Auslandssemester auf die finanzielle Hilfe ihrer Eltern bauen, 41 Prozent haben auf Erspartes zurückgegriffen, 30 Prozent arbeiteten im Ausland, jeder vierte Student hat Auslands-BAföG bezogen und 23 Prozent erhielten ein Stipendium. Von den Studenten, die keinen Auslandsaufenthalt planen, verzichtet nur gut jeder Dritte aus finanziellen Gründen auf einen Studienaufenthalt im Ausland. Für 62 Prozent sind dafür andere Gründe ausschlaggebend.


5