ARD-alpha - Campus Magazin


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Lernen Durch Töne vernetzen sich die Hirnregionen

Der Mozart-Effekt besagt: Klassische Musik macht uns schlauer. Also müssten wir mit Musik auch besser lernen können. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Von: Verena Hampl

Stand: 13.05.2016

Musik hilft beim Lernen. Das besagt zumindest eine von dem Musikstreamingdienst Spotify in Auftrag gegebene Studie. Angeblich konnte die britische Psychologin und Verhaltenstherapeutin Emma Gray sogar bestimmen, welche Musik zu welchem Fach passt und damit den Lernerfolg unterstützt. Für Mathe sollen sich demnach vor allem Songs mit einem Tempo von 50 bis 80 Beats pro Minute eignen, weil sie die linke, logische Gehirnhälfte stimulieren. Darunter beispielsweise „We Can’t Stop“ von Miley Cyrus oder „Mirrors“ von Justin Timberlake. Wer kreativ sein muss, sollte dagegen lieber „Firework“ von Katy Perry hören, das spricht die rechte Gehirnhälfte an. „Quatsch“, sagt Neurologe und Musiker Eckart Altenmüller.

"Durch das Musikhören werden fast alle Hirnregionen vernetzt, weil wir uns innerlich auch die Instrumente vorstellen und uns im Takt mitbewegen. Wir hören also innerlich und die Musik erzeugt bei uns starke Emotionen. Die beteiligten Hirnregionen werden in diesem Moment auch stärker durchblutet."

Eckart Altenmüller, Professor an der Hochschule für Musik in Hannover

Lieblingsmusik hilft

Dass wir nur eine bestimmte Musikrichtung hören müssen und dadurch ein Fach besser lernen können, stimmt laut Altenmüller nicht. Richtig ist aber, dass wir uns wohlfühlen, wenn wir Musik hören, die wir gerne mögen. Dadurch werden wir leistungsfähiger. Wir sollten beim Pauken also Musik hören, die uns gut gefällt. Nur beim Auswendiglernen sollte man aufpassen.

"Sprachenlernen und dazu Text hören, das geht zum Beispiel gar nicht. Man nennt das Interferenz. Es vermischen sich die Hirnregionen, die gerade Wörter lernen mit den Hirnregionen, die die Wörter einfach nur hören. Das lenkt furchtbar ab."

Eckart Altenmüller, Professor an der Hochschule für Musik in Hannover

Für Vokabeln reine Melodien

Auch wer Eminem mag, wird sich schwer tun, mit Raptext im Ohr Vokabeln zu verinnerlichen oder Reihenfolgen zu pauken. Es sei denn, er interessiert sich gar nicht für die Musik. Denn dann geht sie tatsächlich sprichwörtlich „ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus.“

Wer sich von Musik stark beeinflussen lässt, darauf aber nicht verzichten möchte, sollte es beim Auswendiglernen lieber mit Instrumentalmusik probieren.

Und wer Mathe-Formeln auswendig lernen will, der kann sich ein Beispiel nehmen an Johann Beurich alias "DorFuchs". Johann studiert Mathe, Johann findet Mathe richtig "schön" und – er rappt Mathe. Die Titel seiner Songs lassen Mathe-Muffel an die dunkelsten Stunden ihrer Schulzeit denken: "Polynomdivision", "p-q-Formel" oder "Partielle Integration". Aber Johann alias "DorFuchs" ist überzeugt: Nicht die Mathematik ist schuld an ihrem schlechten Ruf, sondern die Art und Weise, wie sie vermittelt wird: Spaß im Mathe-Unterricht? Gleich null. Und deshalb rappt er, bekommt dafür Millionen Klicks und hat den Grimme-Online-Award gewonnen.

Wer noch gar nicht getestet hat, ob ihm Musik beim Lernen helfen könnte, dem rät Altenmüller: „Nimm Deine Lieblingsmusik und stelle sie so ein, dass Du noch ein bisschen was hörst. Aber es darf nicht zu laut sein. Dann lerne dazu.“


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