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Duales Studium Doppelte Arbeit – schnelle Karriere?

Das Duale Studium verspricht den schnellen Berufseinstieg, und wird nicht zuletzt deshalb immer beliebter. Aber klappt das tatsächlich? Und welchen Preis hat die vorgezeichnete Route?

Von: Stefan Geier

Stand: 14.08.2016

Ein Studium ist ein langer Weg. Zuerst mehrere Jahre Theorie büffeln, dann endlich: der Abschluss. Und für manche folgt trotzdem ein Praktikumsmarathon. Denn erstens muss man selbst herausfinden, welcher Beruf zu einem passt. Und zweitens wollen auch die Unternehmen wissen, wen sie sich da ins Haus holen.

  Alternative – Duales Studium

Dollar-Leuchtreklame | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Entscheidungshilfe Bist du der Typ für ein duales Studium?

"Wer es nicht an die Uni schafft, studiert dual", hieß es früher. Die Zeiten sind längst vorbei, duale Studiengänge werden immer Beliebter. Aber nicht für jeden sind sie auch das Richtige. [mehr]

Das Dualen Studium verspricht Praxis mit Theorie zu vebinden. Während des Semesters wird an der Hochschule gelernt, in den Semesterferien in einem Partnerunternehmen gearbeitet. Gerade für Leute, die wissen, wohin sie nach dem Studium wollen, ist das eine attraktive Kombination. Es ist zwar anstrengend, aber man verdient Geld. Manche Unternehmen bezahlen die Studenten selbst während des Semesters. Für viele Studierende ist dies mitausschlaggebend, wie eine aktuelle Studie des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung zeigt. Wichtiger für die Aufnahme eines dualen Studiums ist demnach nur der hohe Praxisbezug.

Verschiedene Möglichkeiten

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dual zu studieren: Man kann eine komplette Ausbildung integrieren, einen hohen Praxisanteil wählen oder berufsbegleitend studieren. Die Plätze sind jedoch rar: Auf einen Studienplatz kamen 2013 33 Bewerber. Doch viele Unternehmen und Hochschulen bauen das Angebot aus. Inzwischen gibt es rund 1.000 duale Studiengänge.

Hoher Aufwand

Lockere, selbst gestaltetete Semester, mehrere Monate Semesterferien. Feiern, Urlaub machen, die Welt entdecken – die klassische Vorstellung eines Hochschulstudiums kann das Duale Studium nicht erfüllen. "Es gab schon Zeiten, da hätte ich das Studium gern in die Tonne geklopft", sagt Renate Merk, die im Sommer ihr Duales Studium in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hat. Insbesondere dann, wenn ihre Freunde Semesterferien hatten und sie bei ihrem Partnerunternehmen arbeiten musste. Wenn dann noch Klausuren anstehen, wird es stressig. Doch Merk sieht auch Vorteile: „Ich habe während des Studiums immer Geld verdient und hatte nach dem Abschluss schon den Fuß in der Tür meines jetzigen Arbeitgebers“.

Vier Möglichkeiten, dual zu studieren

Doppelabschluss: Studium und Ausbildung

Ausbildungsintegrierende Studiengänge verbinden Studium mit einem anerkannten Ausbildungsberuf. Studienphasen und Berufsausbildung sind zeitlich und inhaltlich miteinander verzahnt. Am Ende hat man nicht ein Hochschulzeugnis in der Hand, sondern auch einen zweiten Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit Kammerprüfung erworben.

Unternehmenspraxis im Studium

Während eines praxisintegrierenden dualen Studiums  wechselt man zwischen Hörsaal und längeren Praxisphasen im Unternehmen. Auch hier gibt es idealerweise wieder einen inhaltlichen Bezug. Voraussetzung für eine Immatrikulation in einen solchen Studiengang ist eine vertragliche Bindung an ein Unternehmen. Man bindet sich also an einen Betrieb, meistens auch für einige Jahre nach Ende des Studiums

Halbzeit-Studium im Beruf

Berufsintegrierende duale Studiengänge sind für die berufliche Weiterbildung gedacht. Man arbeitet auf Teilzeitbasis in seinem angestammten Beruf, bildet sich aber parallel an einer Universität weiter – meistens mit hohem Praxisbezug zur bisherigen und künftigen Tätigkeit.  

Vollzeit-Student und Vollzeit-Arbeiter

Nur was für Workaholics. Berufsbegleitend dual zu studieren heißt nämlich, dass das Studium neben einer Vollzeitberufstätigkeit absolviert wird - hauptsächlich im Selbststudium mit Begleitseminaren. Im Unterschied zu normalen Fernstudiengängen bekommt man bei diesem Modell aber Unterstützung vom Betrieb: Das kann beispielsweise die Freistellung von der Arbeit für die Präsenzphasen oder das Bereitstellen von betrieblichen Arbeitsmitteln sein.

Unternehmen wollen Talente sichern – der Kick für die Karriere

An die 90 Prozent aller Dualstudierenden werden laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung von ihrem Unternehmenspartner sofort übernommen. "Wir wollen natürlich, dass das Know-How, das sie in der Hochschule bekommen haben dann auch dem Unternehmen zur Verfügung steht", sagt Salvatore Iaquinta, Ausbildungsleiter bei Premium Aerotech, einem Hersteller von Flugzeugteilen in Augsburg. Von den Dualen Studenten, die bisher im Unternehmen waren, wurden alle übernommen.

Theorie oder Theorie und Praxis?

Bezahlt studieren und schneller Berufseinstieg. Wer weiß, wo er später beruflich einmal hin will, für den ist das Duale Studium eine attraktive Kombination. Noch sind die Dualstudenten eine kleine Minderheit. Geht es nach den Unternehmen, könnte sich das aber ändern.


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