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Studienfinanzierung Nebenjobs im Studium

Nebenjobs: lohnende Geldquelle oder nur mehr Stress? Nebenjobs können helfen, das Studium zu finanzieren und noch mehr. Campus Magazin trifft Patricio und Quirin und zeigt, was sie aus ihren Jobs, neben Geld, dazugewinnen.

Von: Christian Wurzer

Stand: 12.01.2017

Nebenjobs können den Berufseinstieg erleichtern

Über die Hälfte der Studierenden arbeitet in einem Nebenjob, um sich das Studium zu finanzieren. Miete, Studiengebühren sind zu bezahlen, Bücher zu kaufen PC-Programme, Zugtickets und essen muss man auch. Viele Gründe, sich einen Nebenjob zu suchen. Doch so einfach ist die Sache nicht. Die Motivation für Studenten neben dem Studium auch noch zu arbeiten, sind vielfältiger und haben nicht nur mit Geld zu tun.

Patricio Maier, im Nebenjob Flugzeugmechaniker

Patricio Maier studiert Luft- und Raumfahrttechnik an der Hochschule München. Sein Studium finanziert er durch seinen Nebenjob bei der Lufthansa Technik am Münchner Flughafen. Dort hat er bereits seine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker gemacht. Heute unterstützt ihn die Firma mit einem Förderprogramm und einem Studententeilzeitvertrag von 30% - so hat er die Möglichkeit seine Arbeitszeiten neben dem Studium flexibel zu gestalten. Lufthansa Technik verspricht sich davon, dass Patricio nach seinem Studienabschluss bei ihnen beruflich einsteigt.

Nebenjob ist nicht gleich Nebenjob

Es gibt viele Arten von Nebenjobs. In einigen gibt es mehr zu verdienen, in anderen weniger. Mache haben sehr flexible Arbeitszeiten, andere nicht. Jeder hat seine Vor- und Nachteile. Wir haben die wichtigsten Arten zusammengestellt:

1) Werksstudent:

Werkstudenten sind Studierende, die neben dem Studium arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder Praxiserfahrung zu sammeln.
Werkstudenten-Jobs sind eine Art Teilzeitbeschäftigung. Werksstudenten arbeiten meist in einem Aufgabenfeld, der nahe oder gar deckungsgleich mit ihrem Studiengebiet ist. Sie bringen für ihren Job aus ihrem Studium Qualifikationen mit, die wiederum der Firma, in der sie arbeiten, zu gute kommen. In größeren Firmen suchen oft die kaufmännischen Abteilungen, wie Vertrieb, oder Rechnungswesen oder auch technische Bereiche wie Systementwicklungen und Qualitätsprüfung nach Werkstudenten. So ein Werkstudentenvertag kann auch einen ersten Einstieg beim späteren Arbeitgeber bedeuten.

"Ich hab einen studentischen Teilzeitvertrag, das heißt: Ich bin ein normaler Arbeiternehmer, aber arbeite Teilzeit mit 30%. Ich habe zwar ein Vollzeitstudium, aber auch meine Freiheiten bei der Schichtplanung, so dass ich immer dann zu Arbeit kommen kann, wenn ich gerade keine Prüfungen habe und keine Vorlesungen. Ich bin eigentlich sehr flexibel in der Arbeit."

Patricio Maier, Luft- und Raumfahrttechnikstudent und Flugzeugmechaniker

2) Tagelöhner

Die Bezeichnung klingt etwas antiquiert, aber es gibt sie noch, die Tagelöhner, solche, die kein festes Arbeitsverhältnis haben. Sie bieten ihre Arbeitskraft in der Regel immer wieder neuen Arbeitgebern kurzfristig an. Tagelöhner werden nur tageweise beschäftigt, daher der Begriff. Oft ist es eine Chance für Studenten, die sich wegen des Studiums nur unregelmäßig frei machen können, nebenher zu verdienen.

Quirin Wagner, im Nebenjob DJ

Quirin studiert Maschinenbau an der Hochschule Rosenheim. Einen Job direkt in seinem Fachgebiet zu finden, ist für ihn schwierig. So hat er sein Hobby zum Nebenjob gemacht: Er arbeitet als DJ Muhackl in Clubs und bei Festen, quasi als Tagelöhner und hat ein recht unregelmäßiges Einkommen.

Es gibt spezialisierte Arbeitsagenturen, die Arbeitssuchende direkt an den Arbeitgeber für einen oder mehrere Tage vermitteln. Manche dieser Agenturen arbeiten über Internetportale, andere über Büros. Wer sich in deren Büro einfindet, wird weitervermittelt. In fast jeder Stadt gibt es so eine Jobbörse, die sich auf die Vermittlung von Tagesjobs spezialisiert hat. Hier Beispiele:

"Vom Verdienst her ist das Problematische, dass es ein unregelmäßiges Einkommen ist. Du kannst dich nicht drauf verlassen, dass du am Monatsende dein Geld auch bekommst."

Quirin Wagner, Maschinenbaustudent und DJ

3) Minijob, 450-Euro-Job oder, geringfügige Beschäftigung

Eine geringfügige Beschäftigung ist ein Beschäftigungsverhältnis, bei dem das Arbeitsentgelt eine bestimmte Grenze nicht überschreitet oder das nur kurz andauert. Man spricht von einem Minijob oder einem 450-Euro-Job. 450-Euro-Jobs sind besonders für die Studenten interessant, die regelmäßig über einen längeren Zeitraum in geringem Umfang arbeiten möchten. Die Verdienstgrenze liegt bei einem regelmäßigen Monatslohn von 450 Euro - das entspricht einem Jahresverdienst von 4.880 Euro. Ein Job gilt solange als Minijob, solange die Jahresverdienstgrenze nicht überschritten wird. Arbeitet jemand nicht während des ganzen Jahres, wird anteilig gerechnet. Hier Tipps für Minijobber:

Verdienst aus dem Nebenjob

Quirin kann sich mit seinem Nebenjob als DJ bis zu 1000 Euro im Monat hinzuverdienen. Er liegt damit zwar im Vergleich zu anderen Studenten über dem Schnitt, aber er kann nicht jedes Monat mit Einkommen rechnen, denn die Jobanfragen kann er nicht steuern.

Was bringt ein Nebenjob außer Geld und vielleicht einen Einstieg in den Job?

Patricio beim "Work around", dem Kontrollgang am Flugzeug, bevor er die Halle wieder verlässt.

Klar, wenn der Nebenjob im richtigen Arbeitsfeld liegt, sammelt man Praxiserfahrung. Man lernt dabei auch Soft Skills z.B.: Konzentration, Effizienz, Organisation, Zeitmanagement und Planung. Das wiederum hilft auch im Studium sich zu organisieren. Und man findet leichter heraus, welche Arbeit einem am besten liegt, welche Branchen einen interessieren und welche Aufgabenfelder. Im Nebenjob kann man sich ausprobieren.

Ist der Nebenjob Garant für den schnellen Berufseinstieg?

Arbeitgeber schauen nicht nur auf Berufserfahrung. Ihnen sind andere Soft-Skills ihrer Bewerber sogar wichtiger.

Quirin beim Soundcheck am Mischpult vor einer Veranstaltung.

Knapp über die Hälfte aller Studierenden jobbt wie Quirin und Patricio neben dem Studium. Doch neben dem Geldverdienen geht es noch um etwas ganz anderes bei den Nebenjobs: um Lebens- und Arbeitserfahrung und darum eigene Fähigkeiten und Kenntnisse einzusetzen, aber auch Grenzen kennenzulernen und natürlich auch um Spaß.


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