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Die besten Tipps für akademisches Schreiben Richtig Zitieren!

Vielen von euch mag es wie eine Strafaufgabe vorkommen: welche Fußnoten muss ich wo und wie setzen? Ab wann „zitiere“ ich und ab wann sind Formulierungen meine eigenen Gedanken? Die richtigen Zitierregeln zu kennen, ist aber die Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten! Campus Magazin zeigt sie euch.

Von: Friederike Kühn

Stand: 06.02.2017

Du hast Angst, dass du zu viele Quellen zitierst? Musst du nicht haben, weil: indem du zitierst, was andere Wissenschaftler über ein Thema gesagt haben, zeigst du, dass du den Forschungsstand kennst. Und du machst für den Leser - deine Professorin oder deinen Professor - deutlich, wo du dich auf Gedanken eines anderen berufst und welche Schlüsse du selber ziehst.

Ksenia Gorbunova vom Schreibzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München berät Studierende zu allen Themen rund um das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten. Gerade Studienanfänger verstehen oft nicht, dass man als Student Teil eines wissenschaftlichen Diskurses ist. Es geht nicht nur um die eigenen Gedanken zu einem Thema, sondern darum, die wichtigsten Thesen zu kennen, die andere dazu schon formuliert haben und darauf aufbauend weiterzudenken.

"Eine eigene Gedankenleistung ist ja schon dann gegeben, wenn man zeigt, dass man die Literatur zu dem Thema gelesen hat und man mit dieser Literatur umgehen kann. Also,  man hat diese Literatur verstanden, kann kritisch damit umgehen und schaut, ob die Argumente stimmen. Das ist etwas, das man am Anfang des Studiums lernen muss. Und damit der Dozent sieht, dass man sich mit dieser Literatur auseinandergesetzt hat und wie man sich damit auseinandergesetzt hat, muss man zitieren!"

Ksenia Gorbunova, Schreibzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München

Louisa studiert im ersten Semester Soziologie. Sich mit den Zitierregeln auseinanderzusetzen, ist ihr wichtig. Sie will alles richtig machen und am Ende nicht Gefahr laufen, dass man ihr ein Plagiat nachweist, weil ein Zitat nicht korrekt ausgewiesen war.

"Ich bin mir oft nicht sicher, wie ich das alles nochmal machen muss. Es gibt ja auch  Einzelfälle, die einem noch niemand erklärt hat. Es ist es schon eine mühsame Arbeit, aber es lohnt sich auf jeden Fall, das richtig zu machen."

Louisa Kindermann, 22, Studentin im 1. Semester Soziologie, LMU München

Richtig! Denn der korrekte und transparente Umgang mit der Sekundär- bzw. Fachliteratur, gehört zum Ethos und Selbstverständnis des Wissenschaftlers. Nur wenn du richtig zitierst, kann der Dozent oder ein anderer Leser deiner Arbeit deine Leistung beurteilen.

Die wichtigsten Regeln:

Direktes Zitat

Übernimmst du Textstellen wortwörtlich, handelt sich um ein direktes Zitat, das in Anführungszeichen wiedergegeben werden muss, mit Verweis auf die Quelle. Zum Beispiel:

„Liebe ist die zentrale Botschaft des Romans.“1

_______
1 Müller, Herrmann: Die Rolle der Liebe, Frankfurt, Heine-Verlag 2012, S. 11

Jede Änderung gegenüber der Quelle muss vermerkt werden.  Auslassungen oder Ergänzungen werden in eckigen Klammern im Zitat angegeben.

„Liebe ist die [...] Botschaft des Romans.“

  • Auslassungen                                [...]
  • Ergänzungen                                  [xxx, Anmerkung des Verfassers]


Selbst Hervorhebungen, wie Kursivsetzungen oder Rechtschreibfehler im Zitat,  müssen übernommen werden. Um Rechtschreibfehler in der Quelle als solche zu kennzeichnen, schreibst du ein „sic“ mit Ausrufezeichen in Klammern hinter das Zitat, um klarzumachen, dass es um einen Fehler im Zitat handelt.

[sic!]  Lateinisch für „sic erat scriptum“: so stand es geschrieben.

Indirektes Zitat

Gibst du Textstellen nur sinngemäß, also mit deinen eigenen Worten wieder, handelt es sich um ein indirektes Zitat. Auch hier musst du unbedingt auf die Quelle verweisen.

Müller meint, Liebe sei eine der zentralen Botschaften des Romans.1

________
1Müller, Herrmann: Die Rolle der Liebe....

Du kannst den Autor direkt im Text nennen oder in der Fußnote auf ihn verweisen, mit dem Kürzel „vgl.“ für vergleiche.

1 vgl. Müller, Herrmann: Die Rolle der Liebe....

Deutsch oder Amerikanisch?

Grundsätzlich gibt es zwei Zitierweisen: die deutsche und die amerikanische.

Bei der deutschen Zitierweise erscheint die Quellenangabe in der Fußnote als Vollbeleg mit allen bibliographischen Angaben. Wenn du dieselbe Quelle zum zweiten Mal zitierst, reicht ein Kurzbeleg mit Angabe von Autor, Erscheinungsjahr und Seite.

1 Vollbeleg: Autor: Titel, Auflage (falls > 1), Erscheinungsort, Verlag, Jahr, Seite

1 Kurzbeleg: Autor: Jahr, Seite

Bei der amerikanischen Zitierweise wird die Quelle direkt hinter dem Zitat in Klammern ausgewiesen, und zwar immer als Kurzbeleg. Die vollständige Literaturangabe erscheint dann erst am Ende der Arbeit im Literaturverzeichnis.

„Liebe ist die zentrale Botschaft des Romans.“ (Müller: 2012, S. 13) oder auch (Müller 2012: 13)

Hauptsache einheitlich

Es gibt nicht den einen Königsweg beim Zitieren. Auch bei den Literaturangaben gibt es Varianten. So kann man das Erscheinungsjahr zum Beispiel auch direkt hinter den Autorennamen setzen, statt erst am Ende vor der Seitenangabe.

Müller, Herrmann (2012): Die Rolle der Liebe, Frankfurt, Heine-Verlag, S. 11

Müller, Herrmann: Die Rolle der Liebe, Frankfurt, Heine-Verlag 2012, S. 11

Oder auch:
Müller, Herrmann: Die Rolle der Liebe, Frankfurt: Heine-Verlag 2012, S. 11

Grundsätzlich gilt: Solange du dich für eine Variante entscheidest und diese bis zum Ende durchziehst, ist es formal korrekt. Trotzdem solltest du dich bei deinem Dozenten nach dessen Vorlieben erkundigen. In der Regel haben die Institute auch "Stylesheets“ bzw. "Stilblätter“ auf ihren Internetseiten, wo du nachsehen kannst, wie das Zitieren in deinem Fach gewünscht ist.

Zitate aus dem Internet

Hier musst du besonders vorsichtig sein, denn zitiert werden darf nur, wenn alle Angaben zu einem Text vorliegen, also Autor, Titel, Erscheinungsort, Verlag/Zeitschrift/Onlinemagazin etc...

Zusätzlich musst du die URL, also die Internetadresse mit angeben. Weil das Netz so schnelllebig ist und ein Link zu einem Dokument vielleicht bald nicht mehr darauf verweist, musst du angeben, wann du zuletzt darauf zugegriffen hast.

Autor: Titel usw., http://... [Datum der Abfrage]

No-Gos

  • Zitate aus Wikipedia: Hier weißt du nicht, wer die Texte verfasst hat, kannst also keine ausreichenden Angaben machen
  • Zitate aus 2. Hand: das heißt, wenn du eine schon zitierte Textstelle zitierst. Grundsätzlich wird erwartet, dass du die Originaltexte gelesen hast. Nur wenn diese schwer oder gar nicht zugänglich sind, ist ein Zitat aus zweiter Hand ein legitimes Mittel.

Buchtipps

Duden Ratgeber - Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten? Alles Wichtige von der Planung bis zum fertigen Text, Duden 1. Auflage 2012

Duden Ratgeber - Die schriftliche Arbeit kompakt, 2. Auflage, aktualisierte und überarbeitete Ausgabe 2015


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