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Studieren in den USA Internationale Beziehungen in Boston

Charlotte Carnehl war Stipendiatin des Fulbright-Programms in Boston und hat dort Internationale Beziehungen studiert. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen in den USA und vom einzigartigen "Fulbrighter-Spirit".

Von: Charlotte Carnehl

Stand: 03.03.2016

Charlotte Carnehl war Stipendiatin des Fulbright-Programms in Boston und hat Internationale Beziehungen studiert.  | Bild: Privat / Charlotte Carnehl

"Welcome to the Mecca of education." Mit diesem Satz begrüßte der Dean der McCormack Graduate School uns neue Studenten an der University of Massachusetts Boston. Und er hatte Recht: Mit mehr als 50 Universitäten und Colleges ist Boston ein Ort, der inspirierende und clevere Menschen aus allen Teilen der Welt anzieht. Ich studiere Internationale Beziehungen. Für dieses Fach (und viele andere) ist Boston ein großartiger Ort.

Wenn wir uns in der Welt umschauen und die Beziehungen zwischen Akteuren in der internationalen Politik beobachten, hängen unsere Interpretationen und Sichtweisen zu einem erheblichen Teil davon ab, wo wir aufgewachsen sind und welchen politischen Realitäten wir in unserem Heimatland ausgesetzt sind. Da diese Perspektiven eine wichtige Rolle spielen, ist es wirklich beeindruckend, seine Studienzeit mit Professoren und Kommilitonen aus so vielen unterschiedlichen Ländern wie Kanada, Äthiopien, Israel, dem Libanon, Mexiko, Palästina, Ruanda, der Türkei und den USA zu verbringen. Internationale Beziehungen in Boston zu studieren, ist daher nicht nur auf theoretischem Level international, sondern vor allem in der Praxis.

Multikulti in Massachusetts

Das in meinen Augen beeindruckendste am Fulbright-Programm ist die Gemeinschaft von außergewöhnlichen Persönlichkeiten. Eine so große Gruppe netter, offener und interessanter Menschen aus der ganzen Welt zu treffen, ist wirklich einzigartig. Das Fulbright Massachusetts Chapter organisiert monatliche Bar-Abende sowie Konzert- oder Museumsbesuche, um Studenten und Alumni zusammenzubringen. Vor kurzem besuchte ich ein Fulbright Enrichment Seminar in Washington, D.C. Das Seminar gab Fulbright-Studenten im ersten Jahr ihres Masterstudiums die Möglichkeit, mehr über Sozialunternehmertum und Innovation zu lernen und ihre Ideen zu innovativen Lösungen für soziale Herausforderungen auszutauschen. Vier Tage lang hatten wir die Möglichkeit, uns mit Fulbrightern aus mehr als 75 Ländern zu unterhalten.

Durch Impulsvorträge und Panels lernten wir viel über Public Diplomacy und innovative soziale Projekte in und um Wahsington, D.C. .

In einem Kreativworkshop konnten wir unsere Ideen und Forschungsvorhaben den anderen Teilnehmern vorstellen und von ihrem Feedback profitieren. Während des Seminars besuchten wir auch eine TEDx Fulbright Konferenz, die moderiert wurde vom früheren Tagesthemen-Sprecher Ingo Zamperoni der, wie ich herausfand, auch in Boston mit einem Fulbright-Stipendium studiert hat.

Auf der Konferenz gaben uns Fulbrighter einen beeindruckenden Einblick in ihre Arbeit und Forschung. Der schönste Teil des Enrichment Seminars war das Home Hospitality Dinner. Frühere Fulbrighter oder Mitarbeiter des State Departments öffneten ihre Türen für uns und luden uns zum Essen zu sich nach Hause ein. Während des Abends lernten wir mehr über die Rivalitäten zwischen Buenos Aires und Montevideo, Traditionen und Bräuche in Kasachstan und Unterschiede in der Stadtplanung von US-Metropolen – all das in einer wunderbar offenen und warmen Atmosphäre.

Etwas aus Deutschland zurückgeben

Die "giving back"-Idee ist ein elementarer Bestandteil der amerikanischen Kultur. Ehrenamtliche Arbeit ist Teil des Lebens vieler Amerikaner. Die großartigen Erfahrungen, die ich während meines ersten Semesters in Boston sammeln konnte, weckten auch in mir den Wunsch, der Gemeinschaft, die mich so herzlich willkommen hieß, etwas zurückzugeben. Deshalb unterrichtete ich einen Kurs am Osher Lifelong Learning Institut (OLLI), einer Einrichtung die auf der Idee aufbaut, dass niemand zu alt zum Lernen ist. Mit einem großen Kursangebot für Studenten über 50 Jahre hat OLLI das Ziel, das intellektuelle, soziale und kulturelle Leben seiner Studenten zu bereichern.

An einem Montagmorgen im April stand ich vor 25 älteren Studenten, die alle an meinem Kurs "Discover Germany" teilnehmen wollten. In verschiedenen Treffen diskutierten wir Stereotype über Deutschland ("Die Deutschen tun so als seien sie organisiert, das sind sie aber nicht."), wir sprachen über die Einzigartigkeit zusammengesetzter Substantive ("Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän") und die Unterschiede zwischen dem politischen System in Deutschland und dem in den USA. Es war eine tolle Erfahrung mit einer älteren Generation von Amerikanern über mein Heimatland zu sprechen – und es hat mich gefreut zu sehen, welch positives Bild meine Studenten über Deutschland hatten.

Während unseres Fulbright-Vorbereitungsseminars vor der Abreise in Berlin sprachen viele Redner darüber, welch unvergleichliche Erfahrung es ist, Teil der "Fulbright Familie" zu sein. Dank meiner Erfahrung in den letzten Jahren hat diese für mich zuerst recht inhaltslose Phrase eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ich hoffe sehr, dass noch viele andere die Gelegenheit haben werden, ihre eigenen aufregenden Fulbright-Erfahrungen zu sammeln.

Länderinfo: USA

  • Beim Fulbright Programm handelt es sich um ein 1946 gegründetes internationales Austauschprogramm zwischen den USA und mittlerweile über 155 Staaten.
  • Das Fulbright Programm verfügt über ein einzigartiges Netzwerk aus US-Kongressabgeordneten, Regierungschefs, Außenministern, Nobelpreisträgern oder UN-Generalsekretären. Viele von ihnen waren früher einmal Fulbright-Stipendiaten.
  • Das Quartalsystem ist in den USA zwar weniger verbreitet, sorgt dafür aber umso mehr bei ausländischen Studenten für Verwirrung:  Das Studienjahr wird hier in 3 Terms (Fall, Winter und Spring) unterteilt. Es gibt die Option ein 4. Summer-Quarter zu nutzen. Jedes Quarter ist 10 Wochen lang.
  • Wenn ihr ein Wintersemester in den USA verbringen wollt, ist für euch das Semestersystem (Mitte August bis Mitte Dezember) besser geeignet als das Quartalsystem.
  • Einen Überblick über das US-Bildungssystem findest ihr hier: http://www.educationusa.de/de/studium/
  • Achtung: Wenn man in den USA studieren möchte, muss man ein Studentenvisum beantragen.
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