ARD-alpha - Campus Magazin


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Rap und Beats, Roman und Poesie Kreatives Schreiben lernen

Die einen haben Talent, andere Ideen und Inspiration zu schreiben, und wieder andere den Willen, aber kann jeder "Kreativ Schreiben" lernen? JEIN heißt die Antwort. Campus Magazin zeigt, wo die Grenze zwischen Handwerk und Talent beim Schreiben liegt.

Von: Christian Wurzer

Stand: 28.11.2016

Erik rappt - in der Bibliothek, auf dem Heimweg, beim Einkaufen, wann immer ihm etwas einfällt. Beim Texteschreiben für seine Raps formuliert der Anglistik-Student aus Eichstätt das, was ihn bewegt und wozu ihn andere inspirieren. Schreibblockaden, Schaffenskrisen, die kennt Erik nicht, denn seine Themen findet er im Alltag.

Erik studiert Anglistik und Germanistik an der Katholischen Uni in Eichstätt.

"Ich schreibe immer aus meiner Perspektive. Es mag auch sein, dass ich über jemand anderen schreibe, dessen Werdegang mich beeindruckt, aber das geht immer erst durch mich und wird durch meine Gedanken gefiltert und dann nochmal entsprechend in meiner Sprache ausgedrückt. Im Grunde sind das aber schon Dinge, die andere Menschen in mit auslösen und die ich dann irgendwie ausdrücken möchte."

Erik Lutz, Rapper

Rappen ist Eriks Art, Ordnung in seine Lebenswelt zu bringen. Aber nicht jedem geht es so, dass er einfach losschreiben kann, nur weil ihm danach ist. Du hast vielleicht Ideen, aber sie zu Papier zu bringen, das ist schwierig. Was tun?

Prinzipiell kann jeder schreiben und Geschichten erzählen.

Für das literarische Schreiben braucht es jedoch auch ein gewisses Talent, das, sind wir ehrlich, nicht jeder gleichermaßen besitzt. Neben dem Sprachgefühl zeichnen Inspiration und Kreativität das literarische Talent aus, das du zum kreativen Schreiben brauchst. Aber ist Talent nicht alles. Kreatives Schreiben ist bis zu einem bestimmten Grad auch Handwerk - und das ist erlernbar. 

Viel Lesen hilft, kreativ zu schreiben

Als grundlegende Voraussetzung für kreatives Schreiben gilt für den Literaturwissenschaftler Dr. Michael Kleinherne das Lesen. Zusätzlich vertiefst du, wenn du schreibst, durch das Lesen dein Sprachgefühl und dein individuelles Sprachempfinden. Auch was die Form und den Aufbau von literarischen Texten angeht, erhältst du als schreibender Leser einen tieferen Einblick.

 

Dozent für kreatives Schreiben am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der KU Eichstätt-Ingolstadt

"Wer viel liest, der hat einen größeren Fundus aus dem er schöpfen kann, um selbst etwas zu schreiben."

 Dr. Michael Kleinherne 

Beim aufmerksamen Lesen kannst du erkennen, wie ein Autor etwa seinen Roman strukturiert, die Handlung aufbaut und zuspitzt, Charaktere konstruiert und mit diesen spielt. Doch lesen alleine reicht nicht – der Griff zur eigenen Feder ist unumgänglich. Du musst auch selber schreiben. 

"Ich hab jahrelang Deutschrap gehört. 2005 der erste Mal; da war gerade die Blütezeit von 'Aggro Berlin' zum Beispiel, und dann habe ich VIVA geschaut und Deutschrap entdeckt. Ich war total angefixt von Anfang an. 2008 war ich dann das erste Mal mit einem eigenen Text auf der Bühne. Also ich denke mal, weil ich ein ziemlich großer Rap-Fan war, hat sich dass dann ergeben, dass ich selbst angefangen habe zu rappen. Ich habe gar nicht nach einer spezifischen Ausdruckform gesucht. Ich hatte einfach Spaß dran, dass das mit einer Ausstattung, die jeder zuhause hat, nämlich mit einem LapTop und einem Drei-Euro-Fünfzig-Mikrophon, funktioniert, dass man mit so was Eigenes produzieren kann, das hat mich gereizt."

Erik Lutz, Rapper

Fremde Geschichten weiterschreiben

Zum Einstieg in den eigentlichen Schreibprozess ist es hilfreich, Texte von anderen Autoren weiterzuschreiben und sie um unterschiedliche Erzählperspektiven zu erweitern. Damit erhälst du ein Gefühl für die Botschaft des Autors. Solche Übungen fördern die Fähigkeit, zentrale Botschaften in deine eigenen Texte einzubetten. 

"Rap ist Literatur; und zwar voll und ganz, das steht für mich außer Zweifel, du kannst, wie du Gedichttexte analysierst, auch die Rap-Texte rappen. Wir haben Andreas Gryphius mal gerappt, wir haben Faust mal gerappt. Das ist alles easy, das ist auch im Metrum geschrieben, das passt. Das kriegst du schon auf nen Beat gepresst."

Erik Lutz, Rapper

 Lass dich bei deinen ersten Schreib-Schritten begleiten

Kursangebote wie an der Bayerischen Akademie des Schreibens gibt es viele. Dr. Kleinherne zum, Beispiel gibt Seminare an der Universität, Workshops für das Kulturamt und das Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt. Dort macht er mit seinen Kursteilnehmern solche Übungen und begleitet sie gerade zu Beginn des Schreibprozesses. Durch das aktive Hinter-den-Text-Blicken will er den Schreibenden einen neuen Zugang zur Literatur zu vermitteln.

Julian Rößner komponiert die passende Musik für Eriks Raps.

Julian will Lehrer werden, für Englisch und Erdkunde am Gymnasium. Seit zwei Jahren hat Julian Hip Hop Musik als Hobby für sich entdeckt. Angefangen hat alles mit einer HandyApp, mit der er die Beats produzieren konnte. Inzwischen hat er etwas aufgerüstet und komponiert die Musik für Eriks Raps. Dazu treffen sich die beiden oft in Eriks kleinem Studentenappartment und rappen. Wie alles weitergeht ist offen.

"Wir lassen alles einfach auf uns zukommen, wir hatten halt bisher ein paar kleinere Auftritte, wenn bei Freunden eine Party war oder so, das hat uns gut gefallen, aber wenn was größeres reinflattert, dann nehmen wir das gerne an. Wir haben jetzt da keinen Businessplan erstellt, wir studieren ja beide auch nebenher, ja."

Julian Rößner, Musiker

Sprich über Deine Texte mit anderen

Er rät auch, die Texte nicht für sich zu behalten, selbst wenn sie noch nicht druckreif sind. Stattdessen ermutigt er bereits während dem Schreibprozess die eigenen Texte mit anderen zu teilen. So erhältst du Rückmeldungen, die hilfreich sind und auch aufbauen können. Texte teilen - dazu gehört auch das Vortragen eines eigenen Textes, beispielsweise im Kurs oder im Freundeskreis. Kurzum: Praxis ist das A und O des Schreibens.

"Ich habe mich vor kurzem mit einer Freundin unterhalten, die hat gesagt: ‚Deine Texte sind zwar sehr direkt, aber dafür versteht man halt nicht alles, was du meinst; nur du verstehst das.‘ Jetzt bin ich wieder mehr so drauf, dass ich sage: Ich orientiere mich mehr am Zuhörer, aber das Pendel schlägt bestimmt auch wieder in die andere Richtung aus."

Erik Lutz, Rapper

Gleichgesinnte finden, zum Beispiel in Kursen

Viele Kurs-Angebote befassen sich mit Techniken und Methoden des kreativen Schreibens, und im Netz findest du auch Kontakte zu Verlagen, die dein erstes Buch herausbringen könnten. Einfach probieren! Hier findest du hilfreiche Links: 

 

 


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