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Studieren in Frankeich Erfahrungen sammeln im Pariser OP

Tatjana Wahjudi verbringt zwei Semester mit Erasmus in Paris. Sie hat nicht nur eine tolle WG gefunden, sondern auch eine Praktikumsstelle im Rahmen ihres Medizinstudiums.

Von: Tatjana Wahjudi

Stand: 24.11.2015

Tatjana Wahjudi | Bild: Tatjana Wahjudi

Ich bin Tatjana und studiere Medizin in Lübeck. Allerdings habe ich mich dazu entschlossen, das vierte Studienjahr im Rahmen von Erasmus in Paris zu verbringen. Gründe dafür gab es genug: eine Großstadt entdecken, Französischkenntnisse aus der Schulzeit wiederbeleben, vom sehr praxisnah ausgerichteten Studiensystem in Frankreich profitieren.

Wirklich traumhafte Perspektiven: Der Blick aus Tatjanas WG-Zimmer

Seit Anfang Oktober lebe ich in einer WG unweit des ‚Gare du Nord’ und genieße aus meinem sonnigen Zimmer den Ausblick über Pariser Schornsteine. Und den Himmel, der mir hier besonders schön erscheint. Ob er das wirklich ist oder das nur damit zu tun hat, dass ich momentan begeistert bin von fast allem, was mich hier umgibt?

Die Vormittage verbringe ich - wie es in Frankreich ab dem dritten Studienjahr üblich ist - im Krankenhaus. Jeden Monat wechsele ich in ein anderes Fachgebiet, so dass ich vielseitige Einblicke erhalte. Angefangen habe ich in der Orthopädie, momentan lerne ich die Kinder- und Jugendheilkunde kennen.

Vorlesungen finden nachmittags statt und werden von den französischen Studenten nur sehr schlecht besucht. Oft erscheinen nur zehn bis fünfzehn von den 160 Studenten meines Semesters. Der Schwerpunkt liegt in Frankreich auf der praktischen Ausbildung. Das kommt mir sehr gelegen, denn der Kontakt zu Patienten macht mir großen Spaß und ist in Deutschland deutlich geringer ausgeprägt.

Radtour in Paris

Bereits nach dem Abitur spielte ich mit dem Gedanken, Ärztin zu werden. Ein eher abschreckendes Pflegepraktikum (frustrierte Ärzte und Krankenschwestern sowie drei Todesfälle innerhalb der ersten zwei Wochen) ließ mich jedoch zunächst andere Wege gehen. Dem medizinischen Bereich treu bleibend, absolvierte ich ein Duales Studium zur Wirtschaftsingenieurin in Kooperation mit der Medizintechnik-Sparte des Dräger-Konzerns.
Nach dem Studium arbeitete ich zunächst im Projektmanagement. Schon während dieser Zeit wurde mir jedoch bewusst, dass mein Beruf mich nicht vollständig erfüllte, und so engagierte ich mich vermehrt als Gruppenleiterin und Trainerin auf internationalen Konferenzen des Europäischen Jugendparlaments.

2012 fasste ich den Entschluss, zu guter Letzt doch noch das Medizinstudium aufzunehmen. Seither studiere ich mit großem Interesse und Spaß Medizin. Den Entschluss, noch einmal als ‚Ersti’ im Hörsaal zu sitzen, habe ich nie bereut. Ganz im Gegenteil genieße ich die Freiheiten, die das Studentenleben bietet, und das Privileg, ein so interessantes Fach studieren zu können, in vollen Zügen. Einen Teil meines Pflegepraktikums habe ich in Indonesien, dem Heimatland meines Vaters, absolviert und für eine Famulatur war ich Anfang des Jahres bei meiner Schwester in Frankreich.

Die letzten Semesterferien habe ich dazu genutzt, mich zur Yogalehrerin ausbilden lassen – ein idealer Ausgleich zum im Semester durchaus anstrengenden Studium. Im Moment könnte ich mir gut vorstellen, Kinderärztin zu werden. Ob sich dieser Wunsch noch ändern wird? Wer weiß. Das Leben ist nicht zu 100 Prozent planbar, das habe ich inzwischen erfahren. Und bin damit sehr zufrieden.

Länderinfo: Frankreich

  • Über 260 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sprechen Französisch und in etwa 70 Staaten ist es sogar eine der offiziellen Landessprachen.
  • Das Hochschulsystem in Frankreich ist etwas komplizierter als in Deutschland: Grandes Ecoles sind Elitehochschulen, die sich auf eine sehr spezifische Fachrichtung spezialisiert haben. Sie haben meist ein eigenes strenges Auswahlverfahren. Die Institutes Universitaires de Technologie bieten kurze Studiengänge von in der Regel zwei Jahren an. Sie dienen meist Technikern und Fachkräften der Industrie- und Dienstleistungssektoren. Die eigentlichen Universitäten in Frankreich bieten, wie in Deutschland, ein breiteres Spektrum an Fächern und Studienrichtungen.
  • An den Universitäten findet man, entsprechend den Departments und Fakultäten in Deutschland, verschiedene facultés oder auch Unité de Formation et de Recherche.  
  • Die Studiengänge unterteilen sich in drei Studienabschnitte (1er cycle, 2ème cycle, 3ème cycle). Seit 2006, nach den Bologna-Abkommen in Europa, haben die jeweiligen Abschlüsse landesweit einheitliche Namen: Licence, Master und Doctorat (entspricht Bachelor, Master und Doktorat)
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