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Abi – und was dann? Ohne Kompromisse geht's meist nicht

Mal ehrlich: Wer kann schon sagen, was die Zukunft nach dem Abi bringt? Auch Sehri, die wir vom Abi bis zum Studium mit der Kamera begleitet haben, wusste lange nicht, was der richtige Weg ist. Im Interview verrät sie uns, was sie in dieser Zeit über sich gelernt hat, was sie heute macht und künftig plant.

Von: Martin Hardung

Stand: 27.04.2016

Sehri (rechts) mit Freunden in Australien | Bild: Privat

Wieviel Partymachen und Urlaub braucht man, um sich vom Abistress zu erholen?

Ich habe nicht viel Party gemacht, habe aber im Sommer ganz viel die Sonne genossen und bin mit Freunden ausgegangen, aber nicht unbedingt in Clubs. Ich habe zwei Wochen Urlaub in Griechenland mit meiner besten Freundin gemacht, was auch wirklich nötig war! Man muss wirklich mindestens zwei Wochen weg nach dem Abi, um sich von dem ganzen Stress zu erholen.

War die Zeit nach dem Abi so, wie du sie dir vorgestellt hattest?

Abiturientin Sehri bei der Zeugnisvergabe

Kurz nach dem Abi konnte ich noch nicht so entspannen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte noch das Gefühl, lernen zu müssen oder überhaupt irgendetwas machen zu müssen, weil Lernen und Abi so unter die Haut gingen, dass ich ein paar Tage gebraucht habe, um zu realisieren, dass es endlich vorbei ist. Danach war es aber so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Entspannen und Nichtstun.

Was war super, was eher schwierig in der Zeit zwischen Abi und Studium?

Mich zu entscheiden, was ich studieren soll, war schwierig. Obwohl ich nach dem Abi erstmal entspannen konnte, war da immer noch im Hinterkopf, dass ich mich endlich entscheiden muss. Mir wurde klar, dass es nach dem Abi erst richtig losgehen würde.

Ist dir die Entscheidung für ein Studienfach beziehungsweise eine Berufsrichtung leicht gefallen?

Ich habe die Entscheidung als ziemlich belastend empfunden, da ich ein Mensch mit vielen verschiedenen Interessen bin, die sich nicht vereinbaren lassen. Es haben zu viele Studiengänge zu mir gepasst, aber irgendwie konnte ich mich mit allen doch nicht so ganz zufrieden geben.

Wie hast du dich über Studien- beziehungsweise Ausbildungsmöglichkeiten informiert?

Ich habe viel mit meiner Familie geredet. Ich habe auch viele Freunde gefragt, die schon studieren, wie sie auf ihren Studiengang gekommen sind, ob es ihnen gefällt und ob sie eine Ahnung haben, was zu mir passen würde. Ansonsten habe ich ganz viel im Internet recherchiert. Am meisten haben mich die Gespräche mit meinen Eltern vorangebracht, weil sie diejenigen sind, die mich am besten kennen und wissen, was zu mir passt und was mich glücklich macht.

Wie hast du dich schließlich entschieden?

Mein Traumjob war Schauspielerei. Ich wusste, dass mir das wahnsinnig viel Spaß macht, weil ich in der Schule im Theater war und ich mich allgemein für das Theater schon immer interessiert habe. Die Berufschancen sind leider ziemlich schwer, deswegen kamen für mich eher Kunstgeschichte, Architektur und Wirtschaft in die engere Auswahl. Ich habe mich schließlich für Kunstgeschichte entschieden, weil ich die Kunst liebe und es schon als Hauptfach auf der Schule hatte.

Trotzdem hast du dich mehrmals umentschieden - warum?

Nach dem Abi habe ich mich mehrmals umentschieden, weil ich mit keinem Studiengang vollends zufrieden war und geschaut habe, ob ich etwas besseres finden konnte.

Bist du jetzt sicher, dass du die Fächerkombi weiterstudieren wirst, für die du dich letzten Herbst eingeschrieben hast?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das weiterstudieren soll. Es macht mir schon Spaß, aber ich werde an der Aufnahmeprüfung für Architektur an der FH in Augsburg teilnehmen und mich für BWL an der Uni Augsburg bewerben. Selbst, wenn ich beides nicht schaffen sollte, habe ich es wenigstens versucht und kann mit gutem Gewissen weitermachen.

Was meinst du: Sollte man versuchen, die eigenen Vorstellungen von Studium und Karriere gegenüber den Eltern durchzusetzen oder doch eventuell Kompromisse machen?

Man sollte Kompromisse eingehen, es sei denn, man versteht sich mit den Eltern gar nicht. Ich habe ein super Verhältnis zu meinen Eltern, deswegen ist mir ihre Meinung auch so wichtig.

Welche Kriterien haben für dich bei der Suche nach dem richtigen Fach eine wichtige Rolle gespielt?

Man sollte erst mal schauen, was man gut kann. Wenn man beispielsweise gut im Schreiben ist und nichts mit Zahlen anfangen kann, sollte man nicht auf einmal Mathematik studieren. Man sollte auch Spaß an der Sache haben, die man macht. Aber allein darauf zu achten, wäre auch ein Fehler, weil es für mich auch wichtig ist, gut zu verdienen. Das ist einer der Gründe gewesen, weswegen ich mich am Ende doch gegen ein Schauspielstudium entschieden habe. Mir war es im Endeffekt wichtiger, gut zu verdienen, statt Spaß im Job zu haben, aber mir dafür ständig Sorgen ums Geld machen zu müssen. Mit diesen Sorgen wäre ich am Ende ja auch unglücklich gewesen.

Was konntest du in der Zeit zwischen Abi und Studium an Lerneffekten mitnehmen?

Ich habe gelernt, wie es ist, auf sich alleine gestellt zu sein. Ich musste nach meinem Umzug alles selbst machen: kochen, waschen, putzen, mich um meine Finanzen kümmern. Ich habe gelernt sparsam, selbstständig und stark zu sein. Mir wurde auch klar, wie sehr ich an meiner Familie und meinen Freunden hänge, da ich sie sehr vermisst habe und bei jeder Gelegenheit versucht habe, sie zu besuchen. Aber irgendwann muss man auch loslassen können. Die guten Freunde bleiben schließlich ein Leben lang. Jetzt schätze ich auch die Dinge viel mehr, die meine Mama für die Familie macht und auch, dass mein Papa für die Familie so hart arbeitet.

Und wie war das mit deinen Klassenkameraden? Habt ihr Kontakt gehalten?

Der Kontakt mit den meisten Klassenkameraden ist eher ausgelaufen, obwohl wir uns alle während der Schulzeit super verstanden haben. Ich habe aber gute Freunde außerhalb der Schule und das schon seit Jahren.

Wie leicht fiel dir der Wegzug von deiner Familie und deiner Heimatstadt?

Der Umzug war am Anfang schon ziemlich schwer, weil es das erste Mal war, dass ich mich von meiner Familie getrennt habe. Es war auch sehr schwer für mich, mich von meiner besten Freundin zu trennen, weil wir ein Herz und eine Seele sind. Wir haben die Anfangsphase aber gut überstanden und besuchen uns so oft es geht. Und durch die neue Stadt haben wir mehr Möglichkeiten, etwas zu unternehmen und neue Leute kennenzulernen.

Du bist Anfang April in Australien. Was machst du dort und wie kam es dazu?

Sehri vor dem Sidney Opera House

Momentan bin ich in Australien, weil ich doch erst mal reisen wollte, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Ich wollte einfach mal raus und etwas Neues sehen, neue Leute kennenlernen, meine Englischkenntnisse verbessern und mich selbst neu entdecken. Ich hoffe, dass ich tolle neue Erfahrungen machen kann und mir etwas klarer über meine Zukunftsvorstellungen werde. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich an der Aufnahmeprüfung für Architektur in Augsburg teilnehmen und mich an der Uni für BWL bewerben. Ich möchte nämlich doch in Augsburg in der Nähe meiner Familie und Freunde bleiben und habe vor, mit meiner besten Freundin zusammenzuziehen, wenn ich für einen der beiden Studiengänge eine Zusage bekomme.

Wie geht‘s dir in Australien und was gefällt dir dort besonders gut?

Australien ist wirklich ein tolles Land. Ich lebe gerade in Sydney in einer WG und habe mit einem Englischkurs angefangen, um vor allem auch Leute kennenzulernen. Das Wetter hier ist wirklich super, viel besser als in Deutschland und allgemein sind hier alle viel lockerer und es gibt hier Menschen aus aller Welt. Ich habe viel mehr Ausländer kennengelernt als Australier. Das macht es aber sehr spannend, weil viele aus unterschiedlichen Gründen herkommen. Manche kommen wie ich, um die Sprache zu verbessern. Andere, um zu reisen. Wieder andere, um zu studieren.


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