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Forschen in Kanada „Der DAAD hat mich bei meiner Doktorarbeit unterstützt“

Nach seinem Psychologie-Studium an der Uni Köln war Jens Lange mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) an der University of British Columbia in Vancouver. Das Stipendium hat ihn während seiner Doktorarbeit gefördert.

Von: Jens Lange

Stand: 06.08.2016

Kanada | Bild: Jens Lange

Für den Aufenthalt in Kanada brauchte ich - in Absprache mit dem DAAD - ein sogenanntes study permit, das ich problemlos nach Ausfüllen einiger Dokumente bei der Citizenship and Immigration Canada online (http://www.cic.gc.ca/english) gegen Zahlung von knapp 200 $  bekommen konnte. Beim Grenzübertritt wurde das Visum dann endgültig ausgestellt, was mit kurzer Wartezeit und ohne Probleme automatisch am Flughafen gegen Vorlage des Dokumentes vom CIC ablief. Der „Papierkram“ war also bald erledigt und ich konnte mich voll und ganz auf mein Abenteuer in Kanada einlassen:

Schnell eine Unterkunft in Kanada finden

Vor meiner Ankunft in Vancouver habe ich noch eine Wohnung gesucht. Aus der Ferne war das etwas schwierig und ich empfehle, damit rechtzeitig anzufangen. Vancouver ist sehr beliebt bei Touristen und da mein Aufenthalt mit dem Beginn des Semesters zusammentraf, haben natürlich viele StudentInnen den Wohnungsmarkt belebt. Das war auch der Grund, warum ich nicht direkt auf dem Campus wohnen konnte. Schlussendlich habe ich über die Internetseite airbnb.com (http://www.airbnb.com)  eine Wohnung bei einer netten Vermieterin in einem Haus mit vierzehn anderen internationalen Studierenden südlich der Downtown gefunden. Gleich in der Nähe einer großen Einkaufsstraße (Granville Street) – diese Gegend kann ich nur empfehlen. Dort bieten Privatpersonen Zimmer in ihrem Haus an. Das Zusammenleben mit den anderen jungen Leuten aus aller Welt war eine große Bereicherung für mich. Schnell haben wir Freundschaften geschlossen und die Stadt gemeinsam erkundet. Die Miete betrug umgerechnet circa 600 € im Monat für rund 17m2 und geteilter Küche und geteiltem Bad, was meiner Erfahrung nach in Vancouver normal ist. Bei meinem Aufenthalt wurde mir noch genannt, dass die Seite Craiglist Vancover https://ww.vancouver.craigslist.ca eine gute Alternative bei der Suche nach einer Studentenbude gewesen wäre. Damit habe ich allerdings persönlich keine Erfahrung.

Meine Freizeit-Tipps für Vancouver

Vancouver ist meiner Erfahrung nach eine sehr sichere Stadt. Besonders im Vergleich zu vielen US-amerikanischen Metropolen. Ich konnte also jederzeit gefahrlos nachts durch die Straßen laufen oder auch den Bus nehmen.

"Die Kandier sind extrem nett, aufgeschlossen und zuvorkommend, was den Aufenthalt sehr angenehm macht. Die Stadt bietet viele Sehenswürdigkeiten und dank der guten Verkehrsanbindungen kommt man schnell von A nach B."

Jens Lange

Man kann zum Beispiel mit der Fähre in rund drei Stunden von Vancouver nach Vancouver Island oder in eineinhalb  Stunden nach Bowen Island fahren. Grouse Mountain oder die Capilano Suspension Bridge können per Linienbus in einer Stunden erreicht werden oder Whistler per Greyhound Fernbus für 45 $. Aber auch Vancouver selbst hat mit schönen großen Parks (hauptsächlich Stanley Park aber auch der Queen Elisabeth Park), einer tollen Bargegend (Gastown) oder dem Künstler- und Handwerkeridyll Granville Island neben den üblichen Angeboten einer Großstadt viel zu bieten.

Sport wird außerdem groß geschrieben und es ergeben sich sehr viele Möglichkeiten für Läufer, Schwimmer und Radfahrer. Das Rad ist auch das meistgewählte Fortbewegungsmittel. Da ich allerdings im Herbst in Vancouver war und es sehr viel und intensiv regnen sollte (was dann nicht passiert ist), habe ich mir kein Fahrrad gekauft. Ansonsten wäre da Craigslist (siehe oben) wieder eine mögliche Anlaufstelle gewesen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Fachgeschäften.

So viel Geld braucht ihr in Vancouver

Die Lebenserhaltungskosten sind durchaus als hoch zu bezeichnen. Gute Supermärkte gehobener Klasse sind Wholefoods, Safeway oder SafeOn. Günstiger kann man Lebensmittel bei No-Frills oder kleineren, lokaleren Supermärkten erwerben. Ich habe auch oft Lebensmittel auf dem Markt auf Granville Island gekauft. Ähnliche Varianz gibt es auch bei Restaurants und Schnellrestaurants. Gezahlt wird in kanadischen Dollar. Hauptsächliches Zahlungsmittel ist die Kreditkarte mit der man sowohl Geld abheben als auch direkt ausgeben kann. Steuern sind bei den angegebenen Preisen zum Teil nicht aufgeführt, wodurch sich der Preis eines Produktes an der Kasse noch erhöhen kann. Außerdem wird in Kanada für die meisten Dienstleistungen ein Trinkgeld von durchschnittlich fünfzehn Prozent des gesamten Preises gegeben. Wenn man das öffentliche Verkehrssystem nutzen möchte, hilft die Seite Translink (http://www.translink.ca). Eine Monatskarte für alle Zonen gab es für rund 90 $ in jedem Drogeriemarkt (zum Beispiel London Drugs) und wenigen Supermärkten (zum Beispiel Safeway). Zu meiner Zeit in Vancouver änderte sich aber gerade einiges, weil der Anbieter gewechselt hat. Neben dem öffentlichen Verkehrssystem ist Vancouver aus Europa per Flugzeug aus Amsterdam, London und Frankfurt direkt zu erreichen oder mit einmaligem Umsteigen über viele US-amerikanische Städte. Der Flughafen ist vom Stadtzentrum aus bequem per Bahn in rund zwanzig Minuten zu erreichen.

Die University of British Columbia, meine Gastuni in Vancouver

Als Campusuniversität ist die UBC natürlich gerade im Vergleich zum deutschen Universitätssystem beeindruckend. Sie hat im Prinzip sogar ihr eigenes Verwaltungssystem. Nur mit Vancouver ist die Uni politisch verbunden, aber man kann sie leicht mit einer Vielzahl von Bussen rund um die Uhr erreichen. Je nachdem wo man wohnt, kann die Anreise zwischen zehn Minuten und eineinhalb Stunden dauern, besonders zu den Stoßzeiten im dichten Berufsverkehr. Da kann es schon einmal passieren, dass einen Busse dann nicht mehr mitnehmen können. Dafür sollte man Zeit einplanen.

"Die UBC hat einen großen, hochmodernen Campus mit mehreren Museen, Bibliotheken, Cafés, Restaurants, Supermärkten und Sportangeboten."

Jens Lange

Das Student Union Building mit den Essens- und Partymöglichkeiten ist auf dem Campus für die Studierenden ein angenehmer Aufenthaltsort. Dort trifft man sich meistens zum Mittag, wobei man mit mindestens 5 $ für einen Salat, ein Sandwich oder zwei Pizzastücke rechnen muss. Zudem hat die UBC eine Vielzahl an sehr guten Sportvereinen zum Mitfiebern (http://www.gothunderbirds.ca), was von den StudentInnen jedoch leider kaum wahrgenommen wird. Speziell die Psychologie ist, wie eigentlich überall, etwas stiefmütterlich in einem nicht so schönen Gebäude untergebracht. Das machen die exzellenten WissenschaftlerInnen des Departments jedoch sicher wieder wett.

Da ich an der Universität keine Kurse belegen wollte und über den DAAD versichert war, musste ich mich nicht einschreiben. Ich galt als Besucher und somit konnten mir die MitarbeiterInnen vor Ort per Unterschrift auch Schlüssel und Zugangskarten (diese braucht man um in einige Gebäude nach 17 Uhr zu kommen) besorgen. In der Psychologie lief das über das Sekretariat des Departments. Das lokale WLAN ist frei für jeden zugänglich und arbeitet zuverlässig. Das einzige kleine Manko: Neben der allgemeinen Einrichtung in den Fakultätsgebäuden des Departments für Psychologie sind auch die Computer zum Teil recht alt und Lizenzen für einige wichtige Programme (wie zum Beispiel die Statistiksoftware SPSS) nicht vorhanden. Die Angestellten sind aber immer hilfsbereit. In meiner Gruppe hatten wir auch einige kleinere Laborräume, die für alle Mitarbeiter am Psychologie-Department mit dem notwendigen Equipment (Computer, Kameras usw.) ausgestattet waren.

Meine Forschungsarbeit an der University of British Columbia

Die Abteilung der Sozial- und Persönlichkeitspsychologie war mein Arbeitsumfeld. Genauer gesagt, war ich im Emotion and Self Lab tätig. Alle Kolleginnen und Kollegen waren hier sehr nett, hilfsbereit und fachlich ausgezeichnet.

Ich habe mich in Vancouver mit den paradoxen, sozialen Effekten von Narzissten beschäftigt. Die Forschung hat gezeigt, dass Narzissten auf den ersten Blick gleichzeitig einen guten und einen schlechten Eindruck hinterlassen sowie zeitgleich populär und unpopulär sind. Wie diese widersprüchlichen Effekte zustande kommen, ist noch nicht geklärt. Da Narzissten als sehr emotional gelten und nach Status streben, könnten status-bezogene Emotionen eine wichtige Rolle bei der Erklärung dieser Effekte spielen. Zusammen mit meinen Betreuern bin ich der Hypothese nachgegangen, dass unterschiedliche Formen von Stolz diesem Paradox zugrunde liegen. Dazu haben wir zwei Versuchspersonen nach Messung ihres Narzissmus miteinander über emotionale Erfahrungen sprechen lassen. Anschließend haben die Versuchspersonen gegenseitig ihre Popularität bewertet.

Gleichzeitig ergab sich die Möglichkeit, meine Fragestellung noch in einer anderen von der Abteilung bereits geplanten Studie zu testen, wodurch ich auch diesen Teil vorbereiten musste. Die eigentliche Erhebung lief dann über den Human Subject Pool der Sozialwissenschaften, in dem mehrere tausend StudentInnen eingeschrieben sind. Der Beauftragte des Pools kann einfach einen Account einrichten, dann erstellt man die Studie innerhalb des Programms und dann schreibt man Zeiteinheiten für Versuchspersonen aus. Alle verfügbaren Zeiteinheiten waren auch innerhalb eines Tages vergeben. Allerdings gibt es keinen Anreiz für die StudentInnen tatsächlich zur Testung zu kommen, wodurch ich oft versetzt wurde. Das ist bei einer Studie mit Dyaden natürlich besonders schlecht. Durch all diese Zwischenfälle ist die Erhebung der Daten noch nicht beendet, sondern wird zurzeit von einem anderen Mitarbeiter weitergeführt. Für zukünftige Stipendiaten empfehle ich daher dringend - im Gegensatz zu meiner Vorbereitung - die Lage zum Ethikantrag genauer zu prüfen und mehr Zeit für die Testung einzuplanen, wenn sich auf den Pool verlassen werden soll.

"Netzwerken funktioniert hier super: Zusätzlich zu meinen Projekten habe ich Vorträge vor den Mitarbeitern halten, wodurch ich viel Feedback zu meiner Forschung bekommen habe." Jens Lange

Durch regelmäßige Treffen mit anderen Doktoranden und Professoren habe ich immer neue Ideen entwickeln können. Eine dieser Ideen bezieht sich auf die psychologische Struktur von Neid. Ich gehe dabei der Frage nach, ob Neid in den Vorstellungen der Gesellschaft und der  Wissenschaft eine eindimensionale Emotion ist – also immer böswillig – oder ob er auch eine gutartige Seite hat. Dazu konnte ich bereits zwei Studien durchführen, die die Mehrdimensionalität von Neid unterstützen. Mit einigen der Mitarbeiter ist durch die Zusammenarbeit auch eine persönliche Beziehung entstanden und wir sind bereits wieder verabredet, uns demnächst bei einer Konferenz in den USA zu treffen. Ansonsten gab es wöchentlich ein Treffen der gesamten Abteilung und für jede Subgruppe, monatlich ein Beer on the Head (Freibier auf Kosten des Chefs der Abteilung) und monatlich eine Zusammenkunft mit StudentInnen.

Insgesamt kann ich meine Erfahrung in Vancouver als überaus lehrreich und lohnenswert zusammenfassen, vor allem auf privater aber auch auf beruflicher Ebene. Ich möchte mich hiermit noch einmal herzlich beim DAAD für die Unterstützung bedanken. Mein Dank gilt vor allem Stella Conradi, die mehrmals während der Bewerbungsphase und auch nach der Zusage überaus freundlich und allzeit bereit für meine Fragen zur Stelle war. Ich bin sehr glücklich, die Möglichkeit erhalten zu haben, einen Forschungsaufenthalt in Vancouver zu absolvieren.

Länderinfo: Kanada

  • Die Semesterzeiten der UBC sind von September bis Dezember und von Januar bis April. Außerhalb dieser Zeiträume gibt es zwar Kurse, aber insgesamt ist wenig los. Jens empfiehlt deshalb, zwecks Forschung immer während der Semesterzeiten zu kommen.
  • Flächenmäßig ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde. Der größte Teil ist unbesiedelt. Daher gibt es in weiten Teilen noch nahezu unberührte Natur. Außerdem ist die Landschaft hier sehr vielfältig: Auf den knapp 10 Millionen Quadratkilometern zwischen Atlantik und Pazifik finden sich die rauen Gebirgszüge der Rocky Mountains, dichte Wälder, endlose Prärie- und Tundra-Landschaften und mehr Flüsse und Seen als irgendwo anders auf der Welt.
  • Die universitäre Landschaft ist hier sehr bunt, weil es kein übergeordnetes staatliches Bildungsministerium gibt. Die Zuständigkeit für Ausbildung und Studium liegt bei den zehn Provinzen und drei Territorien Kanadas.
  • In Kanada unterscheidet man zwischen Universitäten und Colleges. Die Universitäten bieten die akademischen Abschlüsse Bachelor, Master und Ph.D. an. Die Colleges hingegen bieten traditionell berufsbezogene oder studienvorbereitende Ausbildungsgänge an. Hier heißen die Abschlüsse dann Certificate oder Diploma.
  • In Kanada bezahlt man Studiengebühren. Für ein Bachelorstudium sind das zwischen  5.000 $ und  30.000 $ pro Studienjahr (kanadische Dollar). Das Masterprogramm kostet zwischen 8.000 $ und 34.000 $. Ein Stipendienprogramm, wie es der Deutsche Akademische Austauschdienst anbietet, ist also viel wert.

Nützliche Links:

Länderinformationen des DAAD über Kanada:

Das passende Stipendium des DAAD finden und bewerben:

Die Homepage der University of British Columbia:

Der öffentliche Nachverkehr in Vancouver:

Arbeit oder Wohnung in Kanda gesucht? „Craigslist“ hilft weiter:

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