ARD-alpha - Campus Magazin


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Zukunft der Lehre Au Revoir, Frontalunterrricht?

Basiswissen vermittelt der Anglistik-Professor Jürgen Handke an der Uni Marburg nicht in Vorlesungen, sondern in Online-Tutorials. Live trifft er seine Studenten zum Fragen beantworten. „Inverted Classroom“ heißt das Lernmodell.

Von: Lisa Böttinger, Florian Falzeder

Stand: 10.11.2015

Prof. Dr. Jürgen Handke , Universität Marburg, diesjähriger Gewinner des Ars legendi-Preises für exzellente Hochschullehre | Bild: Lisa Bottinger

CM: Herr Handke, Ihre Lehrveranstaltung „History of English“ ist ein Online-Tutorial. Was ist denn das für eine Veranstaltung?

"Es geht darum, wie sich die die englische Sprache entwickelt hat, von ihren Anfängen bis heute. Das war jahrelang eine Vorlesung, wo ich vorne gestanden habe und diese Inhalte jahraus, jahrein, immer wieder ähnlich vorgetragen habe. Und irgendwann habe ich mir gesagt: Das muss ich doch nicht immer jedes Mal aufs Neue machen! Das kann man doch mit digitalen Medien auch machen; diese digitalen Medien erzeugen und dann im Unterricht die entsprechenden Inhalte vertiefen. Das ist der Grundgedanke dieser Lehrveranstaltung. Insofern weiß ich selber gar nicht, ob sie noch eine Vorlesung ist, ob sie eine Übung oder ein Seminar geworden ist. Es ist einfach eine Lehrveranstaltung, die vollständig digitalisiert ist."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Was für ein Konzept steckt dahinter?

"Das Konzept kommt ursprünglich aus den USA und nennt sich Inverted Classroom. Was man vorher innerhalb des Hörsaals gemacht hat, nämlich die Inhalte zu vermitteln, macht man jetzt außerhalb des Hörsaals. Die Inhaltsvermittlung erfolgt digital, über entsprechende Medien: Videos, multimediale Lerneinheiten und auch über Texte. Die Studierenden bereiten sich digital vor und kommen dann in die Präsenzphase. Dort kann man jetzt die Inhalte vertiefen, intensivieren, diskutieren, und ganz tief in die Materie eindringen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Warum machen Sie das?

"In der klassischen Vorlesung, da reden Sie 90 Minuten, es melden sich vielleicht zwei oder drei, die überhaupt eine Frage stellen, ansonsten reden Sie einfach wie gegen eine Wand. Hinten sitzen vielleicht welche, die pflegen ihren Facebook-Account, andere twittern und wiederum andere lesen irgendetwas. Aufmerksam ist da keiner. Sie gehen am Ende hinaus, alle klopfen, fanden es möglicherweise sogar toll, aber meistens wohl eher nicht. Und Sie gehen völlig frustriert aus dem Hörsaal und fragen sich: Wen habe ich jetzt eigentlich erreicht? Mit dem Konzept, das ich jetzt mache, kann ich ganz viele Studierende erreichen. Ich rede mit ihnen, wir diskutieren, wir vertiefen, wir üben. Ich gehe durch die Reihen und ich rede mit ganz vielen.  Ich weiß jetzt, dass das, was ich sage und dort individuell diskutiere, dass das auch ankommt."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Was bedeutet das für Sie?

"Ich habe hinterher eine gewaltige Lehrzufriedenheit, die ich vorher nie hatte. Nach einer Lehrveranstaltung weiß ich sehr genau: Warum habe ich die Lehrveranstaltung überhaupt gehalten und was hat das Publikum davon gehabt? Ich war lange Jahre Rockmusiker. Was ist die Zufriedenheit eines Musikers auf der Bühne? Das ist, wenn die Leute klatschen, wenn sie von Herzen klatschen. In der Hochschullehre, da klopfen die Leute seit 30 Jahren, aber sie klopfen auch, wenn etwas nicht gut war. Sie klopfen, weil es sich so gehört. Ich möchte gerne erreichen, dass die Leute klopfen, wenn sie zufrieden damit sind, was ich da mit ihnen veranstaltet habe. Das ist für mich Lehrzufriedenheit."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Das klingt sehr lohnend. Warum setzen nicht mehr Ihrer Kolleginnen und Kollegen auf dieses Modell?

"Ich muss eines tun, da haben viele Kolleginnen und Kollegen in Deutschland große Schwierigkeiten: Ich muss von der Bühne des weisen Menschen herunter steigen und mich auf Augenhöhe mit den Lernenden begeben. Ich bin zu einem Lernbegleiter geworden. Sie sehen in diesen Veranstaltungen: Ich muss mich hinab begeben, ich muss sogar in die Kniebeuge gehen, um diese Augenhöhe zu erreichen. Ich bin nicht mehr der große Zampano auf der Bühne, sondern auf Augenhöhe mit den Lernenden. Viele Lehrende haben damit, glaube ich, sehr große Probleme, dieses Herabsteigen von der Bühne des Gralshüters des Wissens. Das sind die deutschen Hochschullehrer und auch die internationalen Hochschullehrer heute nicht mehr, denn das Wissen steckt im Internet."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Was macht das mit Ihnen, dieses Herabsteigen von der Bühne?

"Das fühlt sich zum Teil fast entwaffnend an. Ich habe keine Schutzzonen mehr um mich herum. Ich bin Teil des Publikums geworden, vielleicht mit ein bisschen mehr Hintergrundwissen als die Lernenden, aber das ist auch alles. Ich stehe jetzt in voller Körpergröße vor den Studierenden, kann mich nicht mehr hinter einem Pult verschanzen, sondern ich bin sichtbar, mit allem, was ich habe. Mit meinem gesamten Körper. Das ist nicht jedermanns Sache."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Gerade Lehrvideos fordern Dozenten aber auch eine Menge Medienkompetenz ab.

"Die Medienkompetenz vor 30 Jahren beschränkte sich darauf, die Drei-Schalter-Stellung eines Overhead-Projektors zu bedienen und das entsprechende Licht einzuschalten. Mehr war da nicht. Die Folien, die man verwendet hat, sahen vielleicht entsprechend aus. Dann kam Power Point, dann kam das Internet dazu. Es kamen immer mehr Formen dazu, die man in der Lehre einsetzte, neue Technologien wie interaktive Whiteboards, Tablets, und so weiter. Ich denke, wer mit Herzblut Lehrer und Lehrerin ist, sollte sich diese Techniken von selbst erarbeiten. Man muss das Interesse haben, die Neugier, die Leidenschaft, das auch einsetzen zu wollen. Und wichtig ist: Man muss auch Rückschläge in Kauf nehmen. Das funktioniert nicht immer so, wie man sich das denkt. Und man kann ja eines machen, was wir alle tun, wenn wir zum Beispiel mit unserem Smartphone Probleme haben: Ich frage meinen Sohn. Warum soll ich nicht die Studierenden fragen, wenn ich ein Problem habe? Die können mir bestimmt helfen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Der Inverted Classroom bereitet Ihnen aber auch eine Menge Arbeit.

"Ein Nachteil der Digitalisierung allgemein ist, dass ein unglaublicher Aufwand betrieben werden muss, der natürlich auch finanzielle und personelle Ressourcen verschlingt. Das darf man nie vergessen. Es müssen Videos gedreht, multimediale Lerneinheiten gemacht, Texte digitalisiert werden. Das Urheberrecht muss beachtet werden. Da gibt es unendlich viele Probleme und Anstrengungen, die auf einen zukommen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Wird sich das nicht im Laufe der Jahre amortisieren?

"Das glaube ich kaum. Klar, ein Video, das einmal erzeugt wurde, hat eine gewisse Halbwertszeit, die liegt in etwa, je nach Fach, bei drei bis fünf Jahren. Manche Videos können erstmal so bleiben. Ein Video zum Thema Altenglisch muss ich kaum verändern, denn die Sprache des Altenglischen, das war von 700 bis 1100, da passiert nichts mehr. Aber auch das Video wird irgendwann neu gemacht werden, weil ich vielleicht mit der Medientechnik und Mediendidaktik nicht zufrieden war, die ich vor einigen Jahren verwendet habe. Videos können nicht ewig so bleiben, wie sie sind. Die Inhalte ändern sich auch, in manchen Fächern sehr schnell, in manchen geht das eher langsam von statten. Insofern ist dieser Amortisationseffekt eher gering."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Eine vorbereitete Vorlesung als YouTube-Video ist ja auch gewissermaßen vorgekautes Wissen, könnte man vorwerfen. Würde das Ihrer Meinung nach für alle Studiengänge und Fächer Sinn machen, Wissen so aufzubereiten?

"Alles, was im Bereich der Digitalisierung gemacht wird, ist fachspezifisch. In unserem Fach der Linguistik – wir sind so eine Art naturwissenschaftlich orientierte Geisteswissenschaft – ist es sehr leicht, digitale Lernmaterialien zu erstellen, weil die Linguistik kein Schulfach ist. Daher müssen wir viel Grundlagenwissen in diese Lehrmaterialien packen. In anderen Fächern ist es vielleicht noch leichter. In der Informatik oder in der Mathematik, wo man ständig neue Berechnungen vorführen kann. In wiederum anderen Fächern wie Soziologie, Politologie, Geschichtswissenschaften oder Literaturwissenschaften ist es sehr schwierig, weil man da ja immer wieder neue Autoren und neue Texte behandelt. Aber alle Fächer haben eines gemeinsam: Sie haben Inhalte, die ständig wiederholt werden. Jedes Fach hat einen Glossar. Und diese Glossar-Begriffe lassen sich alle digitalisieren."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Aber dieses Konzept – erst die Vorbereitung, dann die Vertiefung – das ist doch nichts Neues, oder? Seminare zum Beispiel gibt es schon eine ganze Weile.

"Das Problem ist nur, in der klassischen Lehre war ein typisches Szenario: Lesen Sie bitte bis zur nächsten Woche Seite 1 bis 37 in folgendem Werk. Dann hat man eine Woche später gefragt: Wie viele von Ihnen haben das eigentlich gelesen und durchdrungen? Gelesen haben es vielleicht zehn Prozent, durchdrungen zwei. Ich kenne die Daten nicht, aber der Prozentsatz war extrem gering. Mit diesen neuen Materialen – Video, Multimedia, natürlich auch Texte – werden die Inhalte zumindest flexibler durchdrungen. Denn jeder kann seinen eigenen Lernweg wählen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Eine Evolution also, im Bereich der Digitalisierung?

"Dadurch, dass diese Vorbereitung nun digital ist, haben wir auch bessere Möglichkeiten der Überprüfung. Wir können nämlich jetzt feststellen: Haben die Studierenden das auch wirklich gemacht? Diese Überprüfung macht man heute durch elektronische Prüfungsformate, die mir vor der Präsenzphase sehr genau sagen: So und so ist der Stand des Seminars, der Übung oder der Lehrveranstaltung."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Sie können also Ihre Studierenden besser kontrollieren...

"Wir nutzen es aber nicht zur Kontrolle, wir nutzen diese Effekte und das Wissen dazu, dass wir in der Präsenzphase die entsprechenden Inhalte einbringen. Wenn zum Beispiel in einem Kurs das Vorbereitungslevel, wir nennen das Mastery Level, bei 80 Prozent liegt – das heißt 80 Prozent der Studierenden haben die Tests ordentlich bestanden –, dann weiß ich, ich muss nicht viel wiederholen. Wenn es aber nur 20 Prozent sind, dann weiß ich, was ich zu tun habe: Ich habe ein bisschen mehr Frontalanteile in einem solchen Szenario durchzuführen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Seit diesem Semester haben Sie zusätzlich zum Inverted Classroom noch ein weiteres Kursmodell eingeführt, die sogenannten FLOCK. Was ist das?

"FLOCK bedeutet flexibler On-Campus Kurs, ein Akronym. Wir haben jahrelang geglaubt, dass die Studierenden die Digitalisierung per Fußabstimmung einfordern würden. Das ist überhaupt nicht der Fall gewesen. Studierenden ist es eigentlich relativ egal, wie gelehrt wird. Hauptsache, sie bekommen ihre Credit Points."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Und jetzt?

"Jetzt haben wir aber ein Konzept entwickelt, das erstmalig sichtbare Vorteile für Studierende bringt, nämlich die Möglichkeit, ihren eigenen Lernrhythmus zu wählen. Sie können ihre digitalen Lerneinheiten im klassischen sieben-Tages-Rhythmus, aber auch schneller, im fünf- oder drei-Tages-Rhythmus absolvieren. Dadurch können sie die Abschlussklausur, die eigentlich immer am gleichen Tag am Ende des Semesters liegt, zeitlich verlegen; sie können sie im Januar oder, wenn sie ganz schnell sein wollen, schon im Dezember machen. Dieser Vorteil ist beim ersten Mal von den Studierenden sehr gewürdigt worden. Bei uns haben die Studierenden sich sehr dafür eingesetzt, dass dieses Konzept mit dem Prüfungsamt, mit den curricularen Bestimmungen in Vereinbarung gebracht wurde. Es ist durch die Gremien gegangen. Das ist, glaube ich, das erste Mal bundesweit, dass hier ein wirklicher Studierbarkeitseffekt erzielt wurde. Aber wir prüfen das Konzept ja noch. Wir wissen ja noch gar nicht, ob's so richtig funktioniert."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Aber Sie halten jetzt nicht drei Veranstaltungen pro Woche?

"In der Präsenzphase haben wir jetzt drei Gruppen sitzen. Die einen, die im drei-Tages-Rhythmus, die anderen, die im fünf-Tages-Rhythmus und die dritte Gruppe, die im sieben-Tages-Rhythmus den Kurs absolviert. Das heißt, die sind auf unterschiedlichen Wissensebenen. Wiederum eine hohe Anforderung in der Präsenzphase, aber wir Lehrende müssen das hinbekommen. Das ist Aufgabe eines modernen Lehrerberufs."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Inwiefern honoriert denn die Uni Ihre Bemühungen?

"Die Honorierung unserer Bemühungen durch die Hochschule ist jahrelang eher etwas unterschwellig gewesen. Mittlerweile haben uns natürlich auch die Preisgewinne sehr geholfen. Man wird plötzlich doch sehr stark akzeptiert. Aber es gibt bei uns hier an der Hochschule eine Lenkungsgruppe Neue Medien, die jahrelang sich für diese Thematik eingesetzt hat, die Unterstützung und technische Infrastruktur geliefert hat, auch Projektgelder ermöglicht hat. Es ist also nicht so, dass unsere Hochschule nichts tut, aber sie tut halt flächendeckend nichts in Sachen Digitalisierung einzelner Fächer. Da haben wir noch Aufhol- und Nachholbedarf. Aber die Strukturen sind da. Jetzt gilt es, die zu nutzen. Es sind neue Bemühungen da, die Medizin will einen MOOC einrichten, die Pädagogik will einen MOOC einrichten."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Aber MOOCs, Massive Open Online Courses, sind ja nicht wirklich der Weg zu einer digitalisierten Hochschule, die Digitales und Präsenzveranstaltung vereint.

"Nein, aber es sind zumindest Bemühungen, die man sehen muss. Wir haben auch ein Präsidium, das sich mittlerweile für die Thematik sehr interessiert. Es geht gut voran."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Kriegen Sie Ihre Bemühungen auch entlohnt?

"Nein, eine Entlohnung gibt es nicht. Wenn Sie jetzt denken, ich bekomme ein höheres Gehalt durch die Digitalisierung – überhaupt nicht. Was man als Vorteil für den Lehrenden gewinnt, ist zum einen die erhöhte Lehrzufriedenheit und zum anderen etwas, was man erreichen kann, wenn man seine Materialen als Open Educational Resources freigibt: Dann bekommt man nämlich, wenn sie gut sind, internationale Anerkennung. Und diese Anerkennung ist schon toll, das muss ich sagen. Denn in der klassischen Lehre kommt ja keiner zu Ihnen und sagt: Mensch, Herr Handke, das war ja toll, wie Sie unterrichtet haben. Macht ja keiner. Man hospitiert nicht gegenseitig, man weiß gar nicht, wie der Kollege oder die Kollegin lehrt. Man bekommt kein Lob, auch keinen Tadel, es wird einfach ignoriert. Aber durch gute Lehrvideos auf YouTube überschlägt sich die internationale Community geradezu mit Lob und ich kann nicht verhehlen, das macht schon Spaß."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Ihr Uni-Channel, Virtual Linguistics Campus, ist ja jetzt auch kein kleiner, oder?

"Nein, das freut uns auch. Das ist ein hoher Werbeeffekt, ein hoher Bekanntheitsgrad. Das macht Spaß und ich kenne auch die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, die mit ähnlichen Videos unterwegs sind, die reden genauso. Das ist etwas, das man sonst so nicht bekommt. Das ist für uns ein großer Ansporn, das immer noch besser zu machen, auch in der internationalen Konkurrenz, den internationalen Wettkampf aufzunehmen und zu sagen: Ok, wenn eine andere Hochschule auch gute Videos herstellt, dann wollen wir gucken, wie wir mit denen entweder konkurrieren oder auch harmonieren können."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Wie allein stehen Sie denn in der deutschen Hochschullandschaft mit Ihren Konzepten?

"Es ist ein kleines Pflänzchen, das allmählich sprießt. Das Inverted-Classroom-Konzept verbreitet sich in Deutschland immer weiter, spätestens, seitdem wir 2012 eine jährliche Konferenz einberufen haben. Über den Daumen gepeilt gibt es bestimmt schon eine dreistellige Zahl von Lehrveranstaltungen, die in Deutschland nach diesem Konzept durchgeführt werden. Die Video-Kanäle werden größer, die Plattformen werden größer, es gibt immer mehr Online-Angebote in Deutschland. Wir sind auf einem guten Weg, aber jetzt gilt es wirklich, auch mal richtig in die Hochschulen rein zu gehen und zu sagen: Jetzt zieht es doch mal endlich durch!"

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Es gibt also mittlerweile Initiativen und Förderungen für die Lehre an Hochschule. Aber im Vergleich zu Forschungsgeldern, sind die doch sehr gering, oder?

"Im Vergleich zur Forschung ist die Lehre das absolute Stiefkind an den deutschen Hochschulen. Wenn Sie allein nehmen, der Leibniz-Preis ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert, der Ars legendi-Preis mit 50.000 Euro. Da muss ich eigentlich nicht mehr sagen. Die Bundesländer investieren weitaus mehr Gelder in die Forschung als in die Lehre."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Und was wäre Ihrer Ansicht nach die Lösung?

"Wenn zum Beispiel die Hochschulen auf ihren Homepages einen Link hätten, auf dem steht: Lehre, innovative Lehrkonzepte, Online-Angebote, Preisträger, Exzellenz-Initiativen in der Lehre... All das gibt es überhaupt nicht, oder wenn, dann nur an ganz wenigen Hochschulen. Es wäre uns viel damit geholfen, wenn die Lehre etwas mehr Wertschätzung erfahren würde. Das muss nicht notwendigerweise mit hohen Dotierungen sein. Das kann etwa auch mit Mitteln für studentische Hilfskräfte geschehen. Das kann mit einer allgemeinen Wertschätzung einhergehen."

Prof. Dr. Jürgen Handke

CM: Vielen Dank für das Gespräch.


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